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            <titleStmt>
                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 17, Kapitel 5</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260604-000003</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260604</date>
                </edition>
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            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
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                    <date>20260604-000003</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
        <front>
            <!-- Inhaltszusammenfassung -->
<p xml:space="preserve"> In Mal. XVII 5 wird vom Rückruf des früheren Usurpators
Vitalian aus dem Exil berichtet. Vitalian wird von Justin zum <emph
rend="italics">magister militum praesentalis</emph> ernannt und erhält damit ein
hohes, unmittelbar in Konstantinopel angesiedeltes Amt.

 </p>
        </front>

<div xml:id="B000128" n="B000128" rend="inline" type="section">
  <p>            Theoph. 166,6--8; Cedr. 638,3--5


            Vgl. <mentioned>EI</mentioned> 170,23--26: καὶ εὐθέως εἰσῆλθεν ἐν Κωνσταντινουπόλει
            Βιταλιανός, καὶ ἐγένετο στρατηλάτης καὶ ἀπὸ ὑπάτων τὴν ἀξίαν καὶ ὕπατος ὀρδηνάριος
            μεταχειρισθεὶς ὑπὸ Ἰουστίνου βασιλέως μετὰ παρακλήσεως καὶ ὅρκων. Die Parallelstelle in
            den <mentioned>EI</mentioned> weicht wieder stark vom O-Text ab: s. dazu den Kommentar
            zu XVII 1.
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000609" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K001830"/>Ὁ δὲ αὐτὸς βασιλεὺς εὐθέως <anchor xml:id="K001826"/>προετρέψατο καὶ Βιταλιανὸν τὸν <anchor xml:id="K001827"/>τυ- 
                    <lb n="2"/>ραννήσαντα Ἀναστασίῳ τῷ βασιλεῖ καὶ τῇ πολιτείᾳ, καὶ ἐποίησεν αὐ- 
                    <lb n="3"/>τὸν <anchor xml:id="K001824"/>στρατηλάτην <anchor xml:id="K001823"/>πραισέντου. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001830" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Ὁ δὲ αὐτὸς βασιλεὺς εὐθέως:</label>
  Wie auch die vorangehenden Kapitel ist der Abschnitt chronologisch nur
 vage eingeordnet. Anzumerken ist, dass die von O sehr abweichende
 Textstelle aus den <emph rend="italics">EI</emph> die Rückkehr
 Vitalians ebenfalls mit εὐθέως (‚sofort‘) zeitlich einordnet.
 Tatsächlich wurde Vitalian schon auf dem Konzil von Tyros am 16. Sept.
 518 als <emph rend="italics">patricius</emph> und στρατηλάτης
 akklamiert (<emph rend="italics">AOC</emph> III S. 86,22--23). Laut
 Marcellinus Comes c. 519 wurde Vitalian am 7. Tag nach seiner Rückkehr
 zum <emph rend="italics">magister militum</emph> ernannt: <emph
 rend="italics">Vitalianus Scytha Iustini principis pietate ad rem
 publicam revocatus Constantinopolim ingressus est septimoque
 receptionis suae die magister militum ordinatus</emph> (zur Datierung
 dieser Episode bei Marcellinus s. <bibl><ref
 target="Croke_1995"><title>Croke (1995)</title></ref></bibl>, 121).

 <lb/><lb/>

  Johannes von Nikiu (LXXX 5--9 = XC 5 Charles), der von der
 Malalas-Tradition abhängig ist, assoziiert die Himmelerscheinung von
 XVII 4 mit dem Rückruf von Vitalian: ‚And in the beginning of the reign
 of Justin there rose in the east a fearful and terrible comet. And for
 this reason the emperor Justin sent and recalled Vitalian who had been
 the enemy of the emperor Anastasius, and appointed him a master of the
 forces‘ (Übers. Charles).

 (O.G.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001826" xml:space="preserve">
                        <ref>1|6</ref>
                        <p><label>προετρέψατο καὶ Βιταλιανὸν τὸν τυραννήσαντα Ἀναστασίῳ τῷ βασιλεῖ καὶ τῇ πολιτείᾳ:</label>
  Vitalian (<ref target="#K001825">16, 16</ref>) hatte Ende 513/Anfang
 514 gegen Anastasios rebelliert (<ref target="#K001827">17, 5</ref>)
 und seitdem eine konstante Bedrohung für dessen Regierung gebildet.

