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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 93</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
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                    <resp>Export vom 20260509-000002</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
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            <editionStmt>
                <edition>
                    <date>20260509</date>
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            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
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            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
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                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
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        </revisionDesc>
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    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000054" n="B000054" rend="inline" type="section">
  <p>            Griechisch: _Meg. Chron._ 43 Nr. 11 Schreiner = Nr. 9 Whitby; Theoph. 224,11-13 de Boor;
            Cedr. 408.2, 10-12 Tartaglia; Zon. III 158, 1-2 Büttner-Wobst


            Syrisch: Ioann. Eph. 227,13-15 van Douwen/Land; Chronik von Zuqnīn = Ps. Dion. 73
            Witakowski; Chronik von Zuqnīn = Ps. Dion. 125 Witakowski; Mich. Syr. 9,31 (I 262
            Chabot; S. 364 Moosa)
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000075" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K000864"/>Μηνὶ σεπτεμβρίῳ <anchor xml:id="K000870"/>&lt;ςʹ, ἡμέρᾳ αʹ,&gt; ἰνδικτιῶνος ζʹ <anchor xml:id="K000869"/>ἐγένετο σεισμὸς ἐν 
                    <lb n="2"/><anchor xml:id="K000865"/>Κυζίκῳ, καὶ <anchor xml:id="K000866"/>τὸ ἥμισυ τῆς <anchor xml:id="K000868"/>αὐτῆς πόλεως ἔπεσε. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K000864" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Μηνὶ σεπτεμβρίῳ <ς’, ἡμέρᾳ α’,> ἰνδικτιῶνος ζ’:</label>
  Nach O fällt das Beben in den September der siebten Indiktion (543/544
 = September 543). Theophanes ergänzt den 6. Tag des Monats (ς’) sowie
 den Sonntag (ἡμέρᾳ α’). Dem folgt auch Kedrenos. Die weitere
 Überlieferung nutzt z. T. andere Datierungssysteme (Jahr 854 der
 seleukidischen Ära = Oktober 542 – September 543: Ioann. Eph. 227,13
 van Douwen/Land; Chronik von Zuqnīn = Ps. Dion. 73 Witakowski) oder
 ordnet das Ereignis nur grob ein (Meg. Chron. 43 Nr. 11 Schreiner; Zon.
 III 158, 1-2 Büttner-Wobst); zur Datierung in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> und Theophanes stehen diese Angaben
 allerdings nicht im Widerspruch. Es bleibt gleichwohl darauf
 hinzuweisen, dass Pseudo-Dionysios (der sich auf Johannes von Ephesos
 stützt) an einer späteren Stelle ein Erdbeben in Konstantinopel und
 Kyzikos im Jahr 875 der seleukidischen Ära (= 563/64) erwähnt, welches
 deutliche Parallelen zum hier fraglichen Ereignis aufweist. Details
 über Folgen in Konstantinopel finden sich hier gemeinsam mit einer
 Datierung auf den 6. September und dem Verweis auf die Zerstörung von
 halb Kyzikos: Offensichtlich wurde hier also die Nachricht über das
 frühere Erdbeben in Kyzikos mit derjenigen über ein etwa zwanzig Jahre
 späteres Beben in Konstantinopel zusammengelegt (Chronik von Zuqnīn =
 Ps. Dion. 125 Witakowski). Ähnliches bietet auch Michael der Syrer –
 allerdings mit einer Datierung auf das 28. Regierungsjahr Justinians
 (April 554 – März 555). Die sukzessive Verlegung der Jahresdatierungen
 bei gleichzeitiger Übereinstimmung von Monats- und Tagesangaben
 und/oder weiteren inhaltlichen Details weist deutlich darauf hin, dass
 die syrische Überlieferung zwar von derselben Tradition abhängt wie
 Theophanes, Kedrenos oder Zonaras, das Ereignis aber chronologisch
 verschoben hat. Die bei Theophanes erhaltene Datierung auf den 6.9.543
 dürfte insofern der Angabe in der ‚Ur-Quelle‘ entsprechen. Übernahme
 dieses Datums auch bei <bibl><ref target="Downey_1955"><title>Downey
 (1955)</title></ref></bibl>, 598; <bibl><ref
 target="Guidoboni_1989"><title>Guidoboni (1989)</title></ref></bibl>,
 697; <bibl><ref
 target="Guidoboni_Comastri_Traina_1994"><title>Guidoboni, Comastri,
 Traina (1994)</title></ref></bibl>, 329; <bibl><ref
 target="Ambraseys_2009"><title>Ambraseys (2009)</title></ref></bibl>,
 197. Ohne Datumsangabe, aber mit Einordnung in das Jahr 543: <bibl><ref
 target="Hermann_1962"><title>Hermann (1962)</title></ref></bibl>,
 1110f.; <bibl><ref target="Meier_2004a"><title>Meier
 (2004a)</title></ref></bibl>, 664.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000870" xml:space="preserve">
                        <ref>1|3</ref>
                        <p><label><ς’, ἡμέρᾳ α’>:
</label>
  Die O-Version der <emph rend="italics">Chronographia</emph> sagt über
 die Chronologie dieses Erdbebens nur, dass es „im September (in) der
 siebten Indiktion“ stattfand. Die doppelte Information, dass der
 fragliche Tag der sechste (ς’) des Monats war und ein Sonntag (ἡμέρᾳ α’
 – der erste Tag der Woche), ist von <bibl><ref
 target="Thurn_2000"><title>Thurn (2000)</title></ref></bibl>, 408 aus
 Theoph. 224,11 de Boor abgeleitet worden. Ausgangspunkt dieser –
 sachlich korrekten (nachzuprüfen anhand der Tabelle von <bibl><ref
 target="Grumel_1958"><title>Grumel (1958)</title></ref></bibl>, 316;
 vgl. auch ebendort 478) – Ergänzung ist die Annahme, dass sich hinter
 Theophanes’ zweizeiliger Beschreibung dieses selben Bebens (Theoph.
 224,11–13 de Boor) die ursprüngliche Version der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> verbirgt. Ob Theophanes in diesem
 Fall aus dem ‚Urtext‘ der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 direkt oder doch indirekt durch eine Mittelquelle (den sog. <emph
 rend="italics">Megas Chronographos</emph>: siehe dazu den Exkurs unten)
 schöpfte, kann dahingestellt bleiben. Die in diesem Zusammenhang
 wichtige Frage ist, wie viel bzw. was genau aus der
 Theophanes-Darstellung dieses Bebens für die Rekonstruktion der
 ursprünglichen Version der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 gewonnen werden kann. <bibl><ref target="Thurn_2000"><title>Thurn
 (2000)</title></ref></bibl>, 408 übernahm allein die vollständigere
 Datierung; die Theophanes-Passage (Theoph. 224,11–13 de Boor) hat
 allerdings mehr zu bieten:

