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            <titleStmt>
                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 77</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
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                    <resp>Export vom 20260419-000004</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260419</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <date>20260419-000004</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
                </change>
            </listChange>
        </revisionDesc>
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    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000052" n="B000052" rend="inline" type="section">
  <p>            Chron. Pasch. 629, 10-20 Dindorf.
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000073" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K000888"/>Ἐν αὐτῷ δὲ τῷ χρόνῳ <anchor xml:id="K000859"/>γέγονεν σεισμὸς <anchor xml:id="K000305"/>ἐν Βυζαντίῳ <anchor xml:id="K000892"/>ἑσπέρας 
                    <lb n="2"/>βαθείας, ὥστε πᾶσαν τὴν πόλιν συναχθῆναι ἐν τῷ λεγομένῳ <anchor xml:id="K000857"/>φόρῳ 
                    <lb n="3"/>Κωνσταντίνου, <anchor xml:id="K000893"/>ἐν λιταῖς καὶ δεήσεσιν καὶ ἀγρυπνίαις συναγόμενοι. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K000855" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Ἐν αὐτῷ δὲ τῷ χρόνῳ:</label>
  „in diesem Jahr“ bzw. „in jenem Jahr“, mit αὐτός Demonstrativum. Zur
 Bedeutung und Rolle dieser beliebten Zeitformel in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>: <ref target="#K000592">18,
 40</ref>, <ref target="#K000705">18, 55</ref>.

 <lb/><lb/>

  Das <emph rend="italics">Chronicon Paschale</emph> (629, 10–11 Dindorf)
 datiert das Beben präzise auf November der zwölften Indiktion (Sept.
 533 – Aug. 534), d.h. November 533. Angesichts der Abhängigkeit der
 <emph rend="italics">Chronicon</emph>-Stelle vom Text der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> (s.u.) liegt die Annahme nahe, dass
 auch diese Datierung auf die <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 zurückgeht. Mit übereinstimmender Datierung auf (November) 533 deswegen
 <bibl><ref target="Downey_1955"><title>Downey
 (1955)</title></ref></bibl>, 598; <bibl><ref
 target="Hermann_1962"><title>Hermann (1962)</title></ref></bibl>, 1110;
 <bibl><ref target="Guidoboni_1989"><title>Guidoboni
 (1989)</title></ref></bibl>, 695f.; <bibl><ref
 target="Guidoboni_Comastri_Traina_1994"><title>Guidoboni, Comastri,
 Traina (1994)</title></ref></bibl>, 327; <bibl><ref
 target="Meier_2004a"><title>Meier (2004a)</title></ref></bibl>, 357;
 662; <bibl><ref target="Ambraseys_2009"><title>Ambraseys
 (2009)</title></ref></bibl>, 195. Abseits der <emph
 rend="italics">Chronicon Paschale</emph>-Datierung ist hier auch der
 weitere Kontext in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> zu
 beachten. Das bei ihm unmittelbar voranstehend berichtete Ereignis, der
 „Ewige Frieden“, fällt in den Sommer 532; die nächsten sicheren
 Datierungselemente innerhalb des Textes betreffen Geldspenden und die
 Rückberufung von Verbannten aus Anlass von Justinians drittem Konsulat
 (533 n. Chr.: XVIII 80), sowie die Gefangennahme des Vandalenkönigs
 Gelimer, die ihrerseits für die zwölfte Indiktion angesetzt wird (XVIII
 81). Die Veröffentlichung des in XVIII 78 erwähnten Orthodoxie-Ediktes
 Justinians wird im <emph rend="italics">Chronicon Paschale</emph> auf
 den 20. November 533 datiert; der entsprechende Gesetzestext nennt
 hingegen den März (533?) als Datum – was nicht automatisch als
 Widerspruch angesehen werden muss: <ref target="#K000903">18, 78</ref>.
 In der Theorie ließe sich folgende chronologische Abfolge erstellen:
 „Ewiger Frieden“ im Sommer 532 (§ 76); Erdbeben in Konstantinopel
 Anfang/Mitte November 533 (§ 77); Veröffentlichung von Justinians Edikt
 am 20.11.533 (§ 78); Erdbeben in Antiochia (§ 79) und Wohltaten des
 Kaisers (§ 80) nacheinander zwischen 20.11. und Jahresende 533 (= Ende
 von Justinians drittem Konsulat); Gefangennahme Gelimers zwischen
 20.11.533 und August 534 (= Ende 12. Indiktion). Neben der mit dieser
 Rekonstruktion notwendigerweise einhergehenden langen zeitlichen Lücke
 zwischen §76 und §77 (ca. 14–16 Monate) ist daran allerdings auch
 bemerkenswert, dass die guten Taten Justinians traditionell den
 Konsulatsantritt (Januar 533) als Anlass erwarten lassen würden (<ref
 target="#K001084">18, 80</ref>) und dass die Eröffnung von XVIII 81 mit
 der Indiktionsangabe ihrerseits den Eindruck vermittelt, es handele
 sich um den Beginn der betreffenden Zeitspanne. Das lässt folgende
 Optionen offen:

 <lb/><lb/>

  * Die Angaben im <emph rend="italics">Chronicon Paschale</emph> stammen
   nicht aus der <emph rend="italics">Chronographia</emph> und bieten
   eine alternative Chronologie.

 <lb/><lb/>

  * Der Autor des <emph rend="italics">Chronicon Paschale</emph> hat eine
   falsche Indiktionsangabe aus der <emph
   rend="italics">Chronographia</emph> übernommen. Die Ereignisse XVIII
   77–79 könnten beispielsweise in die elfte Indiktion (Sept. 532 – Aug.
   533) gehören statt in die zwölfte. Eine solche Rekonstruktion würde
   die Chronologie bereinigen. Die entsprechenden Zahlenangaben ια und
   ιβ bieten sich für einen Verschreiber allerdings nicht unbedingt an.

 <lb/><lb/>

  * Die Reihung der Ereignisse in der <emph
   rend="italics">Chronographia</emph> folgte bereits ursprünglich einer
   unpräzisen Chronologie. Die Verwendung verschiedener Datierungsysteme
   (Indiktions- und Konsulatsangaben) könnte dazu geführt haben, dass
   Unklarheit über chronologische Korrespondenzen bestand und die
   Ereignisse – womöglich aus Unwissenheit – widersprüchlich angeordnet
   wurden (immer vorausgesetzt, dass in der <emph
   rend="italics">Chronographia</emph> überhaupt auf eine chronlogische
   Reihung abgezielt wurde). Gerade die Konsulardaten sorgten wegen
   zahlreicher Vakanzen im 6. Jh. für chronologische Verwirrung: <ref
   target="#K001083">18, 80</ref>.

