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            <titleStmt>
                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 15, Kapitel 10</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260426-000003</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260426</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <date>20260426-000003</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
        <front>
            <!-- Inhaltszusammenfassung -->
<p xml:space="preserve"> Die Inhalte von Mal. XV 10 sind zunächst ein
Rechtsstreit zwischen Iuvenalia und Firmus, den Theoderich löst, dann die
Legislation Theoderichs, sein Fortzug nach Ravenna und schließlich seine
Nachfolge. Angesichts der Unterschiedlichkeit dieser Informationen könnte man
über eine Aufspaltung in mehrere kürzere Abschnitte nachdenken. Wo die
Trennung(en) zu erfolgen hätte(n), ist aber nicht eindeutig auszumachen, da
entsprechende sprachliche Marker fehlen.

 (F.B.)</p>
        </front> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000586" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K002741"/>˂Ἢ˃ μόνον δὲ ῥὴξ <emph rend="italics">Ῥώμης</emph> ἐγένετο ὁ αὐτὸς <anchor xml:id="K002740"/>Θευδερίχος, προσῆλθεν 
                    <lb n="2"/>αὐτῷ μία χήρα, <anchor xml:id="K002744"/>συγκλητικὴ Ῥώμης, ὀνόματι Ἰουβεναλία, διδάσκουσα 
                    <lb n="3"/>αὐτόν, ὅτι <anchor xml:id="K002756"/>῾τρία ἔτη ἔχω δικαζομένη μετὰ τοῦ <anchor xml:id="K002743"/>πατρικίου Φόρμου· ἀλλὰ 
                    <lb n="4"/>εὐλύτωσόν με.᾽ καὶ ἐνεγκὼν τοὺς δικολόγους τῶν ἀμφοτέρων μερῶν εἶπεν 
                    <lb n="5"/>αὐτοῖς, ὅτι <anchor xml:id="K002558"/>῾εἰ μὴ διὰ τῆς αὔριον καὶ τῆς μετ᾿ αὐτῆς δώσετε αὐτοῖς τὸν 
                    <lb n="6"/>ὅρον καὶ ἀπαλλάξετε αὐτούς, ἀποκεφαλίζω ὑμᾶς.᾿ καὶ καθίσαντες διὰ 
                    <lb n="7"/>τῶν δύο ἡμερῶν εἶπαν τὰ δοκοῦντα τοῖς νόμοις, δεδωκότες αὐτοῖς ὅρον 
                    <lb n="8"/>καὶ ἀπαλλάξαντες αὐτούς. καὶ ἅψασα κηροὺς Ἰουβεναλία προσῆλθεν 
                    <lb n="9"/>αὐτῷ, εὐχαριστῶσα, ὅτι· ῾εὐλυτώθην τῆς δίκης·᾿ καὶ ἠγανάκτησεν ὁ αὐ- 
                    <lb n="10"/>τὸς <anchor xml:id="K002560"/>Θευδερίχος κατὰ τῶν δικολόγων, καὶ ἀγαγὼν αὐτοὺς εἶπεν αὐτοῖς· 
                    <lb n="11"/>῾διὰ τί, ὃ ἐποιήσατε εἰς δύο ἡμέρας καὶ ἀπηλλάξατε αὐτούς, εἰς τρία ἔτη 
                    <lb n="12"/>οὐκ ἐποιήσατε;᾽ καὶ πέμψας ἀπεκεφάλισε τοὺς δικολόγους τῶν ἀμφο- 
                    <lb n="13"/>τέρων μερῶν, καὶ ἐγένετο <anchor xml:id="K002561"/>φόβος πολύς. <anchor xml:id="K002745"/>καὶ ἐποίησε διάταξιν περὶ ἑκά- 
                    <lb n="14"/>στου νόμου. 
                    <lb n="15"/><anchor xml:id="K005384"/>Καὶ ἐξελθὼν ἀπὸ τῆς Ῥώμης ὤκησε τὴν Ῥάβενναν, πόλιν παράλιον, 
                    <lb n="16"/>ἕως <anchor xml:id="K005915"/>θανάτου αὐτοῦ. καὶ <anchor xml:id="K002742"/>μετὰ θάνατον αὐτοῦ ἐγένετο ῥὴξ Ῥώμης ὁ ἔκγο- 
                    <lb n="17"/>νος αὐτοῦ <anchor xml:id="K002746"/>Ἀταλάριχος. ἦν δὲ Ἀρειανὸς τῷ δόγματι, ὅ ἐστιν Ἐξακιονίτης. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K002741" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>˂Ἢ˃ μόνον δὲ ῥὴξ Ῥώμης ἐγένετο:</label>
  Die Verbindung ἥ μόνον (δὲ) ist fast ausschließlich in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> belegt, wo sie, wie hier, sehr gern
 im Kontext der ersten Maßnahmen eines neuen Herrschers verwendet wird:
 <ref target="#K001852">4, 5</ref>. Die Rekonstruktion von <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 307 ist
 daher plausibel.

