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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 89</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
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                    <resp>Export vom 20260604-000003</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260604</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
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                    <date>20260604-000003</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
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            </listChange>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K007267" xml:space="preserve">
                        <ref></ref>
                        <p><label></label>
  Kapitel 89 thematisiert die Absetzung des Flavius Johannes (des
 „Kappadokers“) als Prätoriumspräfekt. Die in O erhaltene Version der
 <emph rend="italics">Chronographia</emph> nennt keine Gründe für die
 Demission und konzentriert sich auf Ausführungen über eine weitere,
 spätere Affäre am Ort von Johannes’ Exil in Kyzikos (Mysien), wohin
 der Kappadoker gesandt worden war, um als Priester im nahegelegenen
 Artake zu wirken. Johannes habe in Kyzikos demnach an der Ermordung
 des örtlichen Bischofs Eusebios mitgewirkt, wodurch er den Zorn
 Justinians auf sich zog und schließlich nach Antinous (Ägypten)
 verbannt wurde. Erst später (nämlich nach dem Tod Theodoras 548 n.
 Chr.) habe er nach Konstantinopel zurückkehren dürfen. Die gesamte
 Episode wird neben der hiesigen Passage nicht nur in einem
 ausführlichen, aber tendenziösen Bericht Prokops (<emph
 rend="italics">BP</emph> I 25) behandelt, sondern hat auch eine enge
 Parallele in den <emph rend="italics">Excerpta de insidiis</emph>
 (172,31–173,12), die hier wohl eine frühere Textversion der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> wiedergeben und verschiedene
 Informationen zu den Gründen und den näheren Umständen der
 Geschehnisse ergänzen.

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000081" n="B000081" rend="inline" type="section">
  <p>            <mentioned>EI</mentioned> 172, 31–173, 12 de Boor
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000217" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K001268"/>Μηνὶ αὐγούστῳ <anchor xml:id="K001176"/>ἀπεζώσθη Ἰωάννης ὁ ἐπίκλην Καππάδοξ, δὶς δια- 
                    <lb n="2"/>νύσας τὴν τῶν ἐπάρχων ἀρχήν. καὶ <anchor xml:id="K001270"/>δημευθεὶς <anchor xml:id="K001199"/>ἐπέμφθη ἐν Κυζίκῳ, 
                    <lb n="3"/><anchor xml:id="K001271"/>κληρωθεὶς διάκονος ἐν Ἀρτάκῃ· <anchor xml:id="K001191"/>κἀκεῖσε <anchor xml:id="K001182"/>φατριάσας <anchor xml:id="K006216"/>μετά τινων κτητόρων 
                    <lb n="4"/><anchor xml:id="K001185"/>ἀνεῖλον <anchor xml:id="K001272"/>Εὐσέβιον τὸν ἐπίσκοπον τῆς αὐτῆς Κυζικηνῶν πόλεως. μαθὼν δὲ 
                    <lb n="5"/>ὁ βασιλεὺς καὶ <anchor xml:id="K001147"/>ἀγανακτήσας κατὰ τοῦ αὐτοῦ Ἰωάννου, <anchor xml:id="K001292"/>πέμψας ἐξήτασεν 
                    <lb n="6"/>αὐτὸν <anchor xml:id="K001202"/>ἐκεῖ διὰ τὸν γενόμενον φόνον. καὶ <anchor xml:id="K001203"/>κατὰ κέλευσιν τοῦ αὐτοῦ βασι- 
                    <lb n="7"/>λέως ἐκεῖθεν <anchor xml:id="K003140"/>ἐξωρίσθη ἐν <anchor xml:id="K001274"/>Ἀντίνῳ. καὶ <anchor xml:id="K001275"/>μετὰ χρόνον ἀνακληθεὶς τελευτᾷ ἐν 
                    <lb n="8"/>Βυζαντίῳ. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001268" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Μηνὶ αὐγούστῳ:</label>
