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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 19</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260510-000004</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260510</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <date>20260510-000004</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
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        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
        <front>
            <!-- Inhaltszusammenfassung -->
<p xml:space="preserve"> Der Inhalt des Kapitels 19 ist im Anschluss an das
vorherige Kapitel 18 und die dort vorgenommene Beschreibung der Unzucht mehrerer
Bischöfen zu sehen. Als Reaktion auf deren Vergehen ging Justinian gesetzlich
gegen Homosexualität vor, vgl. u.a. <emph rend="italics">Nov. Iust</emph>. 77,1
pr.: <emph rend="italics">Omnibus hominibus qui recte sapiunt manifestum esse
putamus, quia omne nobis est studium et oratio, ut crediti nobis a domino deo
bene vivant et eius inveniant placationem, quoniam et dei misericordia non
perditionem sed conversionem et salutem vult, et delinquentes qui corriguntur
suscipit deus. Propter quod omnes invitamus dei timorem in sensibus accipere et
invocare eius placationem, et novimus quia omnes qui deum diligunt et eius
misericordiam sustinent hoc faciunt. Igitur quoniam quidam diabolica
instigatione comprehensi et gravissimis luxuriis semetipsos inseruerunt et ipsi
naturae contraria agunt, et istis iniungimus accipere in sensibus dei timorem et
futurum iudicium et abstinere ab huiusmodi diabolicis et illicitis luxuriis, ut
non per huiusmodi impios actus ab ira dei iusta inveniantur et civitates cum
habitatoribus earum pereant. Docemur enim a divinis scripturis, quia ex
huiusmodi impiis actibus et civitates cum hominibus pariter perierunt.</emph>

  Es ist jedoch nicht nur der Kaiser, der sein Missfallen an diesem Verhalten
  äußert, auch Gottes Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Als Ausdruck
  göttlichen Zornes wird Pompeiupolis in Moesien von einem heftigen Erdbebens
  heimgesucht.

 </p>
        </front>

<div xml:id="B000019" n="B000019" rend="inline" type="section">
  <p>            Theoph. 216, 17–22; Meg. Chron. 6 Whitby = 8 Schreiner; Io. Eph. 225, 26–226, 2; Georg.
            Mon. 626, 15–19; <mentioned>Chron. anon. Pseudo-Dionys.</mentioned> 850; Mich. Syr. IX
            21 (193); Leo Gramm. 123, 24–124, 2; Cramer, <mentioned>Anecd. Paris.</mentioned> 2,
            319, 13–15; Zon. III 149, 13–16.
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000020" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/>Ἐν αὐτῷ δὲ τῷ χρόνῳ ἔπαθεν ὑπὸ <anchor xml:id="K000238"/>θεομηνίας ἐν τῇ Μυσίᾳ <anchor xml:id="K000240"/>Πομ- 
                    <lb n="2"/>πηιούπολις· τῆς γὰρ κινήσεως γενομένης ἐξαίφνης ἐσχίσθη ἡ γῆ καὶ ἐχα- 
                    <lb n="3"/>ώθη τὸ ἥμισυ <anchor xml:id="K000867"/>τῆς πόλεως μετὰ τῶν <anchor xml:id="K006208"/>οἰκούντων, καὶ ἦσαν ὑπὸ τὴν γῆν, 
                    <lb n="4"/>καὶ <anchor xml:id="K000242"/>τὸ ἦχος αὐτῶν ἐφέρετο τοῖς περισωθεῖσι. καὶ πολλὰ ἐφιλοτιμήσατο 
                    <lb n="5"/>ὁ αὐτὸς βασιλεὺς εἰς τὴν ἐκχόησιν τοῦ περισωθῆναι τοὺς ὄντας ὑπὸ 
                    <lb n="6"/>τὴν γῆν, ὡσαύτως δὲ καὶ τοῖς ζήσασι καὶ τῇ πόλει εἰς ἀνανέωσιν. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K000238" xml:space="preserve">
                        <ref>1|8</ref>
                        <p><label>θεομηνίας:</label>
  Die Verwendung dieses Terminus (‚Gottes Zorn‘) zur Bezeichnung eines
 Erdbebens sagt viel über die Wahrnehmung des Malalas aus und muss mit
 einem kurzen Exkurs zur Aufzeichnung von (Natur-)katastrophen in seiner
 Chronik erklärt werden. Die Erwähnung von Katastrophen häuft sich in
 den Büchern X bis XVIII, die die Lebens- und Regierungszeiten der
 römischen Kaiser in unterschiedlichem Ausmaß darstellen. Katastrophen
 und ihre Implikationen scheinen in Malalas‘ Chronik immer bedeutsamer
 und nennenswerter zu werden, je näher die berichteten Ereignisse der
 Lebenszeit des Autors kommen: So belehrt Buch XVIII mit der Darstellung
 der Herrschaft Justinians den Leser über nicht weniger als 30 Erdbeben
 im Zeitraum von 527 bis 565 n. Chr. (<bibl><ref
 target="Meier_2007a"><title>Meier (2007a)</title></ref></bibl>, 250f.).
 Die Häufung der Erwähnung von Erdbeben in Buch 18 muss dabei klar als
 Erzählstrategie des Malalas identifiziert werden, dessen Intention es
 war, das Zeitalter Justinians als eine Zeitalter der „Desaster“ zu
 zeichnen (<bibl><ref target="Meier_2007a"><title>Meier
 (2007a)</title></ref></bibl>, 251). Die Häufung von Katastrophen und
 Schicksalsschlägen interpretiert Malalas dabei jedoch nicht als
 Anzeichen einer Endzeit mit einer bevorstehenden Apokalypse, sondern
 als unmittelbaren Ausdruck göttlichen Unmutes über frevelhaftes,
 gottvergessenes Verhalten der Menschen. Es ist daher nicht
 verwunderlich, die Beschreibung des Erdbebens in Obermoesien im
 Anschluss an einen Bericht über homosexuelle Unzucht im bischöflichen
 Milieu zu finden: Gottes Zorn bricht sich nun in Form eines Erdbebens
 Bahn – eine Vorstellung, die sich auch lexikalisch in der Verwendung
 von θεομηνία anstelle von σεισμός, der normalen griechischen
 Bezeichnung für eine Erderschüttertung, manifestiert. (<bibl><ref
 target="Meier_2007a"><title>Meier (2007a)</title></ref></bibl>, 255,
 vgl. auch <bibl><ref target="Thurn_2000"><title>Thurn
 (2000)</title></ref></bibl>, 486 (Index, s.v. Θεομηνία)) Das strafende
 Naturell Gottes bietet nun dem aktuell herrschenden Kaiser eine Vorlage
 für gütiges, mildtätiges und barmherziges Verhalten.