 (F.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002740" xml:space="preserve">
                        <ref>1|9</ref>
                        <p><label>Θευδερίχος:</label>
  Der Chronist berichtet hier, dass Theoderich König von Rom geworden
 sei; er wird in seiner Rolle als Konsul bereits in XV 5,27 und als
 ehemaliger Konsul in XV 9,1 erwähnt.

 <lb/><lb/>

  Gemeint ist Theoderich der Große (PLRE II (Fl. Theodericus 7),
 1077-1084), König der Ostgoten (ca. 471–493 n. Chr., danach bis 526
 Stellvertreter des oströmischen Kaisers in der Präfektur Italien). Aus
 dem Haus der Familie der Amaler stammend regierte er als <emph
 rend="italics">Flavius Theodericus rex</emph> bis zu seinem Tod über
 Römer und Goten in der Präfektur Italien (493–526 n. Chr.), im Jahr 476
 n. Chr. war er von Zenon zum <emph rend="italics">patricius</emph> und
 <emph rend="italics">magister militum praesentalis</emph>, 484 n. Chr.
 zum Konsul ernannt worden. Theoderich wurde um 453 als Sohn des Königs
 Theodemer und der katholischen Gotin Erelieva geboren (vgl. <emph
 rend="italics">Anonymus Valesianus</emph> 12,58) und war ab ca. 471
 Herrscher über einen Verband von Ostgoten in der Nachfolge seines
 Vaters. Die Jahre von 453 bis 478 sind nicht eindeutig belegt, nach
 Jordanes und Ennodius verbrachte Theoderich jedoch die Zeit von 461 bis
 471 als Geisel am Hof von Konstantinopel (Iord. <emph
 rend="italics">Get.</emph> 281; Ennod. <emph
 rend="italics">Paneg.</emph> 11), um den Frieden zwischen seinem Vater
 Theodemer und Kaiser Leo I. zu garantieren. In dieser Zeit muss er auf
 vielfältige Weise mit der römischen Kultur, dem Hofzeremoniell und auch
 einer schulischen Ausbildung in Berührung gekommen sein, die die
 spätere Ausgestaltung und Inszenierung seiner eigenen Herrschaft
 beeinflusst haben können. Nach seiner Rückkehr und vor seinem
 Italienfeldzug war er in zahlreiche militärische Aktionen involviert,
 so z.B. in einen Kampf gegen die Sarmaten und die Einnahme der Stadt
 Singidunum im Jahr 471, was er, zumindest rückwirkend (Theoderich
 feierte im Jahr 500 sein dreißigjähriges Herrschaftsjubiläum), als
 Beginn seines Königtums angesehen haben muss (Iord. <emph
 rend="italics">Get.</emph> 281f., vgl. <bibl><ref
 target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram (1990b)</title></ref></bibl>,
 259ff.). Diese in der Forschung als „pannonisches Ostgotenreich“
 bezeichnete Phase der Herrschaft der Amaler (vgl. z.B. <bibl><ref
 target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram (1990b)</title></ref></bibl>,
 259) und auch die sich anschließende Phase der Kämpfe auf dem Balkan
 (473–488) waren geprägt von einem beständigen Auf und Ab der
 Beziehungen zu Konstantinopel und brachten den Amaler Theoderich
 mehrfach in Konflikt mit dem „schielenden“ Theoderich Strabo (PLRE II
 (Theodericus Strabo 5), 1073-1076). Als Schwager Aspars und dessen
 Unterbefehlshaber genoss dieser großes Ansehen am oströmischen Hof und
 war von dort als „Alleinherrscher der Goten“ anerkannt worden – erhob
 also ebenso wie der Amaler Theoderich alleinigen Machtanspruch auf die
 Führung der Ostgoten. Auch dieses Hindernis konnte jedoch ausgeräumt
 werden, da der schielende Theoderich im Jahr 481 ums Leben kam (Iord.
 <emph rend="italics">Get.</emph> 285ff.) In der Zwischenzeit hatte
 Theoderich zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen erhalten: Im Jahr 476
 war er Waffensohn Kaiser Zenos geworden, trat am 1. Januar 484 den
 Konsulat in Konstantinopel an (und musste damit spätestens dann auch
 bereits römischer Bürger geworden sein) und übte 476/8 sowie 483–487 in
 der Funktionsbezeichnung <emph rend="italics">patricius</emph> das Amt
 des obersten Heermeisters aus (<emph rend="italics">Anon. Vales.</emph>
 11,49; <bibl><ref target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram
 (1990b)</title></ref></bibl>, 268ff. und 286ff.). Nachdem Theoderich
 mit seinen Feldzügen auf dem Balkan zu einer ernstzunehmenden Bedrohung
 für Konstantinopel geworden war, wurde er von Zenon nach Italien
 entsandt, mit dem Auftrag, den dort herrschenden Odoaker zu beseitigen.
 Der konkrete Auftrag lautete dabei, solange an der Stelle des Kaisers
 dort (in Italien) zu herrschen, bis dieser dorthin komme (<emph
 rend="italics">Anon. Vales.</emph> 11,49: <emph rend="italics">Cui
 Theodericus pactuatus est, ut, si victus fuisset Odoacar, pro merito
 laborum suorum loco eius, dum adveniret, tantum praeregnaret.</emph>.
 Dieses <emph rend="italics">praeregnare</emph> wurde in der Folgezeit
 zur innenpolitischen Legitimierung Theoderichs als Herr der römischen
 Verwaltung und Heeres und zudem seines Vorranges im gesamten Westreich,
 da er faktisch als Stellvertreter des Kaisers nach dem Verlust eines
 eigenständigen weströmischen Kaiser dort herrschte (<bibl><ref
 target="Wolfram_2001"><title>Wolfram (2001)</title></ref></bibl>, 78).
 Zudem wurde der Fall des <emph rend="italics">praeregnare</emph> zur
 dauerhaften Institution, da Zeno im Jahr 491 verstarb und sein
 Nachfolger mit augenscheinlich wichtigeren Staatsgeschäften befasst
 war, als den mittlerweile in Italien etablierten Gotenkönig wieder
 abzulösen.

