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            <titleStmt>
                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 17, Kapitel 11</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260503-000003</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260503</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <date>20260503-000003</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
        <front>
            <!-- Inhaltszusammenfassung -->
<p xml:space="preserve"> Mal. XVII 11 berichtet vom Tod des antiochenischen
Patriarchen Paulos (dessen vorheriger Rücktritt allerdings unerwähnt bleibt) und
seiner Ersetzung durch den Chalkedonier Euphrasios, der laut Malalas
Verfolgungen unter den "sogenannten Orthodoxen" vornehmen ließ.

 <lb/><lb/>

  Lit.: <bibl><ref target="Menze_2008"><title>Menze
  (2008)</title></ref></bibl>, 88--89.

 </p>
        </front>

<div xml:id="B000147" n="B000147" rend="inline" type="section">
  <p>            Griechisch: Evagr. IV 4; vgl. Theoph. 167,12 de Boor.


            Syrisch: Ps.-Dion. 26 Witakowski.


            Äthiopisch: Joh. Nik. XC,14.


            Vgl. _Coll. Avell._ 241--242.
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000555" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K001899"/>Ἐν ᾧ χρόνῳ <anchor xml:id="K001900"/>τελευτᾷ Παῦλος ὁ πατριάρχης Ἀντιοχείας, καὶ ἐγέ- 
                    <lb n="2"/>νετο ἀντ᾿ αὐτοῦ <anchor xml:id="K001901"/>Εὐφράσιος ὁ Ἱεροσολυμίτης, ὅστις <anchor xml:id="K001975"/>μέγαν ἐποίησεν 
                    <lb n="3"/>διωγμὸν κατὰ τῶν λεγομένων <anchor xml:id="K001976"/>ὀρθοδόξων, πολλοὺς φονεύσας. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001899" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Ἐν ᾧ χρόνῳ:</label>
  Die Formel ἐν ᾧ χρόνῳ legt das Geschehen lose in die Jahre um 521/22,
 in die die vorangehend geschilderten außenpolitischen Ereignisse in
 etwa gehören (zur Datierung <ref target="#K002111">17, 9</ref>; <ref
 target="#K002127">17, 10</ref>). Für den Rücktritt des Paulos gibt
 <emph rend="italics">Coll. Avell.</emph> 241 einen fixen <emph
 rend="italics">terminus ante quem</emph> im Mai 521. Dagegen setzt
 Theoph. 168,12 das erste Amtsjahr des Euphrasios zusammen mit dem
 fünften Regierungsjahr Justins (522/23) an. Er widerspricht sich aber
 selbst, wenn er Euphrasios in 167,20–23 schon für das dritte Jahr
 Justins (520/21) als "Euphrasios von Antiochia" (<emph
 rend="italics">i.e.</emph> offensichtlich als Bischof)
 kirchenpolitische Maßnahmen durchführen lässt (vgl. <bibl><ref
 target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 255, Anm. 4). In der vorangehenden
 Jahreszählung wird als Patriarch von Antiochia noch Paulos geführt
 (zweites von drei Jahren). Diese Unstimmigkeiten sind vielleicht auf
 die Listenzählung der Bischöfe zurückzuführen, die jeweils nur die
 Eintragung eines Bischofs pro Jahr vorsah, auch wenn in einem gegebenen
 Jahr der Amtsinhaber gewechselt hatte.