  Monatsnamen ohne Indiktionsangaben oder sonstige eindeutige Verweise
 auf das Jahr kommen in der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 hin und wieder vor; etwa im (zeitlich sehr dichten) Narrativ über die
 Friedensverhandlungen mit den Persern vor dem „Ewigen Frieden“ von 532
 (vgl. XVIII 53; XVIII 68); dann aber vor allen Dingen im letzten
 Drittel des 18. Buches: Neben dem hiesigen Kapitel betrifft das XVIII
 96; 105; 108; 134; 139. Eventuell könnte das Fehlen der dort sonst
 regelmäßig begegnenden Formel „in derselben Indiktion“ (ἰνδικτιῶνι τῇ
 αὐτῇ: vgl. XVIII 103; 109; 111; 120; 121; 123; 136) oder einer
 sonstigen Jahresangabe auf Textausfälle zurückzuführen sein. Die
 hiesige August-Angabe ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Dem
 Augenschein nach müsste sie sich auf die zuletzt angegebene dritte
 Indiktion (XVIII 87: September 539 – August 540), beziehen und somit
 auf August 540 verweisen. Nicht ausgeschlossen wäre auch eine Datierung
 auf August 541, da das folgende Kapitel XVIII 90 bereits in die fünfte
 Indiktion gelegt wird, was gut zu Prokops Datierung in das zehnte
 Amtsjahr des Johannes (= 541) passen würde (Procop. <emph
 rend="italics">BP</emph> I 25,3; 25,44). Die justinianischen Novellen
 legen jedoch nahe, dass das hier zuerst berichtete Ereignis, die
 Entlassung Johannes des Kappadokers aus dem Amt des <emph
 rend="italics">praefectus praetorio Orientis</emph>, zwischen dem 7.
 Mai und dem 1. Juni 541 anzusetzen ist, da bis zum ersteren Datum
 Johannes noch auf den Urkunden erscheint, während sein Name ab dem
 zweiten Datum dort fehlt (7. Mai: <emph rend="italics">Nov.</emph> 109;
 1. Juni: <emph rend="italics">Nov.</emph> 111 = <emph
 rend="italics">Ed.</emph> 5). Man hat deswegen die Vermutung geäußert,
 dass die August-Angabe ein anderes Ereignis meint, welches ebenfalls in
 diesem Kapitel besprochen wird, nämlich die Versetzung des Johannes ins
 ägyptische Antinoe: PLRE IIIA (Iohannes 11), 633. Dagegen hat jedoch
 <bibl><ref target="Greatrex_1995"><title>Greatrex
 (1995)</title></ref></bibl>, 7f. das Zeugnis eines Continuators des
 Marcellinus Comes angeführt, der eben diese Versetzung in das Jahr 544
 legt (Marc. Com. add. 544; vgl. auch Procop. 17,40–45, wo Ereignisse,
 welche laut XVIII 101 in das Jahr 547 gehören, vier Jahre nach der
 Exilierung des Johannes nach Ägypten datiert werden). Damit meint die
 August-Angabe entweder ein anderes in diesem Kapitel berichtetes
 Ereignis (z.B die Verbannung nach Kyzikos bzw. Ernennung zum dortigen
 Diakon) oder es liegt hier ein Fehler vor (letzterer Ansicht ist
 <bibl><ref target="Potter_2015"><title>Potter
 (2015)</title></ref></bibl>, 185).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001269" xml:space="preserve">
                        <ref>1|3</ref>
                        <p><label>ἀπεζώσθη Ἰωάννης ὁ ἐπίκλην Καππάδοξ:</label>
  Zur Person Johannes des Kappadokers <ref target="#K000911">18,
 61</ref>; zum Verb ζώννυμι ‚ernennen zu einem Amt‘ und seinen Antonym
 ἀποζώννυμι ‚aus einem Amt entlassen‘ in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>: <ref target="#K001174">18,
 87</ref>. Die Absetzung des Johannes als Prätoriumspräfekt, die
 politisch einen "Paukenschlag" (<bibl><ref
 target="Leppin_2011a"><title>Leppin (2011a)</title></ref></bibl>, 236)
 bedeutete, sowie sein weiteres Schicksal schildert ausführlich Procop.