  Theoderich erreichte Italien im Jahr 489 und konnte sich nach drei
 Jahren Kriegszustand und einer Belagerung Ravennas gegen Odoaker (PLRE
 II (Odovacer), 791-793) durchsetzen. Nachdem er mit ihm zunächst eine
 Herrschaftsteilung vereinbart hatte, ließ er ihn 493 ermorden und wurde
 kurz darauf von seinem Heer zum <emph rend="italics">rex
 Gothorum</emph> ausgerufen (zur Thematik der Schilderhebung und der
 Frage nach der Rechtstaatlichkeit vgl. <bibl><ref
 target="Claude_1980"><title>Claude (1980)</title></ref></bibl>,
 149–186, <bibl><ref target="Claude_1978"><title>Claude
 (1978)</title></ref></bibl>, 1–13; <bibl><ref
 target="Wolfram_1979"><title>Wolfram (1979)</title></ref></bibl>, 1–28,
 <bibl><ref target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram
 (1990b)</title></ref></bibl>, 286ff.; <emph rend="italics">Anon.
 Vales.</emph> XI (54ff.)) Die offizielle Anerkennung seines Königtums
 erfolgte jedoch erst im Jahr 497, nachdem Theoderich bereits mehrere
 Gesandtschaften unter senatorischer Führung nach Konstantinopel
 geschickt hatte. Mit der Übersendung der <emph rend="italics">vestis
 regia</emph> war Theoderichs Herrschaft nun legitim; er führte jedoch
 weiterhin lediglich den Titel <emph rend="italics">rex</emph> und griff
 die zentralen Privilegien des Kaisers wie die Annahme des
 Imperator-Titels, das Anlegen kaiserlicher Gewänder, die selbstständige
 Ernennung von Konsuln, Patriziern und Senatoren, die Gesetzgebung sowie
 die Münzhoheit nicht an, wenn er seine Macht auch faktisch durchaus der
 kaiserlichen im Westen des Imperium Romanum entsprach und er auch in
 kaiserlichem Habitus auftrat (Procop. <emph rend="italics">Goth.</emph>
 I 1,26; <bibl><ref target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram
 (1990b)</title></ref></bibl>, 288ff.; <bibl><ref
 target="Lütkenhaus_2002"><title>Lütkenhaus (2002)</title></ref></bibl>,
 315). Dieses Verhalten gegenüber dem oströmischen Kaiser, dessen
 Vorrechte er wahrte und um dessen Wohlwollen er sich vor allem in den
 Anfangsjahren seiner Herrschaft bemühte, fand auch in der Tagespolitik
 Niederschlag. Stets um Ausgleich der gotischen und römischen Interessen
 bemüht, fand die Ansiedlung seiner gotischen Stammesgenossen in
 geregelten Bahnen und wohl sowohl über eine Beteiligung an
 Steuereinnahmen als auch über eine Vergabe von Land statt (vgl.
 Cassiod. <emph rend="italics">var.</emph> II 16,5). Die römische
 Staatsstruktur blieb in ihren Grundpfeilern bestehen, nur wo es ihm
 nötig erschien, fügte Theoderich den bereits bestehenden Strukturen
 gotische Institutionen hinzu (<bibl><ref
 target="Enßlin_1959"><title>Enßlin (1959)</title></ref></bibl>,
 188–197). Auch das römische Rechtssystem behielt seine Gültigkeit, das
 <emph rend="italics">Edictum Theoderici</emph>, das von Theoderich
 erlassene Gesetzeswerk, modernisierte lediglich das römische
 Kaiserrecht und passte es den aktuellen Umständen an (<bibl><ref
 target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram (1990b)</title></ref></bibl>,
 288). In religiösen Fragen, die vor allem zu Beginn seiner Herrschaft
 im Rahmen des laurentianischen Schisma 501 bis ca. 506/507, die
 Tagespolitik bestimmten, hielt Theoderich sich zurück und erst gegen
 Ende seiner Herrschaft – beeinflusst durch Unstimmigkeiten politischer
 Art – kam es zu Auseinandersetzungen mit Konstantinopel in Bezug auf
 die arianische Glaubensrichtung der Ostgoten (<bibl><ref
 target="Lütkenhaus_2002"><title>Lütkenhaus (2002)</title></ref></bibl>,
 315). Kennzeichnend für die Regierungszeit Theoderichs und vor allem
 für die ersten Jahre seiner Herrschaft wurde die Idee der <emph
 rend="italics">civilitas</emph>, eines ursprünglich aus der
 kaiserzeitlichen Herrschaftspropaganda stammenden Konzeptes, das anders
 als in seiner früheren Verwendung nicht die Nähe des Herrschers zu
 seinen Untertanen angab, sondern einen politischen und
 gesellschaftlichen Idealzustand, der sich durch das friedliche
 Zusammenleben zweier Völker kennzeichnete und von Theoderich als
 solcher beschützt wurde (vgl. zum Konzept der <emph
 rend="italics">civilitas</emph> <bibl><ref
 target="Reydellet_1995"><title>Reydellet (1995)</title></ref></bibl>,
 286–296 sowie <bibl><ref target="Stüven_1995"><title>Stüven
 (1995)</title></ref></bibl>).