 <lb/><lb/>

  τούτῳ τῷ ἔτει μηνὶ Σεπτεμβρίῳ ϛ’, ἡμέρᾳ α’, ἰνδικτιῶνος ζ’ γέγονεν
 σεισμὸς μέγας εἰς ὅλον τὸν κόσμον ὥστε πτωθῆναι τὸ ἥμισυ τῆς Κυζίκου.

 <lb/><lb/>

  „In diesem Jahr im Monat September, am sechsten Tag, einem Sonntag, der
 siebten Indiktion ereignete sich ein großes Erdbeben über die ganze
 Welt, sodass die Hälfte der Stadt Kyzikos zu Boden fiel."

 <lb/><lb/>

  Möchte man den Urtext mithilfe dieser Theophanes-Stelle
 wiederherstellen, dann könnte man denken, dass zu der O-Version nicht
 nur &lt;ς’, ἡμέρᾳ α’&gt;, sondern – um der Konsequenz Willen – auch
 μέγας εἰς ὅλον τὸν κόσμον hinzuzufügen sei. Dieser These zufolge hätte
 der Urheber der epitomierten <emph
 rend="italics">Baroccianus</emph>-Version erstens die Datierung
 vereinfacht, zweitens den Ausdruck μέγας εἰς ὅλον τὸν κόσμον gestrichen
 und drittens die einzig übriggebliebene Ortsangabe ἐν Κυζίκῳ nach vorne
 in den Hauptsatz gezogen; dabei hätte er den inhaltlos gewordenen
 Konsekutivsatz geopfert. <emph rend="italics">Baroccianus</emph> habe
 also aus einer ‚kosmischen Katastrophe‘ (deren Wirkung in Kyzikos in
 der <emph rend="italics">Chronographia</emph> exemplarisch angeführt
 worden war) ein lokales Kyzikos-Beben gemacht – eine nicht unerhebliche
 Änderung. Auch die syrische Überlieferung (Ioann. Eph. 227,13–15 van
 Douwen/Land; z.T. davon abhängend <emph rend="italics">Chronik von
 Zuqnīn</emph> = Ps. Dion. 73 und 125 Witakowski; Mich. Syr. IX 31
 Chabot), die auf den ‚Urtext‘ zurückgeht (<ref target="#K000815">18,
 52</ref>), vermittelt das Bild einer Erderschütterung mit
 breitflächigen Auswirkungen über Kyzikos hinaus, obwohl dort freilich
 eine dem griechischen Ausdruck μέγας εἰς ὅλον τὸν κόσμον entsprechende
 Formel fehlt. Die Entscheidung über die Aufnahme von μέγας εἰς ὅλον τὸν
 κόσμον in den hypothetischen ‚Urtext‘ der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> ist nicht mit letzter Sicherheit zu
 treffen, <bibl><ref target="Thurn_2000"><title>Thurn
 (2000)</title></ref></bibl>, 408 hat diesbezüglich eine vorsichtigere
 Position eingenommen.

 <lb/><lb/>

  Die syrische Überlieferung beinhaltet ferner eine kurze Schilderung der
 erdbebenbedingten Gebäudeschäden in Kyzikos, welche in der klassischen
 lateinischen Übersetzung von Johannes von Ephesos durch <bibl><ref
 target="vanDouwen_Land_1889"><title>vanDouwen, Land
 (1889)</title></ref></bibl>, 227,15–16 lautet:

 <lb/><lb/>

  <emph rend="italics">muri pleroque dejecto aut diffracto; dum ea pars
 quae non ceciderat, prona et inclinata quasi labaret relicta
 est</emph>.

 <lb/><lb/>

  Diese Schilderung findet keine Parallele in der griechischsprachigen
 Tradition der <emph rend="italics">Chronographia</emph> zu diesem
 Erdbeben (dazu zählen neben der bereits angeführten Theophanes-Stelle
 und dem <emph rend="italics">Meg. Chron.</emph> noch Cedr. 408.2,10–12
 Tartaglia und Zon. III 158,1–2 Büttner-Wobst – sie bieten inhaltlich
 nichts Neues). Sie ist wohl als eine autonome Erweiterung der Vorlage
 durch Johannes von Ephesos anzusehen, dessen blumigem Stil sie gut
 entspricht; siehe allgemein dazu <bibl><ref
 target="Debié_2004"><title>Debié (2004)</title></ref></bibl>, 160–163
 und <ref target="#K000815">18, 52</ref>. Das bedeutet nicht, dass sie
 notwendigerweise falsch ist und gar keinen Realitätsbezug hat: <ref
 target="#K000866">18, 93</ref>.

