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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 85</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
                <respStmt xml:id="Malalas">
                    <resp>Export vom 20260604-000003</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260604</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
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                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
            </sourceDesc>
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                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
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            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000074" n="B000074" rend="inline" type="section">
  <p>            Procop. <mentioned>Aed.</mentioned> I 10,3; I 10,11–20 Haury; Theoph. 216,24–25 de Boor;
            <mentioned>Nov.</mentioned> 13; 80; Procop. <mentioned>Arc.</mentioned> XX 9–11; Lyd.
            <mentioned>Mag.</mentioned> II 29; III 70.


            Der Hinweis auf Georg. Mon. 627,3–7 de Boor als Zeuge der Parallelüberlieferung in
            Thurns Apparat zu diesem Kapitel ist fehl am Platz: Die Georgios-Stelle bezieht sich auf
            die Einweihung der Hagia Sophia und gehört somit zur Parallelüberlieferung des folgenden
            Kapitels 86.
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000204" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/>Καὶ <anchor xml:id="K001141"/>τῷ αὐτῷ χρόνῳ <anchor xml:id="K001148"/>ἐπληρώθη <anchor xml:id="K001145"/>ἡ χαλκῆ τοῦ παλατίου Κωνσταν- 
                    <lb n="2"/>τινουπόλεως, κοσμηθεῖσα διαφόροις μαρμάροις καὶ <anchor xml:id="K001144"/>μουσίῳ. <anchor xml:id="K001142"/>μετηνέχθη δὲ 
                    <lb n="3"/>καὶ <anchor xml:id="K001123"/>τὸ ὡρολογεῖον τὸ πλησίον τοῦ Αὐγουστίου καὶ τῆς βασιλικῆς. <anchor xml:id="K001143"/>περι- 
                    <lb n="4"/>ῃρέθη δὲ τῷ αὐτῷ χρόνῳ ἡ τοῦ <anchor xml:id="K001124"/>νυκτεπάρχου ἀρχή, καὶ ἐγένετο ἀντ᾽ 
                    <lb n="5"/>αὐτοῦ πραίτωρ. <anchor xml:id="K001125"/>Καὶ τῷ αὐτῷ ἔτει <anchor xml:id="K002145"/>προεβλήθη κοιαίστωρ. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001121" xml:space="preserve">
                        <ref>1|2</ref>
                        <p><label>τῷ αὐτῷ χρόνῳ:</label>
  Einfacher <emph rend="italics">Dativus Temporis</emph> (d.h. ohne ἐν),
 nicht unüblich für diese Formel in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>: <ref target="#K000674">18,
 45</ref>. Die relative chronologische Einordnung bezieht sich aller
 Wahrscheinlichkeit nach auf das im Vorkapitel genannte Konsulat
 Johannes’ des Kappadokers und damit auf das Jahr 538.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001148" xml:space="preserve">
                        <ref>1|5</ref>
                        <p><label>ἐπληρώθη:</label>
  Zum Verb πληρόω und seiner Bedeutungen in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>: <ref target="#K005590">1, 3</ref>;
 hier in der Bed. ‚zu einem Ende bringen, vollenden‘. Dieser Gebrauch
 von πληρόω kommt beinahe formelhaft im Kontext der (Nicht-)Vollendung
 eines Gebäudes vor: vgl. IV 10 (2x) πληρώσας τὰ τείχη (ähnlich auch VII
 3; VIII 24; XII 30); VI 15 ἐπληρώθη δὲ τὸ ἱερὸν δι’ ἐτῶν μʹ; X 10
 θέατρον οὐκ ἐπλήρωσεν εἰς τέλειον; X 53; XIII 3 ἐπλήρωσε τὴν αὐτὴν
 βασιλικὴν; XIII 8 καὶ ὅτε πάντα ἐπλήρωσεν; XIII 14 πληρωθῆναι τὸ κτίσμα
 ... τὸ τῆς μεγάλης ἐκκλησίας; XIII 30 ἐπλήρωσε τὸν φόρον αὐτοῦ; XIV 13
 ἐπλήρωσε τὸ αὐτὸ ἔργον τῆς βασιλικῆς. Andere mögliche verwandte Usus
 betreffen z.B. die Vollendung bzw. das Vollenden eines Opfers (IV 10 u.
 V 2; zu diesem Stellenpaar siehe <bibl><ref
 target="Wolf_1912"><title>Wolf (1912)</title></ref></bibl>, 37; VIII
 11), eines Theaterstücks (IV 13 Εὐριπίδης ... πληρώσας τὸ δρᾶμα), einer
 Herrschaft (VI 3 ὁ θεός ... ἐπλήρωσε τὴν βασιλείαν σου) oder des
 eigenen Lebens (I 3 κακῶς ἀναλωθέντες ἐπλήρωσαν τὸν ἴδιον βίον).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001144" xml:space="preserve">
                        <ref>2|6</ref>
                        <p><label>μουσίῳ:</label>
  ‚Mosaik‘. Laut GLRBP s.v. μουσεῖον or μουσῖον (mit Belegstellen) ist
 μουσῖον itazistische Schreibweise (in der Aussprache begründet) von
 μουσεῖον; nach dieser Interpretation übernahm der Terminus für ‚Museum'
 (aufgrund einer – freilich nicht ganz leicht nachvollziehbaren –
 Bedeutungserweiterung) in der spätantike Gräzität auch die Bedeutung
 ‚Mosaik‘. Nach <bibl><ref target="Festugière_1978"><title>Festugière
 (1978)</title></ref></bibl>, 229 könnte hingegen μουσῖον das lautliche
 Resultat der Übertragung des lateinischen Wortes <emph
 rend="italics">musivum</emph> (dessen Etymologie ebenfalls im Dunkeln
 liegt) ins Griechische sein. Das ist der einzige Beleg für μουσῖον in
 der <emph rend="italics">Chronographia</emph>; in der Bedeutung
 ‚Mosaik‘ bzw. ‚Mosaiktechnik‘ kommt sonst μουσάριον vor, in XII 33
 (γράψας ἐν αὐτῷ διὰ μουσαρίου τὸν Ὠκεανόν) und XIV 13 (ἐπέγραψεν ἐν
 αὐτῇ διὰ χρυσέου μουσαρίου ταῦτα).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001142" xml:space="preserve">
                        <ref>2|7</ref>
                        <p><label>μετηνέχθη:</label>
  Die Handschrift O (f. 312) überliefert die Lesart μετενέχθη,
 augmentlose passive Aoristform von μεταφέρω. Das Augment wurde
 wiederhergestellt von <bibl><ref target="Chilmead_1691"><title>Chilmead
 (1691)</title></ref></bibl>, II, 221.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001143" xml:space="preserve">
                        <ref>3|11</ref>
                        <p><label>περιῃρέθη:</label>
  Aorist des Verbes περιαιρέω mit Augment, wie üblich bei Verben mit
 anlautendem Diphthong αι- in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>, siehe <bibl><ref
 target="Merz_1911"><title>Merz (1911)</title></ref></bibl>, 10. Form
 und Bedeutung (‚löschen, aufheben‘, vgl. <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 490 in
 Index verborum ad res Byzantines spectantium: „περιαιρέω: tollo“) sind
 dieselbe wie in XVIII 107 περιῃρέθη τὸ ὄνομα Μηνᾶ.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001124" xml:space="preserve">
                        <ref>4|8</ref>
                        <p><label>νυκτεπάρχου:</label>
  Das Amt des Nykteparchen (<ref target="#K000155">18, 18</ref>) wurde
 unter Justinian in der Tat abgeschafft und in das eines <emph
 rend="italics">praetor urbi</emph> umgewandelt (u.a. unter Verweis auf
 die irreführende Bezeichnung, die fälschlicherweise eine nächtliche
 Tätigkeit suggeriere): Zu dieser Neuordnung <bibl><ref
 target="Stein_1949"><title>Stein (1949)</title></ref></bibl>, 803f. Die
 entsprechende Novelle (<emph rend="italics">Nov.</emph> XIII) datiert
 allerdings auf den 15. Oktober 535 und damit nicht weniger als drei
 Jahre vor dem hiesigen Eintrag in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>. Da im nächsten Satz die in einer
 Novelle auf März 539 datierte Neueinführung der Magistratur des <emph
 rend="italics">quaesitor</emph> in dasselbe Jahr gelegt wird (<ref
 target="#K001125">18, 85</ref>), ist die Chronologie hier offenkundig
 unpräzise. Dass die Neuregelungen erst verspätet bekannt waren (vgl.
 zur Publikation von Gesetzestexten in den Städten des Reiches <ref
 target="#K000910">18, 78</ref>), erscheint angesichts der Widersprüche
 in der Chronologie als Erklärung in diesem Fall nicht ausreichend.