  Die Außenpolitik Theoderichs war geprägt durch den Versuch, die auf dem
 Boden des westlichen Imperium Romanum entstandenen germanische
 Königreiche durch eine durchgeplante Heiratspolitik aneinander zu
 binden und selbst eine Vorreiterrolle im Westreich einzunehmen (vgl.
 Cassiod. <emph rend="italics">Var.</emph> I 1,3: <emph
 rend="italics">alias gentes anteimus</emph>, <bibl><ref
 target="Lütkenhaus_2002"><title>Lütkenhaus (2002)</title></ref></bibl>,
 315). Diese Vorreiterrolle begründete Theoderich u.a. mit einer
 Nachahmung der römischen Herrschaft seinerseits: er benannte den
 oströmischen Kaiser ausdrücklich als Vorbild für die Ausgestaltung
 seiner Politik sowie seiner eigenen Herrschaftsrepräsentation (vgl.
 Cassiod. <emph rend="italics">Var.</emph> I 1; die Feier der <emph
 rend="italics">tricennalia</emph> im Jahr 500 mit feierlichem Einzug
 Theoderichs in die Stadt Rom, der dem kaiserlichen <emph
 rend="italics">adventus</emph> nachgestaltet wurde, steht in dieser
 Tradition, vgl. <emph rend="italics">Anon. Val.</emph> 12,67). Das
 Erstarken der Franken unter ihrem Herrscher Chlodwig, der ebenfalls die
 Anerkennung durch Ostrom suchte, sich taufen ließ und sich als in der
 Nachfolge römischer Kaiser stehend darstellte, beendet jedoch die Phase
 der ostgotischen Führung im Westreich. (<bibl><ref
 target="Lütkenhaus_2002"><title>Lütkenhaus (2002)</title></ref></bibl>,
 315f., vgl. auch <bibl><ref target="Wiemer_2007"><title>Wiemer
 (2007)</title></ref></bibl> sowie <bibl><ref
 target="Meier_Patzold_2014"><title>Meier, Patzold
 (2014)</title></ref></bibl>)

  Die letzten Jahre der Herrschaft Theoderichs wurden überschattet zum
 einen durch die Tatsache, dass der Ostgotenkönig weder einen leiblichen
 Nachfolger hatte noch einen anderen geeigneten Kandidaten hatte
 installieren können, der sein Konzept der Herrschaft über Goten und
 Römer und die Personalunion mit dem Westgotenreich hätte fortführen
 können; zum anderen häuften sich in den Jahren unmittelbar vor seinem
 Tod die Konflikte mit Angehörigen des römischen Senates, die in der
 Hinrichtung prominenter Senatoren (Symmachus und Boethius) endeten.
 Theoderich verstarb im Jahr 526 und designierte noch auf dem Sterbebett
 seinen minderjährigen Enkel Athalarich zu seinem Nachfolger (siehe
 Kommentar zu Athalarich; <emph rend="italics">Anon. Val.</emph> 16,94
 sowie Procop. <emph rend="italics">Goth.</emph> I 1,39; <bibl><ref
 target="Lütkenhaus_2002"><title>Lütkenhaus (2002)</title></ref></bibl>,
 316; zur Person und Herrschaft Theoderichs siehe zudem einschlägig
 <bibl><ref target="Ausbüttel_2012"><title>Ausbüttel
 (2012)</title></ref></bibl>; <bibl><ref
 target="Moorhead_1992"><title>Moorhead (1992)</title></ref></bibl>;
 <bibl><ref target="Wolfram_1993"><title>Wolfram
 (1993)</title></ref></bibl>, 3–20; <bibl><ref
 target="Wiemer_2018"><title>Wiemer (2018)</title></ref></bibl>).