 <emph rend="italics">BP</emph> I 25,11–44. Johannes sei demnach einer
 Intrige der Kaiserin Theodora zum Opfer gefallen, die ihm über die
 Frau Belisars, Antonina, einen Umsturzversuch vorgaukeln habe lassen.
 Angeblich in der Hoffnung, selbst den Kaiserthron zu erlangen (<emph
 rend="italics">BG</emph> I 25,19: Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser
 Behauptung bei <bibl><ref target="Veh_1970"><title>Veh
 (1970)</title></ref></bibl>, 482), traf er ungeachtet einer von
 Justinian persönlich bestellten Warnung (<emph
 rend="italics">BG</emph> I 25,25) Antonina im Konstantinopolitaner
 Vorort Rufinianai, wo er, nachdem er einen Schwur auf seine Pläne
 geleistet habe, von den hinter einem Vorhang versteckten Narses und
 Markellos angegriffen worden sei. Zwar konnte er nach Konstantinopel
 entkommen, entschied sich dort aber für das Exil in einer Kirche und
 gegen eine persönliche Aussprache mit dem Kaiser, durch die er laut
 Prokop den ihm gewogenen Justinian hätte besänftigen können. So aber
 habe Theodora problemlos seine Absetzung bewirkt. Der Bericht der
 <emph rend="italics">Chronographia</emph> über die Begebenheit setzt
 erst an dieser Stelle ein und lässt über die Ursachen der Absetzung
 nichts verlauten. Hier ergänzen die <emph rend="italics">Excerpta de
 insidiis</emph> (172,33–173,1) jedoch die Information, der Kappadoker
 habe mit Antonina gemeinsam ein Komplott gegen Justinian geschmiedet.
 Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann man dies dem Text des Baroccianus
 – der in den <emph rend="italics">Excerpta</emph> nahezu vollständig,
 aber eben mit Ergänzungen versehen wiedergegeben wird – hinzufügen.
 Damit bestätigt die Überlieferung der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> also zumindest den inhaltlichen
 Kern des Prokop-Berichtes. Für eine grundsätzliche Bestätigung der
 zentralen Rolle Theodoras in dieser Affäre vgl. außerdem Joh. Lyd.
 <emph rend="italics">de mag.</emph> III 76. Zum Sachverhalt allgemein
 <bibl><ref target="Stein_1949"><title>Stein
 (1949)</title></ref></bibl>, 480–483; PLRE IIIA (Ioannes 11), 633f.;
 <bibl><ref target="Evans_2011"><title>Evans
 (2011)</title></ref></bibl>, 141–152; <bibl><ref
 target="Leppin_2011a"><title>Leppin (2011a)</title></ref></bibl>,
 236–238; <bibl><ref target="Potter_2015"><title>Potter
 (2015)</title></ref></bibl>, 185–190.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001270" xml:space="preserve">
                        <ref>2|7</ref>
                        <p><label>δημευθεὶς ἐπέμφθη ἐν Κυζίκῳ:</label>
  Zu Kyzikos, einer in Mysia an der Südküste der Propontis gelegenen
 Stadt, <ref target="#K000639">4, 8</ref>. Eine Verbannung nach Kyzikos
 inklusive Priesterweihe ist aus der justinianischen Regierungszeit
 schon einmal für das Jahr 529 überliefert, als dem Exkonsul und
 ehemaligen Sekretär des Kaisers, Priskos, Ähnliches widerfahren war:
 XVIII 43; cf. Theoph. 186,15–17; <emph rend="italics">Excerpta de
 insidiis</emph> 171,35–172,5; Procop. <emph
 rend="italics">Anecd.</emph> 16,7–10. Die Nachricht über die Verbannung
 liegt nicht nur in ihrer Formulierung bemerkenswert eng am Text der
 früheren Passage (δημευθεὶς ἐγένετο διάκονος καὶ ἐπέμφθη ἐν Κυζίκῳ:
 <ref target="#K000637">18, 43</ref>), sondern auch inhaltlich, da
 Priskos und Johannes mit derselben Bestimmung an denselben Ort
 geschickt werden. Die weitere Überlieferung offenbart (trotz teilweiser
 Widersprüche: <ref target="#K007155">18, 43</ref>) noch mehr Parallelen
 zwischen den beiden Geschichten: Feindseligkeit der Kaiserin Theodora
 gegenüber beiden Personen (Priskos: Procop. <emph
 rend="italics">Anecd.</emph> 17,7; <emph rend="italics">EI</emph>
 172,2; Johannes: Procop. <emph rend="italics">BP</emph> I 25,4; Theoph.