 <lb/><lb/>

  Die Wendung ἔπαθεν ὑπὸ θεομηνίας umschreibt in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> bis XVIII 40 typischerweise
 Erdbeben: <ref target="#K000239">7, 18</ref>.

 (C.R., B.O.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000240" xml:space="preserve">
                        <ref>1|12</ref>
                        <p><label>Πομπηιούπολις:</label>
  Bei dieser Stadt handelt es sich um die von E. Honigmann als <emph
 rend="italics">Mansio</emph> oder <emph rend="italics">Praesidium
 Pompei</emph> identifizierte Stadt in der römischen Provinz <emph
 rend="italics">Moesia superior</emph>, die sich in der Nähe der Stadt
 Naissus befand (<bibl><ref target="Stein_1949"><title>Stein
 (1949)</title></ref></bibl>, 420) und nach Malalas im Jahr 528/529 von
 einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Sie ist dabei nicht mit der
 namensgleichen Stadt in Paphlagonien (vgl. dazu <bibl><ref
 target="Marek_2001"><title>Marek (2001)</title></ref></bibl>, <emph
 rend="italics">passim</emph>) bzw. mit der noch existenten, aus der
 antiken Stadt Soloi hervorgegangenen Stadt Pompeiopolis in Cilicia zu
 verwechseln. Das Datum des Erdbebens ist nicht verifizierbar,
 Theophanes verlegt es ebenso wie Johannes von Ephesos auf einen
 späteren Zeitpunkt: Theophanes 535/536 (vgl. Theoph. 216,17–22),
 Johannes von Ephesos 538/539 (vgl. Io. Eph. 225,26–226,2).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000867" xml:space="preserve">
                        <ref>3|4</ref>
                        <p><label>τὸ ἥμισυ τῆς πόλεως:</label>
  „die Hälfte der Stadt“, mit dem Adjektiv ἥμισυ substantiviert durch
 den Artikel τό und gefolgt vom Genitiv: vgl. für diesen geläufigen
 Gebrauch des Wortes LSJ s.v. ἥμισυς II 1, mit Belegen. τὸ ἥμισυ +
 Genitiv kommt in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> neben
 diesem Kapitel noch in fünf anderen Passagen vor: IV 12 τὸ ἥμισυ τῆς
 χώρας ἐκ τῆς πατρικῆς αὐτῶν βασιλείας; X 2 τὸ ἥμισυ … τοῦ χρόνου τῆς
 μελλούσης τοῦ Χριστοῦ παρουσίας; XIII 30 τὸ ἥμισυ τοῦ Νιζτίβιος;
 XVIII 19 (hier) τὸ ἥμισυ τῆς πόλεως; XVIII 28 τὸ ἥμισυ τῆς αὐτῆς
 πόλεως; XVIII 93 τὸ ἥμισυ τῆς αὐτῆς πόλεως. In den drei
 letztgenannten Stellen – darunter vorliegenden Kapitel – geht es um
 den Untergang bzw. den Einsturz „der halben Stadt“ (Pompeiupolis
 resp. Laodikeia) infolge eines Erdbebens. τὸ ἥμισυ τῆς (αὐτῆς)
 πόλεως zählt also zu jenen formelhaften Ausdrücken, die in den
 Erdbebenberichten der <emph rend="italics">Chronographia</emph> oft
 begegnen und die zum – berechtigten – Eindruck beitragen, diese
 Passagen seien sprachlich und strukturell gleichförmig: siehe dazu
 <bibl><ref target="Jeffreys_1990e"><title>Jeffreys
 (1990e)</title></ref></bibl>, 228 und für ein weiteres Beispiel (ὁ
 αὐτὸς βασιλεύς … πολλὰ ἐχαρίσατο) <ref target="#K000599">18,
 40</ref>. Aus diesem Grund sollte die Formel τὸ ἥμισυ τῆς (αὐτῆς)
 πόλεως (eben <emph rend="italics">qua</emph> Formel) als Stütze für
 konkrete Rekonstruktionsversuche des wahren Ausmaßes der Zerstörung
 nur mit Vorsicht herangezogen werden. Nur einmal bleibt ἥμισυ (mit
 Genitiv) in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> Adjektiv,
 das Substantiv μέρος kommt noch hinzu: XI 26 τὸ ἥμισυ μέρος τῆς
 αὐτοῦ περιουσίας. An anderen, davon getrennt zu haltenden Stellen
 wird ἥμισυ ohne Artikel gebraucht (vgl. die Liste von <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 501 –
 die letzte dort zitierte Stelle, XVIII 28 [370,90], ist allerdings
 falsch eingestuft und gehört zur vorangehend besprochenen Kategorie)
 und bedeutet lediglich „halb“, oft bezogen auf ein halbes Jahr in
 der Berechnung der Gesamtdauer einer Regierung: vgl. z.B. XII 18;
 XII 34; XIII 26.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000242" xml:space="preserve">
                        <ref>4|2</ref>
                        <p><label>τὸ ἦχος αὐτῶν ἐφέρετο τοῖς περισωθεῖσι:</label>
  ὁ ἦχος – 'Schall, Geräusch', z.B. von Wasser, Tierlauten und
 Instrumenten. Sofern ἦχος von Worten gebraucht wird, bezieht es sich
 auf den Klang und wird der Bedeutung gegenübergestellt (vgl. Phld.
 <emph rend="italics">Rh</emph>. 2, 258 S.), vgl. auch Demetr. <emph
 rend="italics">Eloc.</emph> 71 vom Klang der Buchstaben. Das von
 Malalas hier verwendete Neutrum τὸ ἦχος ist eine späte Form (vgl.
 Schwyzer – Debrunner I 512), die auch bei Theodorus Studites, <emph
 rend="italics">Ep</emph>. 18, 57; 63, 23 begegnet. An anderer Stelle (V
 20 [90, 81]) verwendet Malalas allerdings möglicherweise die maskuline
 Form (überliefert ist zwar auch dort das Neutrum, doch hat Kambylis auf
 der Grundlage von Cramer, <emph rend="italics">Anecd. Paris.</emph> 2,
 212, 30 die maskuline Form in den Text gesetzt). Diese Diskrepanz wäre
 eventuell damit zu erklären, dass Malalas an jener Stelle eine Vorlage
 übernimmt.