 <lb/><lb/>

  Nach der vielrezipierten These von <bibl><ref
 target="Croke_1990c"><title>Croke (1990c)</title></ref></bibl>, 19f.
 endete mit dem vorangegangenen Abschnitt §76 eine hypothetische erste
 veröffentlichte Version der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>, die den „Ewigen Frieden“ als
 inhaltlichen Kulminationspunkt gehabt hätte (vgl. <bibl><ref
 target="Jeffreys_2003"><title>Jeffreys (2003)</title></ref></bibl>,
 505; <bibl><ref target="Thurn_Meier_2009"><title>Thurn, Meier
 (2009)</title></ref></bibl>, 24). Das vorliegende Kapitel wäre
 demzufolge die erste Passage innerhalb des Werkes, die das neue
 „overtly Constantinopolitan flavour“ (<bibl><ref
 target="Croke_1990c"><title>Croke (1990c)</title></ref></bibl>, 19)
 des letzten Teiles von Buch XVIII vor Augen führte. Gerade diese
 Passage allerdings, die von Croke nicht näher betrachtet wurde, ist
 für diese These nicht unproblematisch, was insbesondere mit ihrem
 Verhältnis zur Parallelüberlieferung zusammenhängt. Das <emph
 rend="italics">Chronicon Paschale</emph> hat eine deutlich längere
 Version des Ereignisses, die in ihrem ersten Teil sprachlich enge,
 nur teilweise mit der Behandlung desselben Themas erklärende
 Parallelen zeigt. Da auch der Rest des Textes im <emph
 rend="italics">Chronicon</emph> eine zwar mit mehr Details
 aufwartende, aber inhaltlich und sprachlich kongruente Version der
 Vorgänge auf dem Konstantinsforum bietet, scheint die Annahme
 vertretbar, dass der gesamte Bericht auf die ursprüngliche,
 ausführlichere Version der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 zurückgeht. Dies wäre gleichzeitig das späteste Ereignis, für das der
 Osterchronist den Text noch benutzt hätte: Zu diesen Beobachtungen
 <bibl><ref target="Carrara_2016"><title>Carrara
 (2016)</title></ref></bibl>, 26–30. Damit hätte er also
 wahrscheinlich eine Version der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> vorliegen gehabt, die über den
 „Ewigen Frieden“ hinausging (danach aber bald abbrach).

 <lb/><lb/>

  <bibl><ref target="Odorico_1995"><title>Odorico
 (1995)</title></ref></bibl>, 314 diagnostiziert für dieses Beben wie
 schon für einige der vorangegangenen eine gezielte Platzierung jeweils
 nach den einzelnen Schritten im Friedensprozess mit den Persern. Wenn
 die gängige Datierung des Bebens auf November 533 stimmt und die
 Monats- und Indiktionsangabe damit dem ursprünglichen Text der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> entstammt, hätte sich für den Leser
 allerdings vielleicht viel eher ein Zusammenhang mit dem
 justinianischen Edikt im folgenden Kapitel 78 aufgedrängt, das sogar
 von zwei Erdbeben „gerahmt“ wird (vgl. dazu auch die Beobachtungen zum
 chronologischen Anschluss in <ref target="#K000894">18, 79</ref>; vgl.
 in diesem Zusammenhang außerdem zur Überlieferungsproblematik <ref
 target="#K000705">18, 55</ref>).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000859" xml:space="preserve">
                        <ref>1|6</ref>
                        <p><label>γέγονεν σεισμὸς:</label>
  Das <emph rend="italics">Chronicon Paschale</emph> (629, 11 Dindorf)
 ergänzt die Adjektive μέγας und ἀβλαβής. Das Beben war demnach stark,
 aber nicht schädlich. <bibl><ref
 target="vanMillingen_1899"><title>vanMillingen
 (1899)</title></ref></bibl>, 290 sieht eine Verbindung zu der nur
 einige Zeilen später angeführten Information, wonach eine im Hafen von
 Konstantinopel aufgestellte Statue des Julian Apostata „hinabgefallen“
 (ἔπεσεν) und daraufhin durch ein Kreuz ersetzt worden sei (XVIII 82).
 Ein Kausalzusammenhang ist nicht unmöglich, aber auch nicht durch
 weitere Anhaltspunkte zu stützen: <ref target="#K001089">18, 82</ref>.

 <lb/><lb/>

  Die Formel σεισμός + eine Form des Verbes γίγνομαι wird ab <ref
 target="#K000884">18, 55</ref> zur Verzeichnung eines Erdbebens
 verwendet.

 (J.B., L.C.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000857" xml:space="preserve">
                        <ref>2f.|10</ref>
                        <p><label>φόρῳ Κωνσταντίνου:</label>
  Zum Konstantinsforum: <ref target="#K004414">13, 7</ref>.