  In einigen Quellen taucht Theoderich als Sohn (z.B. bei Malalas selbst,
 vgl. Malal. XV 9) oder Enkel Valamers (PLRE II (Valamer), 1135f.) auf,
 war aber dessen Neffe: Theoderich ist der Sohn Theodemers (PLRE II
 (Theodemer 2), 1069f.), des Brudes Valamers, der der Beschreibung bei
 Jordanes folgend, zum gleichen Zeitpunkt zur Welt kam (ca. 453), als es
 dem damaligen Gotenfürsten Valamer gelungen war, den Hunnen eine
 schwere Niederlage beizubringen (vgl. Iord. <emph
 rend="italics">Get.</emph> 269).

 <lb/><lb/>

 (F.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002644" xml:space="preserve">
                        <ref>2|4</ref>
                        <p><label>ῥὴξ _Ῥώμης_:</label>
  <emph rend="italics">Ῥώμης</emph> wurde von <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 307
 anhand des <emph rend="italics">Chron. pasch.</emph> 604,16 Dindorf
 unter Verweis auf die slawische Fassung rekonstruiert (wo es "in Rom"
 heißt, vgl. <bibl><ref target="Istrin_1994"><title>Istrin
 (1994)</title></ref></bibl>, 338; <bibl><ref
 target="Tvorogov_1999"><title>Tvorogov (1999)</title></ref></bibl>,
 350). Zu diesem Titel: <ref target="#K005913">15, 9</ref>.

 (K.C.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002744" xml:space="preserve">
                        <ref>2|4</ref>
                        <p><label>συγκλητικὴ Ῥώμης, ὀνόματι Ἰουβεναλία:</label>
  PLRE II (Iuvenalia), 651.

 <lb/><lb/>

  Die Senatorin oder <emph rend="italics">patricia</emph> (so Joh. Nik.
 88,52) ist nur aus diesem in der Malalas-Tradition berichteten
 Prozess bekannt.

 (F.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002756" xml:space="preserve">
                        <ref>3|3</ref>
                        <p><label>τρία ἔτη ἔχω δικαζομένη:</label>
  Auf eine verworrene Rechtslage, die zu langen Prozessen führe, spielt
 Justinian in den Konstitutionen an, die seinen Codex in Kraft setzen.
 Dort heißt es u.a., Justinian wolle die <emph
 rend="italics">prolixitas litium</emph> beschneiden (<emph
 rend="italics">Const. Haec pr.</emph>) und <emph rend="italics">ad
 brevitatem reducendo caliginem earum</emph> (<emph
 rend="italics">constitutiοnum</emph>) <emph rend="italics">rectis
 iudicum definitionibus insidiantem penitus extirpare</emph> (<emph
 rend="italics">Const. Summa</emph> 1). Dies könnte nun reine Rhetorik
 sein, doch weist u.a. auch CJ XI 48,20 in diese Richtung. Dieser
 justinianische Rechtstext behandelt den Fall, dass <emph
 rend="italics">coloni</emph> ihre <emph rend="italics">domini</emph>
 in ihrer Eigenschaft als <emph rend="italics">domini</emph>
 anzweifeln. In den Bestimmungen hierzu heißt es u.a., die <emph
 rend="italics">coloni</emph> sollen sich einen Bürgen suchen, der im
 Falle einer Niederlage ihre Abgaben an den (nun als rechtmäßig
 erwiesenen) <emph rend="italics">dominus</emph> zahlen kann. Falls
 nach drei Jahren jedoch der Fall noch immer nicht geklärt ist, sollen
 die <emph rend="italics">coloni</emph> sich erneut einen Bürgen
 suchen. Eine mehrjährige Prozessdauer erscheint also keineswegs
 unglaubwürdig, selbst eine Dauer von über drei Jahren nicht. Ob man
 deswegen für den Prozess zwischen Iuvenalia und Firmus agrarische
 Arbeitskräfte und/oder Parzellen als Streitobjekt annehmen sollte,
 muss offen bleiben. Es sei mit <bibl><ref
 target="König_2018"><title>König (2018)</title></ref></bibl>, 25
 zumindest daran erinntert, dass die Rückkehr von Italikern aus
 burgundischer Gefangenschaft zu Beginn von Theoderichs Herrschaft zu
 "große[n] Unruhen wegen Besitzstörung" geführt habe, wie Ennod. <emph
 rend="italics">VEpiph.</emph> 178; 181 belegt.