 186,16; vgl. <emph rend="italics">EI</emph> 173,10–12); angebliche
 Flucht beider Männer ins Kirchenasyl (Priskos: <emph
 rend="italics">EI</emph> 172,4–5; Johannes: Procop. I 25,31); jeweilige
 Erwähnung des nahe Kyzikos gelegenen Artake (Priskos: <emph
 rend="italics">EI</emph> 172,4–5; Johannes: Procop. I 25,31; XVIII 89,3
 <ref target="#K001271">18, 89</ref>). Diese Überschneidungen können
 eine gewisse Skepsis an der Authentizität des Überlieferten aufkommen
 lassen, doch sind die Quellen zu zahlreich und zu heterogen, als dass
 sie grundsätzliche Zweifel an der Historizität der Berichte erlaubten.
 Dass beide ehemaligen Vertrauten Justinians an denselben Ort verbracht
 wurden, ist schon deswegen bemerkenswert, weil dieser vergleichsweise
 nah an Konstantinopel gelegen war. Als Gründe kämen eine Abschwächung
 der Strafen vonseiten Justinians oder eine gezielte Einflussnahme
 Theodoras infrage (die hier vielleicht loyale Anhänger hatte? Vgl. die
 Diagnose zu Antinoe <ref target="#K003140">18, 89</ref>). Dass sowohl
 Priskos als auch Johannes nicht beseitigt, sondern zu Priestern geweiht
 wurden, könnte, abgesehen von politischen Erwägungen, auch mit der
 Einhaltung des Kirchenasyls zusammenhängen (kirchliche Offizielle
 konnten dem Schutzsuchenden körperliche Unversehrtheit auch nach
 Verlassen des Kirchenasyls garantieren: <bibl><ref
 target="Wenger_1950"><title>Wenger (1950)</title></ref></bibl>, Sp.
 838f.). Die Missachtung des Asyls wird in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> als barbarisches Verbrechen
 geschildert (vgl. XIV 45; XVI 6); gleichzeitig kann die Flucht in die
 Kirche in der Tat Leben retten (XV 16).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001199" xml:space="preserve">
                        <ref>2|8</ref>
                        <p><label>ἐπέμφθη ἐν Κυζίκῳ:</label>
  Orts- statt Richtungsangabe nach einem Verb der Bewegung (πέμπω,
 ‚senden‘); s.a. Z. 7 ἐξωρίσθη ἐν Ἀντίνῳ; zu diesem Phänomen in der
 <emph rend="italics">Chronographia</emph>: <ref
 target="#K000638">18, 43</ref>.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001271" xml:space="preserve">
                        <ref>3|1</ref>
                        <p><label>κληρωθεὶς διάκονος ἐν Ἀρτάκῃ:</label>
  Artake bezeichnet nach Steph. Byz. <emph rend="italics">Ethnica</emph>
 127,13–22 Meineke sowohl eine Insel als auch einen Berg auf der
 Halbinsel von Kyzikos; ebendort wird auch ein Hafen für acht Schiffe
 bezeugt. Strab. XIII 4 (582) kennt Artake als einen Ort an der Spitze
 der besagten Halbinsel. Modern kann er mit dem heutigen Erdek (gr.