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001900" xml:space="preserve">
                        <ref>1|4</ref>
                        <p><label>τελευτᾷ:</label>
  Zu Paulos <ref target="#K001885">17, 6</ref>. Malalas' Angabe, wonach
 der Patriarch im Amt verstorben sei, findet sich auch bei Joh. Nik. XC
 14, wird aber durch zahlreiche pro- wie antechalkedonische Quellen
 widerlegt, die übereinstimmend berichten, dass der Patriarch sich
 gezwungen gesehen hatte, sein Amt niederzulegen: <bibl><ref
 target="Alpi_2006"><title>Alpi (2006)</title></ref></bibl>, 233f.,
 <bibl><ref target="Menze_2008"><title>Menze
 (2008)</title></ref></bibl>, 88. Vgl. auch <bibl><ref
 target="Downey_1961"><title>Downey (1961)</title></ref></bibl>, 519,
 Anm. 71, der davon ausgeht, dass der Hinweis auf Paulos' Tod im Amt
 dadurch zustande kam, dass Paulos bereits kurz nach dem Verlust des
 Episkopates verstarb. Diese Vermutung scheint sich bei Evagr. IV 4 zu
 bestätigen, der bei Downey als Parallele zu Malalas' Darstellung
 zitiert wird, jedoch noch mehr herzugeben scheint: "Nachdem Paulos sich
 freiwillig aus Antiochia zurückgezogen hatte, ging er den Weg aller
 Menschen, da er das Leben durchmessen hatte" (Παῦλος μὲν οὖν ἐθελούσιος
 ἀναχωρήσας τῆς Ἀντιοχου, τὴν πάντων στέλλεται πορείαν τὸν βίον
 διαμετρησάμενος). Paulos' ἀναχωρήσις könnte sich nicht nur auf die
 physische Entfernung aus Antiochia, sondern auch auf den Rückzug aus
 Amt und Würden beziehen.

 <lb/><lb/>

  Die Gründe für das Scheitern von Paulos' Amtszeit werden von
 <bibl><ref target="Menze_2008"><title>Menze
 (2008)</title></ref></bibl>, 48–55 präzise dargelegt. Die Versuche des
 erst 519 (Mal. XVII 6) neu eingesetzten Patriarchen, die bisher
 anti-chalkedonisch besetzten Bischofstühle auf chalkedonische Seite zu
 bringen, sorgten nicht nur für erhebliche Unruhe in dem
 zwiegespaltenen Patriarchat, sondern scheiterten einigenorts auch am
 Widerstand lokaler Kleriker. In einem weiteren Fall vergriff sich
 Paulos bei der Auswahl eines Nachfolgers, als er einen vertriebenen
 Anti-Chalkedonier durch einen Mann ersetzte, der sich wenig später der
 Unterstützung des Dyophysitismus (d.h. 'Nestorianismus', der von
 Chalkedoniern wie Miaphysiten gleichermaßen verdammt wurde) verdächtig
 machte. Die Mischung einer harschen Verfolgungspolitik gegen die
 Miaphysiten mit solchen Misserfolgen und Affären machte Paulos nicht
 nur bei den Verfolgten verhasst, sondern untergrub auch seine
 Unterstützung auf lokaler und kaiserlicher Seite, wodurch er sich vor
 Mai 521 gezwungen sah, sich von seinem Bischofsstuhl zurückzuziehen:
 <bibl><ref target="Menze_2008"><title>Menze
 (2008)</title></ref></bibl>, 55, 88; zur Datierung ebd., 53, Anm. 177
 mit <emph rend="italics">Coll. Avell.</emph> 241 und 242. Sein Rückzug
 bedeutete für die in Konstantinopel weilenden Legaten des Papstes, die
 seine Amtseinsetzung unterstützt hatten, einen empfindlichen Schlag:
 <bibl><ref target="Vasiliev_1950"><title>Vasiliev
 (1950)</title></ref></bibl>, 206.

 (J.B., B.O.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001901" xml:space="preserve">
                        <ref>2|4</ref>
                        <p><label>Εὐφράσιος ὁ Ἱεροσολυμίτης:</label>
  Der neue Bischof Euphrasios folgte Paulos wahrscheinlich noch im Jahr
 521 nach: <bibl><ref target="Stein_1949"><title>Stein
 (1949)</title></ref></bibl>, 231; <bibl><ref
 target="Honigmann_1951"><title>Honigmann (1951)</title></ref></bibl>,
 148f.; <bibl><ref target="Downey_1961"><title>Downey
 (1961)</title></ref></bibl>, 519; <bibl><ref
 target="Leppin_2011a"><title>Leppin (2011a)</title></ref></bibl>, 69.
 Nach dem desaströsen Episkopat des Paulos wurde er möglicherweise als
 stärker auf Ausgleich bedachter Kandidat installiert (vgl. <bibl><ref
 target="Stein_1949"><title>Stein (1949)</title></ref></bibl>, 231 sowie
 <bibl><ref target="Menze_2008"><title>Menze
 (2008)</title></ref></bibl>, 57 unter Verweis auf seine Herkunft aus
 Jerusalem, die ihn als Moderator zwischen Antiochia und dem wichtigen
 Episkopat seiner Heimatstadt qualifizierte). Die harsche Politik seines
 Vorgängers gegen Anti-Chalkedonier setzte er jedoch zweifelsohne fort:
 dazu im Einzelnen <bibl><ref target="Menze_2008"><title>Menze
 (2008)</title></ref></bibl>, 50f., 88f. Euphrasios starb in der Beben-
 und Feuerkatastrophe von Antiochia im Mai 526; sein Tod wird in der
 anti-chalkedonischen Berichterstattung mit äußerster Feindseligkeit
 ausgemalt: <ref target="#K002156">17, 22</ref>.