 (F.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002743" xml:space="preserve">
                        <ref>3|9</ref>
                        <p><label>πατρικίου Φόρμου:</label>
  PLRE II (Firmus 3), 472.

 <lb/><lb/>

  Seine Person ist nur aus der Malalas-Tradition bekannt, wo sein Name
 teils als Φόρμος (<emph rend="italics">Chron. Pasch.</emph> 604,18 und
 slaw. Überlieferung), teils als Φίρμος erscheint (so der <emph
 rend="italics">Baroccianus</emph> und Joh. Nik. LXXXVIII 52). Zum
 Titel <emph rend="italics">patricius</emph>: <ref
 target="#K003647">13, 27</ref>.

 (F.B., K.C.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002558" xml:space="preserve">
                        <ref>5|3</ref>
                        <p><label>εἰ μὴ διὰ τῆς αὔριον καὶ τῆς μετ᾿ αὐτῆς δώσετε αὐτοῖς τὸν ὅρον καὶ ἀπαλλάξετε αὐτούς:</label>
  Die slawische Fassung lautet ins Deutsche übertragen: Wenn ihr ihnen
 nicht geantwortet und bis morgen das Urteil nicht verkündet habt und
 die [Sache] während drei Tagen nicht geklärt habt... (vgl. <bibl><ref
 target="Istrin_1994"><title>Istrin (1994)</title></ref></bibl>, 338;
 <bibl><ref target="Tvorogov_1999"><title>Tvorogov
 (1999)</title></ref></bibl>, 350)

 (K.C.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002560" xml:space="preserve">
                        <ref>10|2</ref>
                        <p><label>Θευδερίχος</label>
  Die slawische Fassung (<bibl><ref target="Istrin_1994"><title>Istrin
 (1994)</title></ref></bibl>, 338; <bibl><ref
 target="Tvorogov_1999"><title>Tvorogov (1999)</title></ref></bibl>,
 350) und <emph rend="italics">Chron. pasch.</emph> 605,5 Dindorf haben
 statt des Eigennamens hier ῥὴξ (bzw. die slawische Entsprechung).

 (K.C.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002561" xml:space="preserve">
                        <ref>13|5</ref>
                        <p><label>φόβος πολύς:</label>
  φόβος πολύς entspricht dem Text der slawischen Fassung (<bibl><ref
 target="Istrin_1994"><title>Istrin (1994)</title></ref></bibl>, 338 und
 <bibl><ref target="Tvorogov_1999"><title>Tvorogov
 (1999)</title></ref></bibl>, 350), <emph rend="italics">Chron.
 pasch.</emph> 605,8 Dindorf hingegen nur φόβος.

 <lb/><lb/>

  Generell stellt φόβος ein Schlüsselwort in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> dar; dazu: <ref
 target="#K002811">1, 8</ref>, vor allem in den letzten Büchern. Als
 Abschluss einer Erzähleinheit ist mit φόβος/φοβερός zumeist eine
 positiv konnotierte Läuterung gemeint, die aus der durch Gott und/oder
 Kaiser erzeugten Furcht resultiert: <ref target="#K000896">2, 4</ref>;
 siehe auch <bibl><ref target="Scott_1985"><title>Scott
 (1985)</title></ref></bibl>, 103f.; <bibl><ref
 target="Meier_2004a"><title>Meier (2004a)</title></ref></bibl>, 344f.;
 <bibl><ref target="Meier_2007d"><title>Meier
 (2007d)</title></ref></bibl>, 577--583.

 (K.C., F.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002742" xml:space="preserve">
                        <ref>16|5</ref>
                        <p><label>μετὰ θάνατον αὐτοῦ ἐγένετο ῥὴξ Ῥώμης ὁ ἔκγονος αὐτοῦ Ἀταλάριχος. ἦν δὲ Ἀρειανὸς τῷ δόγματι, ὅ ἐστιν Ἐξακιονίτης:</label>
  Diese zwei Sätze sind an das Muster, mit dem in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> ein Wechsel auf dem Kaiserthron
 berichtet wird, angelehnt:

 <lb/><lb/>

  # Es wird der Tod des Vorgängers angegeben; hier: μετὰ θάνατον αὐτοῦ;
 # bei Kaisern: μετὰ δὲ τὴν βασιλείαν + Name des Vorgängers im Gen.

  # Darauf folgt eine Ankündigung des neuen Herrschers; hier: ἐγένετο
 # ῥὴξ Ῥώμης ὁ ἔκγονος αὐτοῦ Ἀταλάριχος; sonst: ἐβασίλευσεν + Name des
 # neuen Kaisers

  # Zuletzt findet man eine kurze Angabe zu Merkmalen des neuen
 # Herrschers; hier lautet sie: ἦν δὲ Ἀρειανὸς τῷ δόγματι, ὅ ἐστιν
 # Ἐξακιονίτης. Eine Angabe der Regierungszeit fehlt jedoch.