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001125" xml:space="preserve">
                        <ref>5|3</ref>
                        <p><label>Καὶ τῷ αὐτῷ ἔτει προεβλήθη κοιαίστωρ:</label>
  Diese Nachricht bezieht sich auf die Neuschaffung des Amtes des <emph
 rend="italics">quaesitor</emph>, eingeführt in <emph
 rend="italics">Nov.</emph> LXXX (10. März 539), wo auch die Funktion
 näher definiert wird: Angesichts einer großen Zahl von aus den
 Provinzen in die Stadt drängenden Landbewohnern wird der neue Magistrat
 damit beauftragt, die Zahl und Herkunft der Neuankömmlinge zu erfassen,
 diese daran zu hindern, auf den Straßen zu betteln oder zu stehlen und
 sie, wo immer möglich, an ihren Herkunftsort zurückzuschicken. Sehr
 unscharf umreißt diese Aufgaben Procop. <emph
 rend="italics">Arc.</emph> XX 9, wenn er behauptet, der <emph
 rend="italics">quaesitor</emph> sei dafür zuständig, Sittenverbrecher
 zu bestrafen. Dass ein Diskurs über die müßiggängerische
 Landbevölkerung in der Hauptstadt bestand, bezeugen Ausführungen über
 die ὄχλοι ἄχρηστοι (die unnützen Mengen) der aus den Provinzen in die
 Stadt strömenden Landarbeiter in Lyd. <emph rend="italics">Mag.</emph>
 III 70; Lydos zufolge war das zu harsche Vorgehen von vormals inaktiven
 Magistraten wie den <emph rend="italics">praetores</emph> und den <emph
 rend="italics">quaesitores</emph> gegen diese Leute eine der Ursachen
 für das Ausbrechen eines großen Aufstandes. Letzterer kann nur mit dem
 Nika-Aufstand identifiziert werden (vgl. <bibl><ref
 target="Bandy_1983"><title>Bandy (1983)</title></ref></bibl>, 342).
 Ungeachtet der chronologischen Schwierigkeiten, die Lydos’ Aussage
 bereitet, zeigt sie eindeutig, dass Zeitgenossen einen Zusammenhang
 zwischen den anwesenden Menschenmassen und dem Ausbrechen des
 Aufstandes sahen. Die hier berichteten Maßnahmen beziehen sich insofern
 aller Wahrscheinlichkeit nach auf Missstände in der inneren Verwaltung
 der Hauptstadt, die durch den Nika-Aufstand sichtbar geworden waren: So
 schon <bibl><ref target="Stein_1949"><title>Stein
 (1949)</title></ref></bibl>, 455f. Die <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> scheint das zu bestätigen, wenn die
 Notizen über die Neuordnung der Magistraturen inmitten des Berichtes
 über den Wiederaufbau Konstantinopels steht und so als ein Teil der
 Nachlese des Aufstandes erscheint.

