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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 103</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260509-000002</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260509</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <date>20260509-000002</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
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        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000067" n="B000067" rend="inline" type="section">
  <p>            Theoph. a.m. 6041 = I 226,11–15 de Boor; Cedr. 409.1, 6–8 Tartaglia; Georg. Mon.
            641,17–19 de Boor.; Theoph. a.m. 6040 = I 226, 4–5 de Boor (?).
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000147" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K001055"/>Μηνὶ ἰουνίῳ ἰνδικτιῶνι τῇ αὐτῇ ἐγένοντο <anchor xml:id="K001037"/>βρονταὶ καὶ ἀστραπαὶ 
                    <lb n="2"/><anchor xml:id="K001061"/>φοβεραὶ πάνυ, ὥστε <anchor xml:id="K001063"/>καὶ <anchor xml:id="K001063"/>ἀνθρώπους καθεύδοντας <anchor xml:id="K001064"/>ἐκ τῶν ἀστραπῶν 
                    <lb n="3"/>βλαβῆναι. <anchor xml:id="K001065"/>ἐν αὐτοῖς δὲ τοῖς φόβοις καὶ τοῦ κίονος τοῦ ἐν τῷ Ξηρολόφῳ 
                    <lb n="4"/><anchor xml:id="K001062"/>ἀπεπτελώθη μέρος. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001055" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Μηνὶ ἰουνίῳ ἰνδικτιῶνι τῇ αὐτῇ:</label>
  Dieser Verweis bezieht sich auf die zehnte Indiktion (September
 546–August 547 n. Chr.), die bereits in Kap. XVIII 97 (Februar)
 erstmals genannt und auf die danach insgesamt drei Mal rückverwiesen
 wird (XVIII 99, XVIII 100 und der hiesige Abschnitt XVIII 103). XVIII
 104 datiert (in der Baroccianus-Version) zudem den Tod der Kaiserin
 Theodora auf den 29. Juni der zehnten Indiktion. Daraus ergibt sich
 eine dichte Abfolge von Ereignissen innerhalb von nur fünf Monaten,
 während der Codex Baroccianus für die elfte und zwölfte Indiktion
 womöglich gar keine Ereignisse überliefert (<bibl><ref
 target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 330, Anm. 3). Nicht nur Theophanes (dem
 man eine gezielte Verlegung zutrauen könnte), sondern auch Prokop
 datieren den Tod der Theodora allerdings auf Juni <emph
 rend="italics">548</emph>, weswegen man sich fragen kann, ob der Text
 der <emph rend="italics">Chronographia</emph> hier korrupt oder
 fehlerhaft und die Ereignisabfolge insgesamt zu entzerren ist: Vgl.
 <bibl><ref target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 329, Anm. 3; zur komplexen
 Datumsdiskussion bereits <ref target="#K000899">18, 102</ref>. Für die
 hier berichteten Unwetter ergibt sich eine Reihe von
 Datierungsmöglichkeiten. Den Tod Theodoras in XVIII 104 legt die <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> dezidiert in <emph
 rend="italics">denselben</emph> Monat wie die Unwetter (τῇ κη' τοῦ
 αὐτοῦ μηνός). Kombiniert mit dem korrigierten Todesdatum der Kaiserin
 könnte sich daraus eine Datierung in die elfte Indiktion ableiten
 lassen. Theoph. I 226,11–15 de Boor verzeichnet das Ereignis mit sehr
 ähnlichem Text hingegen für das Jahr <emph rend="italics">nach</emph>
 dem Tod Theodoras, das hieße also die zwölfte Indiktion. Womöglich hat
 Theophanes hier Material verlegt, um die gleichmäßige Verteilung auf
 seine Jahreseinträge zu gewährleisten. Ein „Überrest“ der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>-Passage an der ursprünglichen
 Stelle könnte möglicherweise noch in dem kursorischen Verweis auf
 starke Regenfälle (βροχαὶ μεγάλαι) in Theoph. I 226, 4–5 de Boor, d.h.
 547/48 n. Chr., kurz vor dem Tod Theodoras, zu sehen sein (vgl.