 <lb/><lb/>

  Generell zu solchen Übergängen: <ref target="#K001503">17, 1</ref>; zum
 Titel ῥὴξ Ῥώμης: <ref target="#K005913">15, 9</ref>; zur Bezeichnung
 der Arianer als Exakioniten: <ref target="#K000094">18, 7</ref>. Es ist
 zu bemerken, dass diese Prolepse, jedoch nicht unbedingt den ganzen
 Abschnitt XV 9--10 oder das ganze Buch, offenkundig nach 526
 geschrieben wurde.

 (F.B., O.G.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002746" xml:space="preserve">
                        <ref>17|3</ref>
                        <p><label>Ἀταλάριχος:</label>
  Der <emph rend="italics">Baroccianus</emph> (<emph
 rend="italics">fol.</emph> 245f, Z. 17) bietet nicht den Namen
 Athalarichs, sondern den Alarichs. <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 308 folgt
 jedoch mit Recht den Paralleltexten. Gemeint ist Athalarich, Enkel des
 Ostgotenkönigs Theoderichs (489–526 n. Chr.), der nach dessen Tod im
 Jahr 526 als König in der Präfektur Italien über Römer und Goten unter
 der Vormundschaft seiner Mutter Amalasuintha bis zu seinem Tod 534
 herrschte (PLRE II (Athalaricus), 175f.).