 Artaki, ca. 7-8 km von Kyzikos) identifiziert werden: RE 2 (1896), Sp.
 1308f., s.v. Artake 1 (G. Hirschfeld); <bibl><ref
 target="Hasluck_1910"><title>Hasluck (1910)</title></ref></bibl>,
 16–21; <bibl><ref target="Ehrhardt_1983"><title>Ehrhardt
 (1983)</title></ref></bibl>, 38). Die Erklärung, warum hier neben
 Artake als den eigentlichen Standort von Johannes’ neuem Priesteramt
 auch das benachbarte Kyzikos erwähnt wird, liefern die <emph
 rend="italics">Excerpta</emph>: Im größeren Kyzikos sollte der
 Verbannte demnach wohnen ( <emph rend="italics">EI</emph> 173,1–2).
 Auch bei der früheren Verbannung des Priskos (XVIII 43) überliefern die
 <emph rend="italics">Chronographia</emph> (in O) und Prokop unisono
 Kyzikos als den eigentlichen Ort des Exils; Artake kommt nur in <emph
 rend="italics">EI</emph> 172,4–5 ins Spiel, wo erklärt wird, dass der
 zuvor in Kyzikos Gefangene in den Nachbarort entflohen war, um dort
 Asyl zu suchen (so <emph rend="italics">EI</emph> 17 <ref
 target="#K007155">18, 43</ref>). Bereits die pagane, noch von Stephanos
 überlieferte Tradition scheint Artake als Rückzugsort für Flüchtlinge
 zu kennen (vgl. das zitierte Epigramm des Demosthenes von Bithynien
 [hellenistisch?]: νάσσατο δ᾽ Ἀρτακίοισιν ἐφέστιος αἰγιαλοῖσιν; „and he
 settled as a refugee on the Artakian shores“, Übs. <bibl><ref
 target="Cairns_2011"><title>Cairns (2011)</title></ref></bibl>, 3; vgl.
 zum Kontext des Zitats ebd., 2–5).

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001191" xml:space="preserve">
                        <ref>3|5</ref>
                        <p><label>κἀκεῖσε:</label>
  Man erwartet hier dem Sinn nach das Adverb ἐκεῖ ‚dort‘, nicht die
 Richtungsangabe ἐκεῖσε ‚dahin‘. Die Bedeutungsunterschiede zwischen
 ἐκεῖ und ἐκεῖσε (und allgemein zwischen den Adverbien, die ein
 Richtungsverhältnis zum Ausdruck bringen), sind allerdings in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> stark verwischt, siehe für
 Beispiele und Diskussion <bibl><ref target="Wolf_1911"><title>Wolf
 (1911)</title></ref></bibl>, 38. In den letzten Zeilen dieses Kapitels
 sind die Ortsadverbien ἐκεῖ ‚dort‘ und ἐκεῖθεν ‚von dort‘ richtig
 verwendet.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001182" xml:space="preserve">
                        <ref>3|6</ref>
                        <p><label>φατριάσας:</label>
  Sowohl die Handschrift O (f. 212, siehe auch <bibl><ref
 target="Bury_1897"><title>Bury (1897)</title></ref></bibl>, 230) als
 auch die Parallelüberliefung in <emph rend="italics">EI</emph> 173, 2–3
 (aus dem Urtext der <emph rend="italics">Chronographia</emph>?)