 <lb/><lb/>

 <lb/><lb/>

  *Exkurs: Der <emph rend="italics">Megas Chronographos</emph>*

 <lb/><lb/>

  Der <emph rend="italics">Megas Chronographos</emph> ist für die
 <emph rend="italics">Chronographia</emph>-Forschung insofern
 relevant, als es sich dabei um einen weiteren Vertreter der späteren
 Tradition handeln könnte und somit zumindest potentiell um ein
 zusätzliches Zeugnis für die Rekonstruktion des ‚Urtext‘ der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>. Mit dem Namen <emph
 rend="italics">Megas Chronographos</emph> (im Folgenden abgekürzt
 als <emph rend="italics">Meg. Chron.</emph>) bezeichnet man die
 spärlichen Reste eines chronographischen Werkes, die als sekundäre
 ‚Füllung‘ der berühmten Lücke in den fols. 241v–242v der
 vatikanischen Handschrift des <emph rend="italics">Chronicon
 Paschale</emph> (<emph rend="italics">Vat. gr. 1941</emph>, 10 Jh.)
 überliefert sind. Während die obere Hälfte von fol. 242v die von der
 Forschung im Zusammenhang mit dem Nika-Aufstand heiß debattierten
 <emph rend="italics">Akta dia Kalopodion</emph> beinhaltet, bieten
 die anderen, vom Schreiber der ersten Textschicht (= <emph
 rend="italics">Chron. Pasch.</emph>) leer gelassenen Blätter
 vierzehn Einträge unterschiedlicher Länge über katastrophale
 Ereignisse der Jahre 477–750 n. Chr.; sie sind als Liste organisiert
 und tragen die Überschrift ἄλλως ἀπὸ τοῦ μεγάλου χρονογράφου,
 „anders: aus dem Großen Chronographen“: siehe zur hier kurz
 skizzierten Überlieferungssituation grundlegend <bibl><ref
 target="Maas_1912"><title>Maas (1912)</title></ref></bibl>, 46–47;
 ferner <bibl><ref target="Freund_1882"><title>Freund
 (1882)</title></ref></bibl>, 38; <bibl><ref
 target="Schreiner_1975"><title>Schreiner
 (1975)</title></ref></bibl>, 37–40; <bibl><ref
 target="Whitby_1982"><title>Whitby (1982)</title></ref></bibl>, 1,
 9–10; <bibl><ref target="Whitby_Whitby_1989"><title>Whitby, Whitby
 (1989)</title></ref></bibl>, 112 Note A, 192; <bibl><ref
 target="Jeffreys_1990f"><title>Jeffreys
 (1990f)</title></ref></bibl>, 256.

 <lb/><lb/>

  Der hier relevante Eintrag aus dem <emph rend="italics">Meg.
 Chron.</emph> lautet in der Ausgabe und Übersetzung von Peter Schreiner
 wie folgt (vgl. <bibl><ref target="Schreiner_1975"><title>Schreiner
 (1975)</title></ref></bibl>, 43 Nr. 11 bzw. <bibl><ref
 target="Schreiner_1979"><title>Schreiner (1979)</title></ref></bibl>,
 13 Nr. 11; griechischer Text und englische Übersetzung bei <bibl><ref
 target="Whitby_1982"><title>Whitby (1982)</title></ref></bibl>, 19 Nr.
 9 bzw. <bibl><ref target="Whitby_Whitby_1989"><title>Whitby, Whitby
 (1989)</title></ref></bibl>, 196 Nr. 9; <emph rend="italics">editio
 princeps</emph> bei <bibl><ref target="Freund_1882"><title>Freund
 (1882)</title></ref></bibl>, 40 Nr. 9):

 <lb/><lb/>

  ὅτι ἐπὶ τῆς βασιλείας Ἰουστινιανοῦ σεισμὸς μέγας εἰς ὅλον τὸν κόσμον
 γέγονεν ὥστε πτωθῆναι τὸ ἥμισυ τῆς Κυζίκου.

 <lb/><lb/>

  „Dass unter der Kaiserherrschaft des Justinian ein gewaltiges Beben auf
 der ganzen Erde war, sodass die Hälfte von Kyzikos einfiel“.