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000858" xml:space="preserve">
                        <ref>3|2</ref>
                        <p><label>ἐν λιταῖς καὶ δεήσεσιν καὶ ἀγρυπνίαις συναγόμενοι:</label>
  Die Durchführung von Prozessionen als unmittelbare Antwort auf
 Katastrophen bildet in der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 ein wiederkehrendes Motiv (dazu <ref target="#K000709">18, 55</ref>).
 Für die beiden weiteren skizzierten Reaktionen (Gebete und Nachtwachen)
 gibt es nur eine einzelne direkte (δεήσεις anlässlich eines späteren
 Bebens in Konstantinopel: XVIII 124) bzw. gar keine Parallele (ἀγρυπνία
 ist in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> nur einmal
 belegt). Die Darstellung im <emph rend="italics">Chronicon
 Paschale</emph>, die möglicherweise auf eine längere Version der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> zurückgeht (vgl. <ref
 target="#K000891">18, 77</ref>, <ref target="#K000858">18, 77</ref>),
 bietet den Wortlaut der während der Prozessionen gesprochenen Gebete
 mitsamt dem theopaschitischem Zusatz ὁ σταυρωθεὶς δι’ ἡμᾶς („der du für
 uns gekreuzigt wurdest“). Sie berichtet zudem, dass die Menge nach
 einer durchwachten Nacht antichalkedonische Parolen vorgebracht habe.
 Diese Reaktionen sind in ihren kirchenpolitischen Tendenzen für die
 eigentlich mehrheitlich chalkedonisch geprägte Bevölkerung
 Konstantinopels außerordentlich bemerkenswert. <bibl><ref
 target="Meier_2004a"><title>Meier (2004a)</title></ref></bibl>, 357
 sieht sie deswegen als Zeugnis von „spontanen religiösen
 Neuorientierungen“; <bibl><ref target="Leppin_2011a"><title>Leppin
 (2011a)</title></ref></bibl>, 182f. deutet sie allgemeiner als Indiz
 für die Stärke der miaphysitischen Kräfte in der Hauptstadt. Auffällig
 ist das Ausmaß der Reaktionen, die von äußerster Besorgnis zeugen,
 obwohl das Beben scheinbar keine größeren Schäden angerichtet hatte
 (vgl. <ref target="#K000859">18, 77</ref>). Die Bevölkerung reagierte
 in dieser Zeit auf Erdstöße also offenbar mit hoher Nervosität
 (<bibl><ref target="Meier_2004a"><title>Meier
 (2004a)</title></ref></bibl>, 357). Zum verstärkten Aufkommen religiös
 dominierter Bewältigungsformen in Katastrophenberichten der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> vgl. allgemein <bibl><ref
 target="Leppin_2010"><title>Leppin (2010)</title></ref></bibl>, 12f.