 überliefern die Lesart φατριάσας (ohne <emph
 rend="italics">rho</emph>). <bibl><ref
 target="Chilmead_1691"><title>Chilmead (1691)</title></ref></bibl>, II,
 223 schlug die Schwreibweise φρατριάσας vor, wohl aufgrund der
 Etymologie des Verbes, ein später entstandener Latinismus aus der
 Wortfamilie von <emph rend="italics">frater</emph> (auch das
 altgriechische Substantiv φράτρα könnte in der Wortbildung eine Rolle
 gespielt haben, siehe <bibl><ref target="Wolf_1911"><title>Wolf
 (1911)</title></ref></bibl>, 74). In der Form φρατριάσας kommt das Verb
 auch in der Ausgabe von <bibl><ref target="Dindorf_1831"><title>Dindorf
 (1831)</title></ref></bibl>, 480 und in dem Latinismen-Verzeichnis von
 <bibl><ref target="Körting_1879"><title>Körting
 (1879)</title></ref></bibl>, 14 vor. <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 406 u.
 494 (im <emph rend="italics">Index verborum ad res Byzantinas
 spectantium</emph>) kehrt zur überlieferten Schreibweise φατριάσας
 zurück – zu Recht, da dies die Form ist, die auch sonst in der
 byzantinischen Gräzitat belegt ist: vgl. z.B. <emph
 rend="italics">Schol.</emph> Aeschin. 2, 74, 1 Schulz φατριάζοντες καθ’
 ἡμῶν; <emph rend="italics">Etym. Mag.</emph> 799, 31–32 Gaisforf
 φατριάζειν, τὸ τῆς αὐτῆς φατρίας μετέχειν.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001185" xml:space="preserve">
                        <ref>4|1</ref>
                        <p><label>ἀνεῖλον:</label>
  Klassisch (d.h. mit der starken Endung in - ο - statt der schwachen
 in - α -) gebildete Aoristform von αἰρέω, siehe <bibl><ref
 target="Merz_1911"><title>Merz (1911)</title></ref></bibl>, 33–34
 mit Anm. 7.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001272" xml:space="preserve">
                        <ref>4|2</ref>
                        <p><label>Εὐσέβιον τὸν ἐπίσκοπον τῆς αὐτῆς Κυζικηνῶν πόλεως:</label>
  PCBE III (Eusébios 13), 382f. Von der Ermordung des Bischofs von
 Kyzikos berichtet auch Prokop (<emph rend="italics">BP</emph> I 25,37)
 und gibt an, der Geistliche sei ebenso verhasst gewesen wie Johannes.
 Trotz Prokops feindseliger Einstellung gegenüber dem Kappadoker steht
 dessen Schuld an dem Verbrechen für ihn nicht fest: Nach einem
 erfolglosen Gerichtsverfahren gegen den Bischof sei dieser laut Prokop
 von jungen Leuten auf dem Marktplatz getötet worden; nur seine
 persönliche Feindschaft zu dem Getöteten habe Johannes dann in den
 Verdacht gebracht, hinter dem Mord zu stecken (<emph
 rend="italics">BP</emph> I 25,38--39). Die Folge ist die Verbannung
 nach Antinoe (dazu <ref target="#K003140">18, 89</ref>).