 <lb/><lb/>

  Nach <bibl><ref target="Schreiner_1977"><title>Schreiner
 (1977)</title></ref></bibl>, 76 „stimmt die Chroniknotiz wörtlich
 mit Theophanes überein“; das trifft nicht ganz zu, da die
 Datierungen sich unterscheiden: Theophanes’ präziser Angabe τούτῳ τῷ
 ἔτει μηνὶ Σεπτεμβρίῳ ϛ’, ἡμέρᾳ α’, ἰνδικτιῶνος ζ’ steht beim <emph
 rend="italics">Meg. Chron.</emph> die vagere Formel ἐπὶ τῆς
 βασιλείας Ἰουστινιανοῦ gegenüber. Die Formel ἐπὶ τῆς βασιλείας +
 Genitiv des jeweiligen Kaisernamens ist die übliche
 Abschnittseinleitung in den Resten des <emph rend="italics">Meg.
 Chron.</emph>: Sie könnte tatsächlich auf einen Eingriff des
 Urhebers der vatikanischen Katastrophenliste zurückgehen, der die
 Originalversion des <emph rend="italics">Meg. Chron.</emph>
 exzerpierte und die dort gebotenen Datierungen vereinfachte (so
 <bibl><ref target="Whitby_Whitby_1989"><title>Whitby, Whitby
 (1989)</title></ref></bibl>, 192 und bereits <bibl><ref
 target="Freund_1882"><title>Freund (1882)</title></ref></bibl>, 43).
 Es könnte also gut sein, dass der Kyzikos-Eintrag in Theophanes und
 in <emph rend="italics">Meg. Chron.</emph> tatsächlich identisch
 war. Unter Berücksichtigung der anderen Einträge des <emph
 rend="italics">Meg. Chron.</emph>, die nicht immer eine Entsprechung
 bei Theophanes finden, hat die Forschung zwei unterschiedliche
 Vorschläge bezüglich des zeitlichen Verhältnisses zwischen diesen
 zwei Werken hervorgebracht: Entweder war der <emph
 rend="italics">Meg. Chron.</emph> Vorläufer und auch Quelle des
 Theophanes (so <bibl><ref target="Whitby_1982"><title>Whitby
 (1982)</title></ref></bibl>; vgl. auch <bibl><ref
 target="Whitby_Whitby_1989"><title>Whitby, Whitby
 (1989)</title></ref></bibl>, 193; <bibl><ref
 target="Rochow_1983"><title>Rochow (1983)</title></ref></bibl>, 469
 bezüglich der Theophanes-Datierung des Kyzikos-Bebens: „Herkunft
 wohl aus Megas Chronographos“); oder umgekehrt: Theophanes ging dem
 <emph rend="italics">Meg. Chron.</emph> voraus (so z.B. <bibl><ref
 target="Maas_1912"><title>Maas (1912)</title></ref></bibl>, 47;
 <bibl><ref target="Cameron_1976"><title>Cameron
 (1976)</title></ref></bibl>, 325; <bibl><ref
 target="Mango_1990"><title>Mango (1990)</title></ref></bibl>, 17–18;
 <bibl><ref target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, XC–XCI). Beide Alternativen
 konfrontieren die <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>–Forschung mit derselben
 Grundsatzfrage, nämlich ob diese Traditionslinie etwaige nur bei ihr
 vorhandene Zusatzinformationen (für das Kyzikos-Beben konkret die
 sehr präzise Datierung und die Notiz μέγας εἰς ὅλον τὸν κόσμον) aus
 dem ‚Urtext‘ schöpfte oder nicht. Für den hier besprochenen
 Kyzikos-Eintrag könnte das gut möglich sein, wie Thurns Aufnahme
 zumindest der Datierung (nicht aber der Notiz μέγας εἰς ὅλον τὸν
 κόσμον) in seinen Haupttext der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> zeigt; diese Möglichkeit lässt
 für das Kyzikos-Kapitel (sowie für XVIII 118 und 128) auch
 <bibl><ref target="Jeffreys_1990f"><title>Jeffreys
 (1990f)</title></ref></bibl>, 257 offen, <emph
 rend="italics">contra</emph> (zumindest implizit) <bibl><ref