  Auffällig ist die Verwendung des Dativs τοῖς περισωθεῖσι, der hier
 ausdrückt, wohin die Geräusche dringen. Die Verwendung des Dativs zur
 Bezeichnung des Ortes, wohin ein Gegenstand gelangt, findet sich nach
 Kühner/Gerth §426 ausschließlich in der Dichtung. Von Malalas hier
 vermutlich in Analogie zu den Verben des Begegnens gebraucht.

 (J.T.)</p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
                    <bibl xml:id="Hunger_1964" xml:space="preserve">
                          Hunger (1964): Hunger, Herbert: 
                        Prooimion. Elemente der byzantinischen Kaiseridee in den Arengen der Urkunden. 
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                    <bibl xml:id="Jeffreys_1990b" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Marek_2001" xml:space="preserve">
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                        DNP 2001, 98–99
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                          Meier (2004a): Meier, Mischa: 
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                        Göttingen 2004
                    </bibl>
      
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                          Meier (2004b): Meier, Mischa: 
                        Prokop, Agathias, die Pest und das 'Ende' der antiken Historiographie. Naturkatastrophen und Geschichtsschreibung in der ausgehenden Spätantike. 
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                          Meier (2007a): Meier, Mischa: 
                        Natural Disasters in the Chronographia of John Malalas: Reflection on their functions – An initial sketch. 
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                          Meier (2007b): Meier, Mischa: 
                        Zur Terminologie der (Natur-)Katastrophe in der griechischen Historiographie – einige einleitende Anmerkungen. 
                        Historical Disaster Research. Concepts, Methods and Case Studies – Historische Katastrophenforschung. Begriffe, Konzepte und Fallbeispiele (= Historical Social Research 32.3 [2007]) 2007, 44–56
                    </bibl>
      
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                          Meier (2007d): Meier, Mischa: 
                        Naturkatastrophen in der christlichen Chronistik. Das Beispiel Johannes Malalas (6. Jh.). 
                        Gymnasium 2007, 559–586
                    </bibl>
      
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                          Stein (1949): Stein, Ernest: 
                        Histoire du Bas-Empire, Tome II. De la disparition de l’Empire d’Occident à la mort de Justinien (476–565). 
                        Paris/Bruxelles/Amsterdam 1949
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                    <bibl xml:id="Thurn_2000" xml:space="preserve">
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