 (J.B. mit F.B)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001147" xml:space="preserve">
                        <ref>5|4</ref>
                        <p><label>ἀγανακτήσας:</label>
  Zum Verb ἀγανακτέω ‚zornig werden‘ als Auslöser einer anschließenden
 Handlung in der <emph rend="italics">Chronographia</emph>: <ref
 target="#K000606">18, 41</ref>.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001292" xml:space="preserve">
                        <ref>5|9</ref>
                        <p><label>πέμψας:</label>
  Zum Partizip πέμψας ohne Akkusativobjekt und in Verbindung mit einem
 Hauptverb in der <emph rend="italics">Chronographia</emph>: <ref
 target="#K000760">18, 46</ref>. Für eine (spekulativere) Erklärung des
 Fehlens des Objekts nach πέμψας an dieser Stelle: <ref
 target="#K001228">18, 90</ref>. Während es in O nur heißt, der Kaiser
 habe ‚ausgeschickt‘, um den Fall untersuchen zu lassen, werden in <emph
 rend="italics">EI</emph> 173,5–8 die Gesandten spezifiziert: Es handelt
 sich um „Florus und den Exkonsul Paulus den Galater und den <emph
 rend="italics">patricius</emph> Phokas und den Exprätor Thomas“. Diese
 Delegation bestand aus „individuals with whom, to some degree, Theodora
 could work“ (<bibl><ref target="Potter_2015"><title>Potter
 (2015)</title></ref></bibl>, 185). Ihre hochrangige Zusammensetzung
 bezeugt zudem, dass das Schicksal des Johannes eine bedeutende
 staatspolitische Affäre bildete (ebd., 186). Dass es sich um eine
 „unzureichende Untersuchung“ handelte, wie <bibl><ref
 target="Leppin_2011a"><title>Leppin (2011a)</title></ref></bibl>, 237
 auf Basis von Prokop annimmt, geht aus der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> nicht hervor. Prokop behauptet
 auch, Theodora habe noch Jahre nach dem Vorfall in Konstantinopel
 eigenmächtig Nachforschungen über die Affäre angestellt, wobei sie die
 Schuld des Johannes jedoch trotz radikaler Methoden immer noch nicht
 habe nachweisen können: Procop. <emph rend="italics">Anecd.</emph>
 17,40–45. Diese Episode wird auch durch die <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> bezeugt, wo sie aber ohne jeden
 Verweis auf Theodora als offizielle Untersuchung erscheint: XVIII 101.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001202" xml:space="preserve">
                        <ref>6f.|2</ref>
                        <p><label>ἐκεῖ ... ἐκεῖθεν:</label>
  Anders als bei κἀκεῖσε in Z. 3 (<ref target="#K001191">18, 89</ref>)
 sind diese zwei Ortsadverbien richtig eingesetzt.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001203" xml:space="preserve">
                        <ref>6|8</ref>
                        <p><label>κατὰ κέλευσιν τοῦ αὐτοῦ βασιλέως:</label>
  Zum Ausdruck κατὰ κέλευσιν: <ref target="#K004823">1, 1</ref>.

 (B.O.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K003140" xml:space="preserve">
                        <ref>7|3</ref>
                        <p><label>ἐξωρίσθη:</label>
  Prokop betont ausdrücklich, dass Johannes keine Schuld nachgewiesen
 werden konnte, und schildert die demütigenden Bedingungen, denen
 Johannes bei der Reise in sein Exil ausgesetzt gewesen sei (Procop.
 <emph rend="italics">BP</emph> I 25,40–43). In der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> kommen diese Umstände nicht
 explizit zur Sprache. Im obigen Text erhält man durch die Verbannung
 den Eindruck, dass die Schuld des Johannes erwiesen sei. Der Text
 der <emph rend="italics">Excerpta de insidiis</emph> 173,9 De Boor
 ist nuancierter: εὑρεθεὶς ὑπὸ μέμψιν ὢν τοῦ αὐτοῦ φόνου. Man kann
 daher PCBE III (Eusébios 13), 382f., hier 383 zustimmen, dass
 Johannes’ Schuld nicht eindeutig erwiesen war. Die Verbannung könnte
 angesichts seiner Behandlung in Kyzikos auch dem Schutz des Johannes
 gedient haben.

 <lb/><lb/>

  Der Ort, an den man ihn nun schickte, lag weit entfernt vom Zentrum in
 einer Gegend, in der Theodora besonders großen Einfluss hatte:
 <bibl><ref target="Potter_2015"><title>Potter
 (2015)</title></ref></bibl>, 190. Laut Prokop (<emph
 rend="italics">BP</emph> I 25,44) war der Kappadoker aber auch dort
 nicht zum Schweigen zu bringen: Noch von hier aus habe er Personen
 wegen Steuerschulden angezeigt – vermutlich liegt hier eine Anspielung
 auf die harsche Fiskalpolitik vor, für die Johannes als Amtsträger
 bekannt gewesen war.