 <lb/><lb/>

  Mit diesem Partizipialsatz beschließt der O-Text der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> die Erdbebenepisode, während die
 Parallelstelle aus dem <emph rend="italics">Chronicon Paschale</emph>
 noch relativ ausführlich die Folgen der seismischen Erschütterung
 schildert: nächtliche Prozessionen, theopaschitische (!) Gebete, Wachen
 und, am Morgen danach, die – für konstantinopolitanische Verhältnisse
 erstaunliche – Verwerfung der Beschlüsse des Konzils von Chalkedon
 durch die versammelte Bevölkerung (<emph rend="italics">Chron.
 Pasch.</emph> 629, 13–20 Dindorf). Akzeptiert man die Annahme, zwischen
 den zwei Erdbebenpassagen bestünde ein Quellenverhältnis, dann stellt
 sich die Frage, woher eigentlich der spätere Text (<emph
 rend="italics">Chronicon Paschale</emph>) dieses zusätzliche Material
 hat, das die angenommene Quelle (<emph
 rend="italics">Chronographia</emph>) nicht bietet. Das Fehlen dieses
 Materials in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> soll nicht
 an dem postulierten Quellenverhältnis zweifeln lassen, denn andere
 Erklärungen sind möglich. Die inhaltlich reichere Textfassung des <emph
 rend="italics">Chronicon Paschale</emph> könnte auf eine selbständige
 Initiative des Osterchronisten zurückgehen, der aus eigener Faust und
 seiner eigenen Agenda folgend den knappen Bericht seiner Quelle um die
 klar anti-chalkedonischen Ausführungen über die Reaktionen der
 Menschenmenge ergänzte: siehe in diesem Sinne <bibl><ref
 target="Whitby_Whitby_1989"><title>Whitby, Whitby
 (1989)</title></ref></bibl>, xxvi, 128 Anm. 373. Umgekehrt könnte man
 auch die Möglichkeit erwägen, dass es sich nicht um einen autonomen
 Zusatz des <emph rend="italics">Chronicon Paschale</emph> handelt,
 sondern um eine Komprimierung des ursprünglich genauso ausführlichen
 Textes der <emph rend="italics">Chronographia</emph> vonseiten des
 <emph rend="italics">Baroccianus</emph>: Nach dieser Hypothese wäre der
 letzte Partizipialsatz dieses Erdbebenkapitels im <emph
 rend="italics">Baroccianus</emph> eine Zusammenfassung der längeren
 Originaldarstellung, welche somit heute (ausschließlich) im <emph
 rend="italics">Chronicon Paschale</emph> überliefert wäre: Siehe für
 diese Hypothese <bibl><ref target="Carrara_2016"><title>Carrara
 (2016)</title></ref></bibl>, 85–86. Zu dem dort Vorgetragenen ist noch
 Folgendes hinzuzufügen: Ein Hinweis darauf, dass der Partizipialsatz um
 συναγόμενοι (Mask. Pl.) eine zu Kürzungszwecken ersonnene Kreation des
 Urhebers der Version des <emph rend="italics">Baroccianus</emph> ist,
 könnte sein, dass zwischen dem fraglichen Partizip und seinem
 Bezugswort im Hauptsatz, πόλιν (Fem. Pl.), eine <emph
 rend="italics">concordatio ad sensum</emph> und somit eigentlich eine
 grammatikalische Inkongruenz vorliegt (schon gesehen von <bibl><ref
 target="Festugière_1979"><title>Festugière (1979)</title></ref></bibl>,
 235). Andererseits sollte man solche sprachliche Besonderheiten nicht
 gleich als Indizien einer tieferen textuellen Störung
 (über-)interpretieren, da die freie Handhabung der Partizipien und
 ihrer Konkordanzen ein bekanntes Merkmal der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> ist (siehe dazu allgemein
 <bibl><ref target="Loudová_2005"><title>Loudová
 (2005)</title></ref></bibl>, 62–65) und nicht immer gleich dem Eingriff
 eines oder mehrerer späterer Epitomatoren zugewiesen werden kann. Man
 muss allerdings in diesem spezifischen Fall beachten, dass συναγόμενοι
 nicht nur grammatikalisch, sondern auch inhaltlich verdächtig
 erscheint: Nach συναχθῆναι stellt dieses Partizip, weitere Form von
 συνάγω, eine reine Wiederholung dar. Der Partizipialsatz um συναγόμενοι
 wirkt also in mehreren Hinsichten wie ein kurz gehaltener Nachklapp,
 der einen längeren Text zusammenfasst. Träfe die gerade vorgestellte
 Hypothese das Richtige, dann würde das <emph rend="italics">Chronicon
 Paschale</emph> einmal mehr für Buch XVIII den ursprünglichen Text der
 <emph rend="italics">Chronographia</emph> treuer als die Handschrift O
 wiedergeben; für eine Analyse aller weiteren Passagen des letzten
 Buches der <emph rend="italics">Chronographia</emph>, die das <emph
 rend="italics">Chronicon Paschale</emph> – evtl. in einer längeren
 Version als die von O – gekannt und als Quelle benutzt hat, siehe
 <bibl><ref target="Carrara_2016"><title>Carrara
 (2016)</title></ref></bibl>.

