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            <titleStmt>
                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 105</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260405-000002</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260405</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <revisionDesc>
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                    <date>20260405-000002</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000093" n="B000093" rend="inline" type="section">
  <p>            Theoph. 226, 15–19 de Boor; Cedr. 409.3, 8–13 Tartaglia


            Theoph. 226, 19–22 de Boor, korrespondiert mit <mentioned>Frag. Tusc.</mentioned> IV, p.
            22–23 Mai [das Fragment setzt erst hier an] und hat keine Entsprechung in O
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000396" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/>Καὶ <anchor xml:id="K001540"/>τῷ ἰουλίῳ μηνὶ <anchor xml:id="K001541"/>συμβολῆς γενομένης ἐξ ἀμφοτέρων τῶν μερῶν 
                    <lb n="2"/><anchor xml:id="K001538"/>ἐμπρησμὸς γέγονεν ἐν <anchor xml:id="K001539"/>τῇ οἰκίᾳ τῇ λεγομένῃ τὰ Πάρδου· καὶ <anchor xml:id="K001352"/>ἐκαύθησαν 
                    <lb n="3"/>πολλὰ καὶ <anchor xml:id="K001542"/>ἔπεσαν φόνοι πολλοί. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001540" xml:space="preserve">
                        <ref>1|2</ref>
                        <p><label>τῷ ἰουλίῳ μηνὶ:</label>
  Die Monatsangabe bezieht sich offensichtlich auf dasselbe Jahr wie das
 vorangegangene Kapitel XVIII 104 (Tod Theodoras). Dort wird der Juni
 der zehnten Indiktion (<emph rend="italics">i.e.</emph> Juni 547)
 angegeben; allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass dort ein Fehler
 vorliegt (<ref target="#K001501">18, 104</ref>).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001350" xml:space="preserve">
                        <ref>1|5</ref>
                        <p><label>συμβολῆς γενομένης:</label>
  <emph rend="italics">Genitivus absolutus</emph> mit temporaler
 Bedeutung: „nachdem sich eine Schlacht zugetragen hatte“. In der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> wird συμβολῆς γενομένης (oder, in
 der umgekehrten Reihenfolge, γενομένης συμβολῆς) beinahe formelhaft
 verwendet, siehe <bibl><ref target="Weierholt_1963"><title>Weierholt
 (1963)</title></ref></bibl>, 72–73 und die im Text regelmäßig
 verstreuten Belege: V 6 καὶ γενομένης συμβολῆς, V 13 συμβολῆς γάρ, ὡς
 ἴστε, Τρώων καὶ Ἑλλήνων γενομένης, ferner V 27, VIII 22, XIV 40, XVIII
 21, XVIII 26, XVIII 50, XVIII 71, XVIII 138. Die Formulierung ist auch
 in früheren Geschichtswerken geläufig, vgl. z.B. Hdt. I 74 u. V 95;
 Diod. Sic. 36, 2, 6; Hdn. 3, 7, 2 u. 7, 9, 5; besonders häufig ist sie
 im Werk des Flavios Josephos anzutreffen (<emph
 rend="italics">AJ</emph> 7, 73; 8, 413; 10, 86 etc.). Im Licht dieser
 Formel und ihres „Pendants in finiter Form“ ἐγένετο συμβολή (dazu <ref
 target="#K001361">18, 108</ref>) sind auch die in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> jeweils einmal belegten Ausdrücke
 ἀμιξία ἐγένετο (XVIII 99) und τῆς γὰρ ἀμιξίας γενομένης (XVIII 60) zu
 interpretieren: ἀμιξία ist an diesen zwei Stellen Synonym von συμβολή,
 siehe dazu <ref target="#K001242">18, 99</ref> und <bibl><ref
 target="Festugière_1978"><title>Festugière
 (1978)</title></ref></bibl>, 225.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001541" xml:space="preserve">
                        <ref>1|5</ref>
                        <p><label>συμβολῆς γενομένης ἐξ ἀμφοτέρων τῶν μερῶν:</label>
  Die Spezifizierung ἀμφοτέρων τῶν μερῶν bezieht sich hier wie schon
 früher (<ref target="#K001245">18, 99</ref>) zweifelsohne auf die
 Faktionen der Grünen und Blauen, die die beiden anderen Parteien (die
 der Roten und Weißen) im 6. Jh. marginalisiert hatten.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001538" xml:space="preserve">
                        <ref>2|1</ref>
                        <p><label>ἐμπρησμὸς:</label>
  Zu Bränden, die in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> als
 typische Stadtkatastrophen regelmäßig berichtet werden, <ref
 target="#K006640">10, 10</ref>. Es gehört zum Standard der
 entsprechenden Darstellungen, dass Angaben über den Ort bzw. die
 Ausdehnung des jeweiligen Brandes, häufig auch über dessen Verursacher
 (<ref target="#K007221">11, 4</ref>) gemacht werden; die hiesige
 Passage fügt sich in dieser Hinsicht also in das typische Bild. Das
 Anzünden von Gebäuden durch die Aufständischen ist für <bibl><ref
 target="Cameron_1976"><title>Cameron (1976)</title></ref></bibl>, 276
 Teil eines wiederkehrenden Musters spätantiker Zirkusunruhen.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001368" xml:space="preserve">
                        <ref>2|4</ref>
                        <p><label>τῇ οἰκίᾳ τῇ λεγομένῃ τὰ Πάρδου:</label>
  Das Haus des Pardos ist nur durch die <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> (bzw. die Parallelüberlieferung)
 bekannt: <bibl><ref target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 330, Anm. 4. Die Brandlegungen im Zuge von
 Zirkusaufständen richteten sich zuweilen gezielt gegen Amtsgebäude
 insbesondere der Prätoren, häufiger jedoch erscheinen sie laut
 <bibl><ref target="Cameron_1976"><title>Cameron
 (1976)</title></ref></bibl>, 276 eher wahllos. Vgl. auch ebd. 277:
 „pointless vandalism“.