 <bibl><ref target="Meier_2004a"><title>Meier
 (2004a)</title></ref></bibl>, 665, Anm. 84); damit hätte Theophanes das
 Ereignis also dupliziert.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001037" xml:space="preserve">
                        <ref>1|7</ref>
                        <p><label>βρονταὶ καὶ ἀστραπαὶ:</label>
  Donner und Blitze begegnen in der <emph
 rend="italics">Chronographie</emph> in sehr unterschiedlichen
 Kontexten. Dem generell hohen Interesse an Zeichen bzw. <emph
 rend="italics">omina</emph> (<ref target="#K000685">18, 51</ref>; <ref
 target="#K000685">18, 51</ref>; <ref target="#K000690">18, 52</ref>)
 entspricht die Verbindung von Blitz und Donner mit Geburt (II 15, 7–8:
 Geburt des Dionysos) und Tod (XVI 22: Tod des Anastasios). An anderer
 Stelle wird durch Blitzeinschlag ein paganer Talisman zerstört (X 51,
 41) und begleiten Blitze ein besonders schwerwiegendes Erdbeben (XVII
 16, 8–9). Als einzeln erwähnte und für sich selbst berichtenswerte
 Unglücksfälle finden sich Donner und Blitz nur hier sowie in XVIII 121
 mit einer im Vergleich zur hiesigen Stelle ähnlich strukturierten und
 ein ähnliches Vokabular aufweisenden, aber deutlich kürzeren Notiz.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000979" xml:space="preserve">
                        <ref>2|1</ref>
                        <p><label>φοβεραὶ πάνυ:</label>
  Zur besonderen, keineswegs durchweg negativen Konnotation des Begriffes
 φοβερός in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> vgl. <ref
 target="#K000896">2, 4</ref>.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001061" xml:space="preserve">
                        <ref>2|1</ref>
                        <p><label>φοβεραὶ:</label>
  Zur Verwendung des Adjektivs φοβερός in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>, allgemein und zur
 Qualifizierung von Naturkatastrophen, insb. Erdbeben, <ref
 target="#K000896">2, 4</ref>.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001063" xml:space="preserve">
                        <ref>2|4</ref>
                        <p><label>καὶ ἀνθρώπους καθεύδοντας:</label>
  Die von <bibl><ref target="Thurn_2000"><title>Thurn
 (2000)</title></ref></bibl>, 410 in seinem Apparat gewählte
 Formulierung lässt den Eindruck entstehen, dass die
 Theophanes-Parallelstelle (Theoph. 226, 11–15 de Boor, hier Z. 12) vor
 dem Partizip καθεύδοντας noch das Adjektiv πόλλους <emph
 rend="italics">ergänzt</emph>. In der Tat <emph
 rend="italics">ersetzt</emph> bei Theoph. 226, 12 de Boor das Adjektiv
 πόλλους das Substantiv ἀνθρώπους; ferner wird bei Theophanes die
 Konjunktion καὶ ganz ausgelassen: ὥστε πόλλους καθεύδοντας. Dass
 Theophanes an dieser Stelle von einer vollständigeren Version der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> abhängt, ist offensichtlich (der
 gemeinsame Hinweis auf die schlafenden Opfer kann nicht zufällig sein)
 und wird allgemein erkannt (<bibl><ref
 target="Rochow_1983"><title>Rochow (1983)</title></ref></bibl>, 469;
 <bibl><ref target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 330 Anm. 3). Zieht man Georgios Monachos
 hinzu (641, 16–17 de Boor), der in diesem Punkt mit O übereinstimmt,
 dann scheint καὶ ἀνθρώπους καθεύδοντας der Originaltext gewesen zu sein
 (πόλλους wäre also Theophanes’ ‚Eigenleistung‘). Die Formulierung von
 Kedrenos (409.1, 7–8 Tartaglia) ist mit Theophanes (fast) identisch.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001064" xml:space="preserve">
                        <ref>2|7</ref>
                        <p><label>ἐκ τῶν ἀστραπῶν ... βλαβῆναι:</label>
  ἐκ leitet hier ein Agens beim Passiv ein, wie z.B. in II 13 Μέρρος,
 προβληθεὶς ἐκ τοῦ ἰδίου ... πάππου Κηφέως; einige weitere Stellen in
 der <emph rend="italics">Chronographia</emph> von ἐκ bei Passiven
 sammelt <bibl><ref target="Rüger_1895"><title>Rüger
 (1895)</title></ref></bibl>, 42; siehe allgemein für diesen Gebrauch
 der Präposition LSJ s.v. ἐκ III 5. Von den Parallelstellen liest nur
 Kedrenos (409.1, 8 Tartaglia) an dieser Stelle die Präposition ὑπό,
 eine offenkundige <emph rend="italics">lectio facilior</emph>.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001065" xml:space="preserve">
                        <ref>3|2</ref>
                        <p><label>ἐν αὐτοῖς δὲ τοῖς φόβοις:</label>
  Wenn bezogen auf Naturphänomene, bezeichnet φόβος in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> nicht bzw. nicht primär die von
 solchen Ereignissen unter den Betroffenen ausgelöste Furcht, sondern
 die (Natur-)katastrophe an sich; am häufigsten handelt es sich dabei um
 Erdbeben: <ref target="#K000974">9, 21</ref> und <bibl><ref
 target="Meier_2004a"><title>Meier (2004a)</title></ref></bibl>, 344
 Anm. 8. φόβος in diesem Sinne (‚Unglück‘, nicht ‚Angst, Schrecken') und
 in Plural kommt noch in ΙΧ 21 ἐκ τῶν πρῴην φόβων („infolge der
 vorangegangenen Erdbeben“, Übersetzung von <bibl><ref
 target="Thurn_Meier_2009"><title>Thurn, Meier
 (2009)</title></ref></bibl>, 236), XVIII 27 und XVIII 128, dreimal
 Genitiv, <ref target="#K001137">18, 128</ref>. Der hiesige Dativ Plural
 ἐν αὐτοῖς δὲ τοῖς φόβοις ist einmalig; sehr oft anzutreffend ist
 hingegen die dazugehörige Singularform ἐν αὐτῷ δὲ τῷ φόβῳ (XVIII 28,
 112, 118 [2mal], 124, 127).

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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                          Chilmead (1691): Chilmead, Edmund: 
                        Johannis Antiocheni cognomento Malalae Historia Chronica … nunc primum edita cum Interpret. &amp; Notis Edm. Chilmeadi …. 
                        Oxonii 1691
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                    <bibl xml:id="deBoor_1885" xml:space="preserve">
                          deBoor (1885): de Boor, Carolus: 
                        Theophanis Chronographia volumen II. 
                        Lipsiae 1885
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                    <bibl xml:id="Dindorf_1831" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Mango_Scott_1997" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Meier_2004a" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Rüger_1895" xml:space="preserve">
                          Rüger (1895): Rüger, Anton: 
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                          Thurn, Meier (2009): Thurn, Johannes/Meier, Mischa: 
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