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            <titleStmt>
                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 79</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260419-000004</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260419</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
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        </revisionDesc>
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    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000053" n="B000053" rend="inline" type="section">
  <p>            keine
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000074" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K000894"/>Καὶ <anchor xml:id="K000860"/>μετ᾽ οὐ πολὺ <anchor xml:id="K000895"/>σεισμὸς ἐγένετο <anchor xml:id="K000861"/>φοβερὸς <anchor xml:id="K000862"/>ἐν <anchor xml:id="K000862"/>Ἀντιοχείᾳ τῇ <anchor xml:id="K000897"/>μεγάλῃ 
                    <lb n="2"/><anchor xml:id="K000863"/>ἀβλαβής. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K000894" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Καὶ μετ᾽ οὐ πολὺ:</label>
  „kurz darauf“, mit πολύ adverbial und mit Zeitbezug, wie nicht
 unüblich in solchen adverbialen Ausdrücken: vgl. LSJ s.v. πολύς IV,
 mit Beispielen (ἐπὶ πολύ, εἰς πολύ usw.) und Belegen. Das ist der
 einzige Beleg für μετ’ (οὐ) πολὺ in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> (zumindest laut der Version von
 O: Theoph. 164,8 de Boor und Cedr. 396.6, 65 Tartaglia bieten οὐ
 μετὰ πολύ an einer Stelle, wo die Handschrift O μετὰ χρόνον hat;
 vgl. XVI 20, 57).

 <lb/><lb/>

  Die Angabe μετ’ οὐ πολύ sollte offenbar die sehr kurze Zeitspanne
 zwischen diesem Erdbeben und dem im vorausgehenden Kapitel
 geschilderten Ereignis besonders hervorheben: Das Ereignis wird nach
 dem Orthodoxie-Edikt Justinians vom 20. November 533 n. Chr. (erwähnt
 ohne dezidierte Datierung in XVIII 78) und vor Geldspenden bzw.
 Begnadigungen von Verbannten anlässlich von Justinians drittem Konsulat
 (Januar – Dezember 533; XVIII 80) platziert. Daraus müsste man auf eine
 Datierung des Bebens zwischen Ende November und Jahresende 533
 schließen, wofür auch der Anschluss καὶ μετ᾽ οὐ πολὺ („und kurz darauf
 [<emph rend="italics">i.e.</emph> nach dem Edikt]“) spräche. Anzumerken
 ist jedoch, dass der am nächsten liegende Anlass für Zuwendungen und
 Amnestien während eines Konsulats der Amtsantritt wäre, was dann eine
 Datierung des nachfolgenden Kapitels XVIII 80 auf Januar 533 nahelegen
 würde. Auf die Annahme eines <emph rend="italics">terminus ante
 quem</emph> am Jahresbeginn 533 geht wohl auch die Datierung des Bebens
 auf 532 n. Chr. bei <bibl><ref target="Capelle_1924"><title>Capelle
 (1924)</title></ref></bibl>, 356 und <bibl><ref
 target="Guidoboni_Comastri_Traina_1994"><title>Guidoboni, Comastri,
 Traina (1994)</title></ref></bibl>, 326 zurück. Mit Einordnung in das
 Jahr 533 <bibl><ref target="Meier_2004a"><title>Meier
 (2004a)</title></ref></bibl>, 662; auf den <emph
 rend="italics">terminus post quem</emph> 20.11.533 aufbauend <bibl><ref
 target="Ambraseys_2009"><title>Ambraseys (2009)</title></ref></bibl>,
 196 mit Datierung in das Jahr 534. Unentschieden <bibl><ref
 target="Downey_1961"><title>Downey (1961)</title></ref></bibl>, 533 mit
 Anm. 136, der die zehnte und zwölfte Indiktion als Rahmendaten nennt
 und das Beben auf dieser Basis grob zwischen (September) 531 und
 (August) 534 einordnet. <bibl><ref
 target="Jeffreys_1990b"><title>Jeffreys (1990b)</title></ref></bibl>,
 158 datiert unter Verweis auf den Kontext bei Theophanes (wo das Beben
 jedoch unerwähnt bleibt) auf 536/537. Keine Erwähnung findet das
 Ereignis merkwürdigerweise in den Listen von <bibl><ref
 target="Hermann_1962"><title>Hermann (1962)</title></ref></bibl>, 1110
 und <bibl><ref target="Guidoboni_1989"><title>Guidoboni
 (1989)</title></ref></bibl>, 695f. Womöglich könnte die Chronologie der
 <emph rend="italics">Chronographia</emph> hier aber von vorneherein
 unpräzise gewesen sein, sodass eine Rechnung mit <emph
 rend="italics">terminus post</emph> oder <emph rend="italics">ante
 quem</emph> nur bedingt sinnvoll ist: Vgl. dazu <ref
 target="#K000855">18, 77</ref>.

 <lb/><lb/>

  Dieses Erdbeben wird von <bibl><ref
 target="Odorico_1995"><title>Odorico (1995)</title></ref></bibl>, 314
 wie schon die Beben in XVIII 55 oder XVIII 77 mit einem chronologisch
 nahe liegenden Ereignis, hier dem vorangegangen berichteten
 Orthodoxieedikt, in Verbindung gebracht. Odorico versteht seine
 Platzierung an dieser Stelle gewissermaßen als auktoriale
 „Stellungnahme“. Es ist in diesem Kontext durchaus bemerkenswert, wenn
 hier standardisierte chronologische Formulierungen durchbrochen werden
 und erklärt wird, das Beben habe sich „kurz darauf“ (μετ᾽ οὐ πολὺ),
 also in unmittelbarer chronologischer Nähe zum Edikt, ereignet. Dem
 zeitgenössischen Publikum konnte dies eine auch kausale Nähe
 suggerieren.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000895" xml:space="preserve">
                        <ref>1|5</ref>
                        <p><label>σεισμὸς ἐγένετο:</label>
  Die Formel σεισμός + eine Form des Verbes γίγνομαι wird ab <ref
 target="#K000884">18, 55</ref> zur Verzeichnung eines Erdbebens
 verwendet.