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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                        Cambridge 2009
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                    <bibl xml:id="Bauer_1996" xml:space="preserve">
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                          Carrara (2016): Carrara, Laura: 
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                          Croke (1990c): Croke, Brian: 
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                    <bibl xml:id="Downey_1955" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Festugière_1979" xml:space="preserve">
                          Festugière (1979): Festugière, André-Jean: 
                        Notabilia  dans  Malalas. II. 
                        RPh 1979, 227–237
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Guidoboni_Comastri_Traina_1994" xml:space="preserve">
                          Guidoboni, Comastri, Traina (1994): Guidoboni, Emanuela/Comastri, Alberto/Traina, Giusto (Hrsg.): 
                        Catalogue of ancient earthquakes in the Mediterranean area up to the 10th century. 
                        Rom 1994
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Guidoboni_1989" xml:space="preserve">
                          Guidoboni (1989): Guidoboni, Emanuela (Hrsg.): 
                        I terremoti prima del Mille in Italia e nell’area mediterranea. 
                        Bologna 1989
                    </bibl>
      
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                          Guilland (1969): Guilland, R.: 
                        Études de topographie de Constantinople byzantine, I + II. 
                        Amsterdam 1969
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Hermann_1962" xml:space="preserve">
                          Hermann (1962): Hermann, Alfred: 
                        s.v. Erdbeben. 
                        RAC 1962, 1070–1113
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Jeffreys_1990b" xml:space="preserve">
                          Jeffreys (1990b): Jeffreys, Elizabeth: 
                        Chronological structures in Malalas’ chronicle. 1990, 111–166
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Leppin_2010" xml:space="preserve">
                          Leppin (2010): Leppin, Hartmut: 
                        Die Stadt Gottes in der Krise. Überlegungen zur zeitgenössischen Wahrnehmung Antiochener Krisen im 6. Jh.. 2010, 7–19
                    </bibl>
      
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                          Leppin (2011a): Leppin, Hartmut: 
                        Justinian. Das christliche Experiment. 
                        Stuttgart 2011
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Loudová_2005" xml:space="preserve">
                          Loudová (2005): Loudová, Kateřina: 
                        A few notes on the Language of John Malalas’ Chronicle. 
                        SPFB(klas) 2005, 57–67
                    </bibl>
      
                    <bibl xml:id="Meier_2004a" xml:space="preserve">
                          Meier (2004a): Meier, Mischa: 
                        Das andere Zeitalter Justinians. Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung im 6. Jahrhundert n. Chr.. 
                        Göttingen 2004
                    </bibl>
      
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                          Müller-Wiener (1977): Müller-Wiener, Wolfgang: 
                        Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion, Konstantinupolis, Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhundert. 
                        Tübingen 1977
                    </bibl>
      
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                          Odorico (1995): Odorico, Paolo: 
                        L'uomo nuovo di Cosma Indicopleuste e di Giovanni Malalas. 
                        Byzantinoslavica 1995, 305–315
                    </bibl>
      
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                          Thurn, Meier (2009): Thurn, Johannes/Meier, Mischa: 
                        Johannes Malalas Weltchronik.. 
                        Stuttgart 2009
                    </bibl>
      
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                          vanMillingen (1899): van Millingen, Alexander: 
                        Byzantine Constantinople. The walls of the city and adjoining historical sites. 
                        London 1899
                    </bibl>
      
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                          Whitby, Whitby (1989): Whitby, Michael/ Whitby, Mary: 
                        Chronicon Paschale 284-628 AD Translated with notes and introduction. 
                        Liverpool 1989
                    </bibl>
      
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                          Wolf (1912): Wolf, Karl: 
                        Studien zur Sprache des Malalas, Tl. 2: Syntax. 
                        Diss. München 1912
                    </bibl>
      
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