 <lb/><lb/>

  Die Rückberufung Vitalians aus seinem Exil in Anchialos am Schwarzen
 Meer und seine Ernennung zum <emph rend="italics">magister militum
 prasentalis</emph> (<ref target="#K001824">17, 5</ref>) entsprechen dem
 zu Beginn von Buch XVII stark präsenten Thema der Machtsicherung,
 welche Justin mit einer Doppelstrategie aus Abschreckung (Hinrichtung
 des Amantios: XVII 2) und Milde (Rehabilitierung von Exilierten: XVII
 3) bestritt: Dazu <bibl><ref target="Vasiliev_1950"><title>Vasiliev
 (1950)</title></ref></bibl>, 108–114. Der Fall Vitalians sticht dabei
 angesichts der besonderen Vorgeschichte des Generals heraus: Sein
 chalkedonisches Bekenntnis näherte ihn Justin (und mit ihm Justinian)
 an (s. dazu <bibl><ref target="Stein_1949"><title>Stein
 (1949)</title></ref></bibl>, 223--225); gleichzeitig war er als
 ehemaliger Usurpator für den Kaiser potentiell außerordentlich
 gefährlich. Sein Rückruf bildet den Beginn einer vielfach
 dokumentierten, raschen Rehabilitierung (die jedoch lediglich seiner
 Ermordung im Jahr 520 voranging: Malal. XVII 8); s. etwa Zach. <emph
 rend="italics">HE</emph> VIII 2. Bestätigt wird die Ernennung u.a. in
 Jord. <emph rend="italics">Rom.</emph> 361 und Evagr. <emph
 rend="italics">HE</emph> IV 3. Ziel der Maßnahmen, die schließlich in
 der Ernennung zum Konsul für das Jahr 520 gipfelten (Malal. XVII 8),
 war offensichtlich eine enge Bindung dieses bedrohlichen Akteurs an den
 neuen Kaiser: <bibl><ref target="Begass_2018"><title>Begass
 (2018)</title></ref></bibl>, 259f.; vgl. Evagr. <emph
 rend="italics">HE</emph> IV 3, der die Rückberufung mit der Furcht
 Justins vor Vitalians Einfluss und Verbindungen begründet; der Kaiser
 habe demnach dem ehemaligen Usurpator nur durch falsche Freundschaft
 beikommen zu können geglaubt. Offensichtliches Misstrauen insbesondere
 auf Vitalians Seite führte dazu, dass das Übereinkommen durch
 gegenseitige Eide abgesichert wurde, die Vitalian allerdings nicht viel
 nützen sollten (vgl. <bibl><ref target="Vasiliev_1950"><title>Vasiliev
 (1950)</title></ref></bibl>, 109f. und <bibl><ref
 target="Greatrex_2007"><title>Greatrex (2007)</title></ref></bibl>,
 105f.); s. dazu auch die Parallelüberlieferung zu Malalas in <emph
 rend="italics">EI</emph> (170,23–26), die (mit kritisch anmutendem
 Unterton) bestätigt, dass der wie selbstverständlich wieder im Palast
 verkehrende Vitalian von Justin mit "Bitten" und "Eiden" empfangen
 worden sei (μεταχειρισθεὶς ὑπὸ Ἰουστίνου βασιλέως μετὰ παρακλήσεως καὶ
 ὅρκων). Diese Version, die durch Ps.-Zach. <emph
 rend="italics">HE</emph> VIII 2 bestätigt wird, betrachtet <bibl><ref
 target="Greatrex_2007"><title>Greatrex (2007)</title></ref></bibl>, 106
 als sehr negativ gegenüber Justin -- im Gegensatz zur O-Version, die
 dementsprechend ein expurgiertes offizielleres Narrativ widerspiegeln
 soll. Die ebenfalls abweichende Version von Theophanes überzeichnet die
 Annäherung von Justin und Vitalian aus religiösen Gründen noch
 deutlicher (<bibl><ref target="Greatrex_2007"><title>Greatrex
 (2007)</title></ref></bibl> <emph rend="italics">ibid.</emph> mit
 <bibl><ref target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl> 251 Anm. 4 und 7; dazu <ref
 target="#K001831">17, 8</ref>).

 (J.B. mit O.G.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001827" xml:space="preserve">
                        <ref>1|10</ref>
                        <p><label>τυραννήσαντα:</label>
  τυραννέω (Lampe s.v. 9) bezeichnet hier wie häufig in der spätantiken
 Literatur das Rebellieren: <ref target="#K000567">6, 3</ref>. Die
 Person oder die Macht, gegen welche eine Rebellion gerichtet ist,
 steht, falls genannt, im Akk. (vgl. z.B. VIII 25,5: Ἀρσάκους τοῦ Πάρθου
 τοῦ τυραννήσαντος αὐτὸν) oder im Gen. mit der Präp. κατά (XVIII 57,2:
 τυραννήσαντος τοῦ ἰδίου ἐξαδέλφου κατ’ αὐτοῦ). Die hiesige Verwendung
 des Dativs ist ungewöhnlich.