 (L.C.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000861" xml:space="preserve">
                        <ref>1|7</ref>
                        <p><label>φοβερὸς:</label>
  Der φόβος bildet ein Schlüsselwort in den letzten Büchern der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>. Das Erzeugen von Angst durch Gott
 und den Kaiser kann in der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 dezidiert positiv im Sinne einer läuternden Wirkung interpretiert
 werden: <ref target="#K000896">2, 4</ref>.

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000862" xml:space="preserve">
                        <ref>1|8</ref>
                        <p><label>ἐν Ἀντιοχείᾳ τῇ μεγάλῃ:</label>
  Antiochia wird in der <emph rend="italics">Chronographia</emph> so
 häufig mit Erdbeben in Verbindung gebracht wie sonst nur Konstantinopel
 (s. <ref target="#K000239">7, 18</ref>). Zur Stadtgeschichte <ref
 target="#K000371">8, 12</ref>. Auffällig an diesem Bebenereignis ist,
 dass die Zählung der Erdbeben, die gerade für Antiochia bis hierhin ein
 konstitutives Darstellungselement bildete (so zuletzt in XVIII 27:
 παθεῖν Ἀντιόχειαν τὸ ἕκτον αὐτῆς πάθος – „erlitt Antiochia sein
 sechstes Unglück“), hier nicht mehr fortgeführt wird. Als Erklärung
 wäre vielleicht denkbar, dass der weniger schwerwiegende Charakter des
 Bebens es nicht als πάθος qualifizierte, es also schlicht nicht
 katastrophal genug war, um in die Liste aufgenommen zu werden. Man
 könnte jedoch auch an einen Quellenwechsel denken – endete hier die von
 <bibl><ref target="Jeffreys_1990b"><title>Jeffreys
 (1990b)</title></ref></bibl>, 159 vermutete archivarisch verwahrte
 Erdbebenliste?

 <lb/><lb/>

  Antiochia wird ab dieser Stelle nur noch zwei weitere Male (XVIII
 87 und XVIII 112) erwähnt (<bibl><ref
 target="Saliou_2016"><title>Saliou (2016)</title></ref></bibl>,
 61f.). Mit diesem Umstand begründen <bibl><ref
 target="Croke_1990c"><title>Croke (1990c)</title></ref></bibl>, 22
 und <bibl><ref target="Jeffreys_1990b"><title>Jeffreys
 (1990b)</title></ref></bibl>, 161f. u.a. den Wechsel des
 räumlichen Fokus in Richtung Konstantinopel (vgl. auch <bibl><ref
 target="Jeffreys_2003"><title>Jeffreys
 (2003)</title></ref></bibl>, 500; <bibl><ref
 target="Thurn_Meier_2009"><title>Thurn, Meier
 (2009)</title></ref></bibl>, 24). Zum Beinamen μεγάλη für
 Antiochia (und sekundär auch für andere Städte): <ref
 target="#K000603">18, 41</ref>.

 (L.C., B.O.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000863" xml:space="preserve">
                        <ref>2|1</ref>
                        <p><label>ἀβλαβής:</label>
  Die Verwendung von ἀβλαβήs überrascht an dieser Stelle insofern, als
 sie in Verbindung mit der Qualifizierung des Bebens als φοβερός
 begegnet (s.a. <ref target="#K000944">18, 123</ref>): Das unterstreicht
 den ‚Fingerzeig‘-Charakter des Bebens, das durch den ausgelösten
 Schrecken dazu geeignet ist, einen Läuterungsprozess in Gang zu setzen,
 ohne aber effektiv Schaden anzurichten. Gerade in einem solchen Beben
 manifestiert sich damit in besonders deutlicher Weise das göttliche
 Wirken. Allgemein zu ἀβλαβήs in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>: <ref target="#K000898">8, 3</ref>

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
                    <bibl xml:id="Ambraseys_2009" xml:space="preserve">
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                        Earthquakes in the Mediterranean and the Middle East: a Multidisciplinary Study of Seismicity up to 1900. 
                        Cambridge 2009
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                          Capelle (1924): Capelle, W.: 
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                        RE Supplementband 1924, 4, 344–374
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                    <bibl xml:id="Croke_1980" xml:space="preserve">
                          Croke (1980): Croke, Brian: 
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                    <bibl xml:id="Downey_1961" xml:space="preserve">
                          Downey (1961): Downey, Glanville: 
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                    <bibl xml:id="Festugière_1978" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Guidoboni_1989" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Hermann_1962" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Jeffreys_1990b" xml:space="preserve">
                          Jeffreys (1990b): Jeffreys, Elizabeth: 
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                    <bibl xml:id="Jeffreys_2003" xml:space="preserve">
                          Jeffreys (2003): Jeffreys, Elizabeth: 
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                        Naturkatastrophen in der christlichen Chronistik. Das Beispiel Johannes Malalas (6. Jh.). 
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    </text>

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