 target="Meier_2000"><title>Meier (2000)</title></ref></bibl>, 292
 Anm. 18. Andere Einträge des <emph rend="italics">Meg. Chron.</emph>
 und die ihnen entsprechenden Theophanes-Passagen finden allerdings
 in der O-Version der <emph rend="italics">Chronographia</emph> gar
 keine Entsprechung und hängen eher von anderen Chroniken des 6.
 Jahrhunderts wie den <emph rend="italics">Anecdota Cramer</emph>
 oder der ‚konstantinopolitanischen Stadtchronik‘ ab: Siehe für diese
 letzte <bibl><ref target="Freund_1882"><title>Freund
 (1882)</title></ref></bibl>, 46–48 und ferner <bibl><ref
 target="Whitby_1982"><title>Whitby (1982)</title></ref></bibl>,
 10–11; <bibl><ref target="Whitby_Whitby_1989"><title>Whitby, Whitby
 (1989)</title></ref></bibl>, 193 sowie die Anmerkungen zu ihrer
 Übersetzung des <emph rend="italics">Meg. Chron.</emph>; <bibl><ref
 target="Jeffreys_1990f"><title>Jeffreys
 (1990f)</title></ref></bibl>, 256–257.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000869" xml:space="preserve">
                        <ref>1|8</ref>
                        <p><label>ἐγένετο σεισμός:</label>
  Die Formel σεισμός + eine Form des Verbes γίγνομαι wird ab <ref
 target="#K000884">18, 55</ref> zur Verzeichnung eines Erdbebens
 verwendet.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000865" xml:space="preserve">
                        <ref>2|1</ref>
                        <p><label>Κυζίκῳ:</label>
  Zu Kyzikos: <ref target="#K000639">4, 8</ref> und dem zuvor
 geschilderten Erdbeben in der Stadt: <ref target="#K002334">11,
 16</ref>. Zu hiesigen Erdbeben s. <bibl><ref
 target="Guidoboni_Comastri_Traina_1994"><title>Guidoboni, Comastri,
 Traina (1994)</title></ref></bibl>, 329. <bibl><ref
 target="Hasluck_1910"><title>Hasluck (1910)</title></ref></bibl>, 193
 vermutet, dass es die Folgen dieses Erdbebens waren, die es Justinian
 erlaubten, für den Bau der Sophienkirche in Konstantinopel Säulen aus
 Kyzikos beschaffen zu lassen (der entsprechende Hinweis entstammt der
 Schrift des Pseudo-Kodinos über den Bau der Kirche: <bibl><ref
 target="Preger_1901a"><title>Preger (1901a)</title></ref></bibl>, 77,
 1–3; Übersetzung bei <bibl><ref target="Dagron_1984"><title>Dagron
 (1984)</title></ref></bibl>, 197) und bezieht sich aller
 Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich auf Spolien, was jedoch nicht
 völlig ausschließt, dass der Marmor dennoch aus den in Kyzikos
 vorhandenen Steinbrüchen stammte (vgl. <bibl><ref
 target="Dagron_1984"><title>Dagron (1984)</title></ref></bibl>, 217,
 Anm. 20). Ob das Erdbeben wiederum entscheidend dafür war, dass in
 Kyzikos Spolien verfügbar wurden, ist nicht zu beweisen. Einziger
 Hinweis bleibt die grobe zeitliche Koinzidenz von Beben und Kirchenbau.
 Dass, wie <bibl><ref target="Hasluck_1910"><title>Hasluck
 (1910)</title></ref></bibl>, 193 weiter überlegt, das Beben die
 sukzessive Aufgabe von Kyzikos zugunsten des benachbarten Artake
 initiiert haben könnte, bleibt ebenfalls Vermutung: Zur eher
 katalysatorischen als ursächlichen Wirkung von Erdbeben auf den
 ‚Niedergang‘ oströmischer Provinzstädte im 6. Jahrhundert vgl.
 <bibl><ref target="Posamentir_2016"><title>Posamentir
 (2016)</title></ref></bibl>.