 <lb/><lb/>

  Vitalian ist in allen Abschnitten der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>, in denen er erwähnt wird, als
 Rebell dargestellt. Vgl. XVI 16,1: ἐτυράννησε Βιταλιανὸς; XVI 16,64:
 Βιταλιανοῦ τοῦ τυράννου; XVII 8,4: Βιταλιανὸς... ὡς τυραννήσας
 Ῥωμαίους. S. dazu <bibl><ref target="Greatrex_2007"><title>Greatrex
 (2007)</title></ref></bibl>, 105f.

 (O.G.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001824" xml:space="preserve">
                        <ref>3|2</ref>
                        <p><label>στρατηλάτην πραισέντου:</label>
  <emph rend="italics">magister militum praesentalis</emph> (MMPr). Seit
 der Reform von Theodosius I. gab es im Oströmischen Reich zwei MMPr,
 die sich den Oberbefehl über die in der Reichshauptstadt stationierten
 Truppen teilten (<bibl><ref target="Boak_1915"><title>Boak
 (1915)</title></ref></bibl>, 124; vgl. Procop. <emph
 rend="italics">Bell.</emph> I 8,2: τῶν ἐν Βυζαντίῳ στρατιωτῶν und <ref
 target="#K001823">17, 5</ref>). Laut der <emph rend="italics">Notitia
 dignitatum</emph> Or. V--VI hatte jeder MMPr 12 <emph
 rend="italics">vexillationes</emph>, 6 Legionen und 18 <emph
 rend="italics">auxillia</emph> unter seinem Kommando. Manche Truppen,
 die dem MMPr unterstanden, waren jedoch in den Provinzen stationiert
 und wurden (zumindest unter Justinian) teilweise anderen Offizieren
 zugeordnet (<emph rend="italics">Nov.</emph> Edikt 13,2).

 <lb/><lb/>

  Es sieht außerdem so aus, dass in der 2. Hälfte des 5. Jhs. zumindest
 einer der MMPr -- den Malalas στρατηλάτης τοῦ μεγάλου πραισέντου nennt
 -- größere Kontingente befehligte (<ref target="#K001829">15, 3</ref>).
 Es ist nicht bekannt, ob Vitalian dieses Kommando innehatte bzw. ob es
 nach Anastasios' Zeit beibehalten wurde. Kein Zweifel besteht in jedem
 Fall daran, dass Vitalian als MMPr eines der wichtigsten Ämter des
 Staates bekleidete (<bibl><ref target="Stein_1949"><title>Stein
 (1949)</title></ref></bibl>, 224--225).

 (O.G.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001823" xml:space="preserve">
                        <ref>3|3</ref>
                        <p><label>πραισέντου:</label>
  Gr. Wort mit einem auf dem lat. <emph rend="italics">praesens</emph>
 basierten Stamm. Neben dem viel selteneren Adj. πραισεντάλιος (Lehnwort
 aus dem lat. <emph rend="italics">praesentalis</emph>) ist der Gen.
 πραισέντου die übliche Bezeichnung des Kommandobereiches von den (im
 Ostreich seit einer Reform Theodosius' I.) zwei Generälen, die nicht
 für die Armee einer Provinz sondern für die direkt an den Kaiserhof
 gebundenen Truppen verantwortlich waren (<ref target="#K001824">17,
 5</ref>). Unter πραισέντον sind also diese Truppen (die <emph
 rend="italics">praesentales</emph>, d.h. Truppen, die <emph
 rend="italics">in praesenti</emph> bei dem Kaisers standen: <emph
 rend="italics">TLL s.v.</emph> <emph
 rend="italics">praesentalis</emph>) zu verstehen (<bibl><ref
 target="Avotins_1992"><title>Avotins (1992)</title></ref></bibl>, 175;
 LSJ <emph rend="italics">Suppl. s.v.</emph> πραισέντον; es sind aber
 keine ‚bodyguards‘ wie <bibl><ref target="James_1990"><title>James
 (1990)</title></ref></bibl> 223 nach Lampe s.v. πραισέντον behauptet;
 dazu <ref target="#K000042">18, 10</ref> und <ref target="#K001828">16,
 9</ref>). Der Ausdruck gehört der offiziellen administrativen Sprache
 an: vgl. <emph rend="italics">Nov.</emph> 22 (536) 186,43--187,7, wo
 drei στρατηγοί τοῦ θείου πραισέντου genannt werden (der dritte MMPr
 wurde wahrscheinlich durch Justinian eingeführt: <bibl><ref
 target="Stein_1949"><title>Stein (1949)</title></ref></bibl>, 431 und
 Anm. 4). Eine ähnliche Umschreibung für das Amt des Vitalianos bietet
 Evagr., <emph rend="italics">HE</emph> IV 3 (154,14--15
 Bidez-Parmentier): στρατηγὸν αὐτὸν ἑνὸς τῶν καλουμένων πραισέντων.

 (O.G.)</p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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