  Geboren im Jahr 516 als Sohn der Amalasuintha (PLRE II, 65), der
 Tochter Theoderichs, und Fl. Eutharicus Cilliga (PLRE II, 438) war er
 beim Tod seines Großvaters 10 Jahre alt. Noch auf dem Sterbebett hatte
 Theoderich die Nachfolge seines Sohnes in die Wege geleitet und ihn
 unter Vormundschaft seiner Mutter als nächsten König designiert,
 allerdings ohne dazu auch die Zustimmung Ostroms eingeholt zu haben
 (vgl. Iord. <emph rend="italics">Get.</emph> 304 und <emph
 rend="italics">Rom.</emph> 367; <emph rend="italics">Anonymus
 Valesianus</emph> 16,96). Es lag nun vor allem an Amalasiuntha, die
 Differenzen zwischen gotischer Herrschaft auf der einen und Senat sowie
 katholischem Klerus auf der anderen Seite zu schlichten und die von
 Theoderich stets propagierte Eintracht in der Präfektur Italien
 aufrecht zu erhalten. Eine Vereidigung sowohl der Goten als auch der
 Römer auf den neuen König erfolgte durch Beauftrage aus Ravenna, die
 gemeinsam mit dem loyalen Staatsbeamten Cassiodor die Fortsetzung des
 guten Verhältnisses zwischen beiden Bevölkerungsteilen versprachen und
 sich auch um die Anerkennung durch den oströmischen Kaiser bemühten
 (<bibl><ref target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram
 (1990b)</title></ref></bibl>, 333f., Cassiod. <emph
 rend="italics">Var.</emph> VIII 2). Die unmittelbar nach seinem
 Amtsantritt durchgeführten politischen Maßnahmen offenbarten eine
 deutliche Abkehr von der zuletzt unter Theoderich rigide geführten,
 bisweilen als antirömisch angesehene Politik, die sich vor allem in
 Verschwörungsvorwürfen gegen Angehörige des Senats und deren scharfer
 Verfolgung geäußert hatte (s. oben). In Cassiod. <emph
 rend="italics">Var.</emph> VIII 1 distanziert sich Athalarich von
 dieser harten Haltung seines Vorgängers und sucht im Gegenzug eine
 Garantie für eine weiterhin bestehende Gewährung eines Friedens- und
 Freundschaftsverhältnisses und gibt zugleich den durch die scharfen
 Gerichtsprozesse geschädigten Familien des Symmachus und Boethius
 Vermögensrechte zurück (vgl. Procop. <emph rend="italics">Goth.</emph>
 I 2,5; <bibl><ref target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram
 (1990b)</title></ref></bibl>, 334). Da Amalasuintha die Vormundschaft
 für ihren zu dem Zeitpunkt lediglich 10-jährigen Sohn innehatte, muss
 ein Großteil dieser Maßnahmen ihr und dem sie beratenden Hof- und
 Kanzleipersonal zugeschrieben werden. Essenz ihrer Herrschaft ist das
 sogenannte Edikt Athalarichs (Cassiod.<emph rend="italics">Var.</emph>
 9,18), das sich auf das Vorbild Theoderichs beruft und vor allem an
 dessen zu Beginn seiner Herrschaft dominante Politik des Ausgleichs
 zwischen Goten und Römern anknüpft. Mit dem Amtsantritt Athalarichs
 waren jedoch auch einige Faktoren verbunden, die zu einer Schwächung
 des Reiches führten. Zum einen brach die Personalunion der beiden
 Gotenreiche weg, sodass der westgotische Enkel Theoderichs, Amalarich
 (PLRE II (Amalaricus), 64f.) eine selbstständige Herrschaft über das
 Westgotenreich führen konnte, was mit einer Fülle von Machteinbußen für
 den Hof in Ravenna verbunden war (vgl. dazu ausführlich <bibl><ref
 target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram (1990b)</title></ref></bibl>,
 334; Procop. <emph rend="italics">Goth</emph>. 1,4f.). Zum anderen
 stand das ostgotische Reich aufgrund der Minderjährigkeit Athalarichs
 ohne einen Heerkönig da, der den Oberbefehl über den <emph
 rend="italics">Exercitus Gothorum</emph> hätte führen können. An des
 Königs statt führte der Gote Tuluin (PLRE II (Tuluin), 1131-1133), der
 als treuer Gefolgsmann Theoderichs und erfahrener Heerführer im Jahr
 526 zum <emph rend="italics">patricius praesentalis</emph> erhoben
 worden war, das Heer als oberster Heermeister an (Cassiod. <emph
 rend="italics">Var.</emph> VIII 9–11). Geschwächt wurde Athalarichs
 Herrschaft jedoch auch durch eine Auseinandersetzung innerhalb der
 gotischen Führungsschicht, deren Stoßrichtung u.a. die prorömische
 Haltung Amalasuinthas war; diese Haltung äußerte sich z.B. in der
 literarischen und philosophischen Ausbildung Athalarichs nach römischem
 Vorbild. Ihren eigenen Vorlieben folgend hatte Amalasuintha ihrem Sohn
 eine solche Erziehung zukommen lassen, die den zum Teil in traditionell
 gotischen Wertemustern denkenden und handelnden gotischen Adligen ein
 Dorn im Auge war. Mitglieder dieser intransigenten Gruppe, zu denen
 u.a. Amalasuinthas Vetter und späterer Mitregent Theodahat sowie auch
 antikaiserliche Römer wie (möglicherweise) die Brüder Cyprianus (PLRE
 II (Cyprinanus 2), 332f.) und Opilio (PLRE II (Opilio 4), 808)
 gehörten, versuchten an der Wende des Jahres 532 auf 533 die Macht zu
 übernehmen und sich zu diesem Zwecke auch des mittlerweile 16jährigen
 Athalarichs zu bemächtigen. Als verschiedene Besänftigungsversuch
 Amalasuinthas nicht fruchteten, bat sie den oströmischen Kaiser um
 Asyl, was dieser ihr auch gewähren wollte. Sie blieb letztlich jedoch
 trotz der Bedrohungen in Ravenna, da nun Theodahat selbst,
 eingeschüchtert durch diese Allianz, selbst Anstalten machte, das Land
 zu verlassen. Nachdem sich Amalasuintha zudem der wichtigsten
 Heerführer (möglicherweise unter ihnen Tuluin, vgl. Procop. <emph
 rend="italics">Goth.</emph> I 2) hatte entledigen können, die ebenfalls
 gegen sie opponiert hatten, war ihre Macht im Jahr 533
 wiederhergestellt. Als Athalarich am 2. Oktober 534 an Tuberkulose
 starb, war die Herrschaft seiner Mutter gefestigt und bestand auch über
 seinen Tod hinaus. Sie ernannte Theodahat zu Mitregenten und sich
 selbst zur Königin. König war Athalarich nie mehr als dem Namen nach
 gewesen (vgl. Procop. <emph rend="italics">Goth.</emph> I 2,19–29;
 Agnellus <emph rend="italics">Lib. pontif. eccl. Rav.</emph> 62;
 <bibl><ref target="Schwarcz_1997"><title>Schwarcz
 (1997)</title></ref></bibl>; <bibl><ref
 target="Wolfram_1990b"><title>Wolfram (1990b)</title></ref></bibl>,
 336f.; <bibl><ref target="Giese_2004"><title>Giese
 (2004)</title></ref></bibl>, 122f.; zu den Regierungsmaßnahmen
 Athalarichs vgl. Cassiod. <emph rend="italics">Var.</emph> VIII–X.)

 (F.B.)</p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
                    <bibl xml:id="Istrin_1994" xml:space="preserve">
                          Istrin (1994): Istrin, V. M.: 
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                    <bibl xml:id="König_2018" xml:space="preserve">
                          König (2018): König, Ingemar: 
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                        Darmstadt 2018
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Meier_2004a" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Meier_2007d" xml:space="preserve">
                          Meier (2007d): Meier, Mischa: 
                        Naturkatastrophen in der christlichen Chronistik. Das Beispiel Johannes Malalas (6. Jh.). 
                        Gymnasium 2007, 559–586
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         </listBibl>
     </div>
    
      </body>
    </text>

</TEI>