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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 10, Kapitel 3</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260419-000004</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260419</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <date>20260419-000004</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K007047" xml:space="preserve">
                        <ref></ref>
                        <p><label></label>
  In X 3 wird über ein Beben berichtet, das angeblich die Stadt Salamine
 in Palaestina getroffen habe, die daraufhin durch Augustus
 wiederaufgebaut und in Diospolis umbenannt worden sei.

 <lb/><lb/>

  Der Wiederaufbau einer Stadt nach einer Katastrophe durch den Kaiser
 ist in ähnlicher Weise häufig in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> zu finden: Er nimmt sich der vom
 Unglück Gebeutelten an und versieht sie in unterschiedlicher Form mit
 Wohltaten. Im vorliegenden Fall wird allgemein vom Wiederaufbau der
 Stadt berichtet; an anderen Stellen werden weitere Hilfeleistungen des
 Kaisers bzw. Schenkungen an Stadt oder Einwohner ergänzt. Dieses
 Verhalten weisen alle Kaiser, ob christlich oder nicht, auf, sodass von
 einem Handlungsschema der römischen Herrscher in Krisenzeiten
 ausgegangen werden kann, das der Chronist immer wieder beobachtet.
 Krisen und Unglücke werden so zu einem wichtigen Handlungsmoment des
 Kaisers, das es dem Chronisten erlaubt, die guten Eigenschaften und
 Tugenden des jeweiligen Herrschers herauszustellen (<bibl><ref
 target="Meier_2007a"><title>Meier (2007a)</title></ref></bibl>, 256f.;
 zu den Herrschertugenden und ihre Verwendung in
 Herrschaftsbeschreibungen, Briefen etc. vgl. u.a. <bibl><ref
 target="Hunger_1964"><title>Hunger (1964)</title></ref></bibl>, <emph
 rend="italics">passim</emph>). In der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> wird dieses in anderen Fällen so
 stark bearbeitete Feld der Herrschertugenden und
 Herrschaftsstilisierung jedoch nicht in der sonst üblichen Form,
 nämlich der Betonung der Güte eines bestimmten Herrschers und seine
 Auszeichnung vor allen anderen, genutzt, der Chronist beschreibt dieses
 Verhalten eher als aus der Situation geboren, als eine Art Mechanismus,
 der sich wie folgt beschrieben lässt: Gott straft durch
 Naturkatastrophen, sein Stellvertreter auf Erden zeigt angesichts
 dessen Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit. Die Gesamtsituation
 des Strafens und der darauffolgenden Milderung der Lage muss im Rahmen
 des heilsgeschichtlichen Geschichtsverständnisses des Malalas gesehen
 werden: Gott straft, was als Erklärung für die Häufung der
 Naturkatastrophen während der Regierungszeit Justinians angesehen
 werden kann. Der Herrscher seinerseits lindert die Folgen, und in der
 Konsequenz bzw. parallel dazu tritt ein kathartischer Effekt ein: Die
 Menschen erkennen ihre Vergehen und bessern sich (<bibl><ref
 target="Meier_2007a"><title>Meier (2007a)</title></ref></bibl>, 258).
 An dieser Stelle sei auch auf die Ausführungen zu Kapitel 27 verwiesen,
 in dem die Heimsuchung Antiocheias durch ein schweres Erdbeben
 thematisiert wird. Zur Betrachtung von Naturkatastrophen in römischer
 Zeit und ihrer narrativen Verarbeitung siehe auch <bibl><ref
 target="Toner_2013"><title>Toner (2013)</title></ref></bibl>, 108ff.
 mit einem Kapitel zu „Narratives of Disaster“).

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
   
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000402" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K004400"/>Ἐπὶ δὲ τῆς βασιλείας τοῦ αὐτοῦ Αὐγούστου <anchor xml:id="K004430"/>Καίσαρος σεβαστοῦ 
                    <lb n="2"/><anchor xml:id="K002855"/>ἔπαθεν ὑπὸ θεομηνίας πόλις τῆς Παλαιστίνης ὀνόματι Σαλαμίνη. ἥντινα 
                    <lb n="3"/>πόλιν ἐγείρας ὁ αὐτὸς Αὔγουστος ἐπεκάλεσε Διὸς πόλιν. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K004430" xml:space="preserve">
                        <ref>1|8</ref>
                        <p><label>Καίσαρος:</label>
  Nach diesem Wort bietet die slaw. Überlieferung laut <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 174 noch
 das Wort Ὀκταουϊανοῡ, wobei diese Form natürlich <emph
 rend="italics">realiter</emph> eine Rückübersetzung des slaw.
 Wortbestandes (Ѡктоѹнѧ bei <bibl><ref
 target="Istrin_1994"><title>Istrin (1994)</title></ref></bibl>, 260;
 Октауня bei <bibl><ref target="Tvorogov_1999"><title>Tvorogov
 (1999)</title></ref></bibl>, 199) durch Thurn darstellt.

 (F.B., B.O.)</p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
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    </text>

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