 <lb/><lb/>

  Das mediale Partizip von λέγω in der Bedeutung ‚ge-/benannt‘ (~
 ὀνομάζω), bezogen auf ein Gebäude und konstruiert mit Genitiv des
 Gebäudeinhabers o.ä. findet sich auch an anderen Stellen der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>; für Belege <ref
 target="#K007174">13, 3</ref>. Die Existenz dieses Konstrukts legt
 nahe, dass der in O an dieser Stelle vor dem Genitiv Πάρδου
 überlieferte Artikel τά korrupt ist und durch einen entsprechenden
 Genitiv-Artikel ersetzt werden soll. Die Parallelstelle in Theoph. 226,
 17 de Boor hat tatsächlich vor dem Eigennamen Πάρδου den Genitiv Plural
 τῶν. Dass dies die richtige, für den Urtext der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> wiederherzustellende Lesart ist,
 könnten drei identische Formulierungen in XVIII 135 bestätigen: τῆς
 οἰκίας τῆς λεγομένης τῶν Ἀππίωνος, τὴν οἰκίαν τὴν λεγομένην τῶν Ἀνδρέου
 und τὴν οἰκίαν τὴν λεγομένην τῶν βαρσυμίου. Der Genitiv Plural τῶν ist
 wohl mit Bezug auf die Mitglieder der Familie bzw. des Clans des
 namentlich genannten Hausherren zu verstehen („nach der Familie des
 so-und-so“, wie <bibl><ref target="Thurn_Meier_2009"><title>Thurn,
 Meier (2009)</title></ref></bibl>, 525 für die drei τῶν +
 Eigenname-Formel in XVIII 135 übersetzen); zur Formulierung auch <ref
 target="#K001404">18, 111</ref>.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001524" xml:space="preserve">
                        <ref>2|11</ref>
                        <p><label>ἐκαύθησαν πολλὰ:</label>
  ἐκαύθησαν, passiver Aorist des Verbes καίω mit reflexivem/intransitiven
 Sinne: Viele Gebäude ‚brannten ab‘ (eher als ‚wurden verbrannt‘); siehe
 dazu <bibl><ref target="Merz_1911"><title>Merz
 (1911)</title></ref></bibl>, 32 mit Sammlung der Belege für die
 Passivform des Verbes in der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 und zur – nicht immer leicht zu treffenden – Unterscheidung zwischen
 medialer und genuin passiver Bedeutung. Ein echtes Passiv von καίω
 findet sich z.B. in XIII 31: Der böse <emph
 rend="italics">praepositus</emph> Rhodanos ἀπηνέχθη εἰς τὴν σφενδόνην
 τοῦ Ἱππικοῦ καὶ ἐκαύθη, „wurde zur Sphendone des Hippodroms gebracht
 und verbrannt“.