 (F.B, J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001274" xml:space="preserve">
                        <ref>7|5</ref>
                        <p><label>Ἀντίνῳ:</label>
  Antinoe/Antinous in Ägypten (vgl. Procop. I 25,43), Kurzform für
 Antinoupolis. Es handelt sich um eine Gründung Hadrians zu Ehren seines
 Lieblings Antinoos, die als Zentrum einer privilegierten, die römische
 Herrschaft tragenden ägyptisch-griechischen Oberschicht installiert
 wurde (<bibl><ref target="Zahrnt_1988"><title>Zahrnt
 (1988)</title></ref></bibl>, 701–706). Bei den Verwaltungsreformen
 Diokletians wurde der Ort zur Hauptstadt der Thebais; unter Valens zum
 Bischofssitz. Zum Ort RE 1 (1894), 2441f., s.v. Antinoupolis 1 (R.
 Pietschmann); PECS, 60, s.v. Antinoöpolis (S. Shenouda); <bibl><ref
 target="Zahrnt_1988"><title>Zahrnt (1988)</title></ref></bibl>.

 <lb/><lb/>

  In der <emph rend="italics">Chronographia</emph> schwankt der Name der
 von Kaiser Hadrian zu Ehren seines Favoriten Antinoos gegründeten Stadt
 zwischen der dritten Deklination auf -ώ und der zweiten Deklination auf
 -ος: In XI 20 heißt es ἔκτισεν δὲ πόλιν ἐν τῇ Αἰγύπτῳ, ἣν ἐκάλεσεν
 Ἀντίνω (Akkusativ der dritten Deklination – richtiger wäre allerdings
 -νώ, vgl. die Eigennamen Σαπφώ, Ναννώ), an dieser Stelle tritt hingegen
 der Dativ der zweiten Deklination auf, siehe dazu <bibl><ref
 target="Wolf_1911"><title>Wolf (1911)</title></ref></bibl>, 22 mit
 Hinweisen auf den Übergang der Feminina auf -ώ in die zweite
 Deklination allgemein. Ursprünglich richtig ist die dritte Deklination,
 da der Nominativ Ἀντινόου (Kurzform von Ἀντινόου πόλις) lautet,
 kontrahiert deshalb Ἀντινώ; vgl. auch Johannes Moschus, <emph
 rend="italics">Pratum Spirituale</emph> 44 (PG 87/3, Sp. 2897, 49)
 γέρων ἐκαθέζετο ἔξω τῆς πόλεως Ἀντινῶ (Nominativ: „in der Stadt
 ‚Antinoo‘“).

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001275" xml:space="preserve">
                        <ref>7|7</ref>
                        <p><label>μετὰ χρόνον ἀνακληθεὶς:</label>
  μετά mit Akkusativ steht in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> nur zur Angabe von Zeitabständen.
 Ähnlich wie wohl bereits am Ende von XVIII 88 erfolgt hier ein
 zeitlicher Vorgriff: Johannes konnte erst mindestens 7 Jahre nach
 seiner Absetzung, nämlich nach dem Tod Theodoras 548 n.Chr.,
 zurückkehren, wie aus Prokop (<emph rend="italics">BP</emph> II
 30,49–50) zu erfahren ist und in den <emph rend="italics">Excerpta de
 insidiis</emph> bestätigt wird (<emph rend="italics">EI</emph>
 173,10–12). Laut Prokop musste er weiterhin als Priester tätig sein;
 die <emph rend="italics">Excerpta</emph> nennen ihn allgemeiner einen
 Privatmann (παγανός).

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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