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K002145" xml:space="preserve">
                        <ref>5|7</ref>
                        <p><label>προεβλήθη:</label>
  ‚ernannt werden‘; zum Verb προβάλλω: <ref target="#K001146">2,
 13</ref>. Der Indikativ Aorist von προβάλλω kommt in diesem Sinne in
 der <emph rend="italics">Chronographia</emph> wieder wenige Zeilen
 später vor, in XVIII 91 Λογγῖνος ἔπαρχος πόλεως προεβλήθη; vgl. auch
 XVIII 34 προεβλήθη ἔξαρχος Ῥωμαίων Βελισσάριος und in früheren Büchern
 die Belege in XVII 12; X 14; IX 2.

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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                    <bibl xml:id="Bardill_1999" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Bolognesi Recchi Franceschini_2003" xml:space="preserve">
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                    <bibl xml:id="Brandes_2017" xml:space="preserve">
                          Brandes (2017): Brandes, Wolfram: 
                        Eine Verschwörung gegen Justinian im Jahre 562 und Johannes Malalas. 2017, 357–392
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                    <bibl xml:id="Chilmead_1691" xml:space="preserve">
                          Chilmead (1691): Chilmead, Edmund: 
                        Johannis Antiocheni cognomento Malalae Historia Chronica … nunc primum edita cum Interpret. &amp; Notis Edm. Chilmeadi …. 
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                          Dindorf (1831): Dindorf, Ludwig: 
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                    <bibl xml:id="Gizewski_1988" xml:space="preserve">
                          Gizewski (1988): Gizewski, Ch.: 
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                        Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion, Konstantinupolis, Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhundert. 
                        Tübingen 1977
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                          Rochow (1983): Rochow, Ilse: 
                        Malalas bei Theophanes. 
                        Klio 1983, 459–474
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                          Stein (1949): Stein, Ernest: 
                        Histoire du Bas-Empire, Tome II. De la disparition de l’Empire d’Occident à la mort de Justinien (476–565). 
                        Paris/Bruxelles/Amsterdam 1949
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                          Thurn (2000): Thurn, Johannes: 
                        Ioannis Malalae Chronographia. 
                        Berolini et Novi Eboraci 2000
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                          Wolf (1911): Wolf, Karl: 
                        Studien zur Sprache des Malalas, Tl. 1: Formenlehre. 
                        Diss. München 1911
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                          Wolf (1912): Wolf, Karl: 
                        Studien zur Sprache des Malalas, Tl. 2: Syntax. 
                        Diss. München 1912
                    </bibl>
      
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