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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 106</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260604-000003</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260604</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <date>20260604-000003</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K007276" xml:space="preserve">
                        <ref></ref>
                        <p><label></label>
  Kapitel XVIII 106 informiert über einen ‚indischen‘, d.h. vermutlich
 aus dem heutigen Äthiopien angereisten Gesandten, der einen Elefanten
 nach Konstantinopel bringt. In der O-Fassung der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> weist vorliegendes Kapitel markante
 Ähnlichkeiten mit Kap. XVIII 73 auf: Ἐν αὐτῷ δὲ τῷ χρόνῳ καὶ πρεσβευτὴς
 Ἰνδῶν μετὰ δώρων κατεπέμφθη ἐν Κωνσταντινουπόλει. Die Unterschiede
 betreffen die Datierungsformel für die zwei Gesandtschaften (532 vs.
 550) und die Art der ‚Begleitung‘ des Gesandten (einmal sind es
 allgemein δῶρα, i.e. nicht näher definierbare Gesandtschaftsgeschenke;
 einmal ist es ein Elefant). Sonst sind die Kapitel im Wortlaut
 identisch. Es sind solche Wiederholungen von Erzählstrukturen und
 -einheiten, die zum formelhaften Charakter der Sprache entscheidend
 beitragen (zum Phänomen allgemein <bibl><ref
 target="Jeffreys_1990e"><title>Jeffreys (1990e)</title></ref></bibl>).

 <lb/><lb/>

  Die ursprüngliche Textversion beschränkte sich hingegen
 (wahrscheinlich) nicht auf diese knappe Notiz, sondern bot eine
 bewegt(er)e Darstellung des Aufenthalts des Elefanten in der
 Hauptstadt. Dieser Fassung der Episode nach konnte das Tier nach
 einiger Zeit nachts aus seinem Stall entfliehen; im Zuge seiner Flucht
 zertrampelte es Passanten. Textgrundlage für diese Rekonstruktion sind
 die entsprechenden Passagen in <emph rend="italics">Fragm. Tusc.</emph>
 IV, p. 24 Mai sowie auch Theoph. 227, 4-6 de Boor und Cedr. 409.4,
 13–16 Tartaglia; für ihre Zugehörigkeit zur Tradition der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> siehe <bibl><ref
 target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 331 mit Anmerkungen; auch <bibl><ref
 target="Rochow_1983"><title>Rochow (1983)</title></ref></bibl>, 470.

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000099" n="B000099" rend="inline" type="section">
  <p>            <mentioned>Fragm. Tusc.</mentioned> IV, p. 24 Mai; Theoph. 226, 33–227, 2 de Boor; Cedr.
            409.4, 13–15 Tartaglia.