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001902" xml:space="preserve">
                        <ref>2f.|8</ref>
                        <p><label>μέγαν ἐποίησεν διωγμὸν κατὰ τῶν λεγομένων ὀρθοδόξων:</label>
  Das Partizip λεγόμενος wird in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> mal als Rückverweis auf eine
 bereits erwähnte bzw. thematisierte Person, Begebenheit oder Zeitspanne
 verwendet, mal im Sinne von: '(so-)genannt': <ref target="#K001718">18,
 125</ref>. Es ist daher interessant, dass dieses Wort hier in
 Verbindung mit ὀρθόδοξοι verwendet wird. Da Euphrasios Chalkedonier
 war, dürften die von ihm verfolgten "sogenannten Orthodoxen" mit
 Miaphysiten oder anderen Anti-Chalkedoniern zu identifizieren sein.
 <bibl><ref target="Drecoll_2016"><title>Drecoll
 (2016)</title></ref></bibl>, 51 betont, dass die Bezeichnung λεγομένοι
 ὀρθοδόξοι nicht zwingend eine negative Wertung enthält, weswegen
 Hinweise auf die glaubenspolitische Position des Autors sich aus dieser
 Aussage kaum entnehmen lassen (ähnlich <bibl><ref
 target="Alpi_2006"><title>Alpi (2006)</title></ref></bibl>, 238).

 (J.B., F.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001975" xml:space="preserve">
                        <ref>2|8</ref>
                        <p><label>μέγαν ἐποίησεν διωγμὸν:</label>
  Das griech. Wort διωγμὸς, klassich 'Jagd, Verfolgung', ist der
 technische Begriff für 'religiöse Verfolgung' geworden: Lampe s.v. 1;
 vgl. für die Verbindung mit μέγας schon Apg. 8,1: ἐγένετο δἒ ἐν ἐκείνῃ
 τῇ ἡμέρᾳ διωγμὸς μέγας κτλ. Die Gruppe, gegen die die Verfolgung
 gerichtet ist, wird mit dem Präpos. ἐπί + Akk. (z.B. Apg. 8,1: ἐπὶ τὴν
 ἐκκλησίαν τὴν ἐν Ἱεροσολύμοις) oder, wie hier, κατά + Gen. (vgl. Euseb.
 <emph rend="italics">Comm. in Psalmos</emph> = <emph
 rend="italics">PG</emph> XXIII S. 716,55--56: κατὰ τῆς Ἐκκλησίας τοῦ
 Θεοῦ) hinzugefügt.

 (O.G.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001976" xml:space="preserve">
                        <ref>3|5</ref>
                        <p><label>ὀρθοδόξων:</label>
  Zur Verwendung des Begriffs ὀρθόδοξος in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>: <ref target="#K000628">18,
 42</ref>.

 (O.G.)</p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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                        L’orientation christologique des livres XVI et XVII de Malalas. Les règnes d’Anastase (491–518) et de Justin Ier (518–527). 
                        Recherches sur la Chronique de Jean Malalas II 2006, 227–242
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                    <bibl xml:id="Honigmann_1951" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Mango_Scott_1997" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Menze_2008" xml:space="preserve">
                          Menze (2008): Menze, V.: 
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                    <bibl xml:id="Vasiliev_1950" xml:space="preserve">
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