 <lb/><lb/>

  Der allgemeine Hinweis ἐκαύθησαν πολλά wird in Theophanes’ Version des
 Ereignisses (die angesichts der Parallelen in Inhalt, Struktur und
 Vokabular sicher auf die <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 zurückgeht: Vgl. entsprechend auch <bibl><ref
 target="Rochow_1983"><title>Rochow (1983)</title></ref></bibl>, 469)
 weiter präzisiert: τοῦτ' ἔστιν ἀπὸ τοῦ χαλκοῦ τετραπύλου ἕως τῆς
 λεγομένης τὰ Ἐλευσίας (226,17–18 de Boor, Übs. <bibl><ref
 target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 330: „that is from the Bronze Tetrapylon
 to the quarter known as Eleusia“). Das Tetrapylon ist (im Gegensatz zum
 Eleusia-Viertel) in einer größeren Zahl von Texten belegt und stand
 wahrscheinlich auf einer zentralen Kreuzung im Zentrum der Stadt;
 konkret kann es zwischen dem Konstantinsforum und dem <emph
 rend="italics">Forum Tauri</emph> verortet werden: <bibl><ref
 target="Mango_1985"><title>Mango (1985)</title></ref></bibl>, 30f.;
 vgl. <bibl><ref target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 330, Anm. 5.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001351" xml:space="preserve">
                        <ref>3|3</ref>
                        <p><label>ἔπεσαν φόνοι πολλοί:</label>
  Dass Konflikte zwischen den Zirkusparteien in extreme Gewalt
 ausarteten, war nichts Außergewöhnliches (vgl. <bibl><ref
 target="Cameron_1976"><title>Cameron (1976)</title></ref></bibl>,
 271–278; <bibl><ref target="Greatrex_1997"><title>Greatrex
 (1997)</title></ref></bibl>, 64f. zur allgemeinen Typologie). Im
 hiesigen Fall war der Konflikt offenbar auf die Parteien begrenzt. Von
 einem Eingreifen der Obrigkeit liest man an dieser Stelle weder in O
 noch in der Parellelüberlieferung etwas; in anderen Fällen dokumentiert
 die <emph rend="italics">Chronographia</emph> dies hingegen häufig:
 (<ref target="#K001489">18, 99</ref>).

 <lb/><lb/>

  Ähnlich zu ἔπεσαν φόνοι πολλοί, aber nicht identisch, ist die Formel
 ἐγένοντο φόνοι πολλοί, „es ereigneten sich viele (gewaltsame)
 Todesfälle/Ermordungen“ am Schluss von zwei anderen Kapiteln zu
 Naturkatastrophen bzw. Gewaltakten im 18. Buch: XVIII 52 (ἐγένοντο
 ἀνυδρίαι καὶ κατὰ πόλιν δημοτικοὶ φόνοι) und XVIII 131 (πολλοὶ φόνοι
 γεγόνασιν, ergänzt aus Kedrenos). Im vorliegenden Ausdruck steht statt
 γίγνομαι das Verb πίπτω, was zusammen mit dem Substantiv φόνοι eine
 bemerkenswerte Kombination ist: Was zum ‚Fallen‘ (euphemistisch für
 ‚sterben‘, vgl. LSJ s.v. πίπτω II <emph rend="italics">fall in
 battle</emph>) kommt, sind selbstverständlich nicht die Ermordungen
 selbst (= φόνοι), sondern deren Opfer. φόνος bedeutet hier also konkret
 ‚victime d'un meurtre‘ (so <bibl><ref
 target="Festugière_1978"><title>Festugière (1978)</title></ref></bibl>,
 235), nicht die Gewalttat, die zum Tod führt. Diese metonymische
 Bedeutungsverschiebung von φόνος ist in Passagen wie Eur. <emph
 rend="italics">Or</emph>. 1357 τὸν Ἑλένας φόνον κείμενον und 1491 ἐπὶ
 φόνῳ ... ματρός (beide aus lyrischen Partien), in denen φόνος ‚Leiche‘
 bedeutet, antizipiert. Zum schwachen Aorist von πίπτω (hier ἔπεσαν) in
 der <emph rend="italics">Chronographia</emph> und allgemein zur
 Verdrängung der starken durch die schwachen Aoristformen in der
 späteren Gräzität siehe <bibl><ref
 target="Festugière_1979"><title>Festugière (1979)</title></ref></bibl>,
 230; <bibl><ref target="Wolf_1911"><title>Wolf
 (1911)</title></ref></bibl>, 67.

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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                        Circus factions: Blues and Greens at Rome and Byzantium. 
                        Oxford 1976
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                    <bibl xml:id="Festugière_1979" xml:space="preserve">
                          Festugière (1979): Festugière, André-Jean: 
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                        RPh 1979, 227–237
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                    <bibl xml:id="Greatrex_1997" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Mango_1985" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Thurn_Meier_2009" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Thurn_2000" xml:space="preserve">
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                          Weierholt (1963): Weierholt, Kristen: 
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         </listBibl>
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