            Vgl. ferner Theoph. 227,4–6 de Boor; Cedr. 409.4, 15–16 Tartaglia.
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000434" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K001543"/>Ἰνδικτιῶνος ιγʹ <anchor xml:id="K001544"/>πρεσβευτὴς Ἰνδῶν κατεπέμφθη μετὰ καὶ ἐλέφαν- 
                    <lb n="2"/>τος <anchor xml:id="K001376"/>ἐν Κωνσταντινουπόλει. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001543" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Ἰνδικτιῶνος ιγʹ:</label>
  Die Datierung des Ereignisses auf die 13. Indiktion (549/50) wird durch
 die Parallelüberlieferung in den <emph rend="italics">Fragmenta
 Tusculana</emph> (13. Indiktion) und bei Theophanes (u.a. 23.
 Regierungsjahr Justinians) bestätigt. Die <emph
 rend="italics">Fragmenta</emph> ergänzen den Oktober als Monat. Bei
 Theophanes’ Präzisierung des Datums auf den 13. fällt die
 Zahlenübereinstimmung mit den Indiktionsangaben in <emph
 rend="italics">Fragm. Tusc.</emph> und O auf: Es ist daher nicht ganz
 auszuschließen, dass es sich bei Theophanes’ Zahl 13 (ιγʹ) um einen
 ‚Überrest‘ der bei ihm sonst fehlenden Indiktionsangabe handelt.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001544" xml:space="preserve">
                        <ref>1|3</ref>
                        <p><label>πρεσβευτὴς Ἰνδῶν:</label>
  Das Topo- bzw. Ethnonym Indien/Inder (Ἰνδική/Ἰνδοί) wird in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> in unterschiedlicher Weise
 verwendet: Diese Bezeichnungen beziehen sich zwar an mindestens einer
 Stelle tatsächlich auf die indische Halbinsel bzw. die dort von
 Alexander dem Großen bekriegten Völker (VIII 3), in den späteren
 Abschnitten des Werkes werden damit aber v.a. Regionen und
 Gruppierungen an der Seestraße zwischen Indien und dem Roten Meer
 bezeichnet, d.h. genauer im nördlichen Äthiopien und auf der südlichen
 arabischen Halbinsel („auxumitische“ und „homeritische/ameritische“
 Inder, dazu <ref target="#K000200">18, 15</ref>; vgl. XVIII 9, 56). Es
 ist wahrscheinlich, dass auch hier eine der beiden letzteren Gruppen
 gemeint sind. Da mit den Auxumiten im heutigen Äthiopien ein Bündnis
 bestand sowie angesichts der Art des Geschenkes (ein Elefant), ist es
 wahrscheinlich, dass der Bericht über den diplomatischen Verkehr sich
 auf diese bezieht (vgl. auch <bibl><ref
 target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 331, Anm. 2; <bibl><ref
 target="Leppin_2011a"><title>Leppin (2011a)</title></ref></bibl>, 281;
 zur kontroversen Diskussion zusammenfassend mit weiterer Literatur
 <bibl><ref target="Nechaeva_2014"><title>Nechaeva
 (2014)</title></ref></bibl>, 199–201).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001376" xml:space="preserve">
                        <ref>2|2</ref>
                        <p><label>ἐν Κωνσταντινουπόλει:</label>
  Ortsbestimmungen mit ἐν + Dativ an Stellen, wo man klassisch
 Richtungsangaben mit εἰς + Akkusativ erwartet hätte, d.h. nach
 ganz geläufigen Verben der Bewegung (‚gehen (nach)‘,
 ‚schicken/geschickt werden (nach)‘ usw. – hier durch das Verb
 κατεπέμφθη ausgedruckt), finden sich sehr oft in der O-Version der
 <emph rend="italics">Chronographia</emph>, <ref
 target="#K000638">18, 43</ref>.

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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                          Burstein (1992): Burstein, Stanley M.: 
                        An Elephant for Anastasius: A Note on P. Mich. inv. 4290. 
                        Ancient History Bulletin 1992, 55–57
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Jeffreys_1990e" xml:space="preserve">
                          Jeffreys (1990e): Jeffreys, Michael: 
                        The language of Malalas, 2: Formulaic phraseology. 1990, 225–231
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Leppin_2011a" xml:space="preserve">
                          Leppin (2011a): Leppin, Hartmut: 
                        Justinian. Das christliche Experiment. 
                        Stuttgart 2011
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Mango_Scott_1997" xml:space="preserve">
                          Mango, Scott (1997): Mango, Cyril and Scott, Roger: 
                        The Chronicle of Theophanes Confessor. Byzantine and Near Eastern History AD 284–813. 
                        Oxford 1997
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Nechaeva_2014" xml:space="preserve">
                          Nechaeva (2014): Nechaeva, Ekaterina: 
                        Embassies – Negotiations – Gifts. Systems of east Roman Diplomacy in Late Antiquity. 
                        Stuttgart 2014
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Rochow_1983" xml:space="preserve">
                          Rochow (1983): Rochow, Ilse: 
                        Malalas bei Theophanes. 
                        Klio 1983, 459–474
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Rüger_1895" xml:space="preserve">
                          Rüger (1895): Rüger, Anton: 
                        Studien zu Malalas. Präpositionen und Adverbien. Das 18. Buch. Die konstantinischen Excerpte. Die tuskulanischen Fragmente. 
                        Bad Kissingen 1895
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Scullard_1974" xml:space="preserve">
                          Scullard (1974): Scullard, H. H.: 
                        The Elephant in the Greek and Roman World. 
                        Cambridge 1974
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Thurn_2000" xml:space="preserve">
                          Thurn (2000): Thurn, Johannes: 
                        Ioannis Malalae Chronographia. 
                        Berolini et Novi Eboraci 2000
                    </bibl>
      
         </listBibl>
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