 <lb/><lb/>

  Die möglicherweise bereits auf den ‚Urtext‘ der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> zurückgehende Bezeichnung des
 Bebens als ‚kosmisch‘ (<ref target="#K000870">18, 93</ref>) trägt
 topische Züge (zu Tendenzen der topischen ‚Entgrenzung‘ von Erdbeben
 seit der Kaiserzeit <bibl><ref target="Waldherr_1997b"><title>Waldherr
 (1997b)</title></ref></bibl>, 198–200), bezeugt aber jedenfalls eine
 Wahrnehmung des Ereignisses als weitreichend und bedeutungsgeladen.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000866" xml:space="preserve">
                        <ref>2|3</ref>
                        <p><label>τὸ  ἥμισυ τῆς αὐτῆς πόλεως ἔπεσε:</label>
  Der Verweis auf die Zerstörung der halben Stadt ist in seiner
 Ausformulierung stereotyp (<ref target="#K000867">18, 19</ref>) und
 kann insofern nur mit Vorsicht als Indikator für das Schadensausmaß
 herangezogen werden. Die Parallelüberlieferung bietet gleichwohl
 ergänzende Informationen: Demnach stürzte der Großteil der Mauer bzw.
 Stadtmauer ein oder wurde ernsthaft beschädigt (Ioann. Eph. 227,13-15
 van Douwen/Land; Chronik von Zuqnīn = Ps. Dion. 73 Witakowski); bei
 Pseudo-Dionysios findet sich zudem eine bemerkenswerte, als
 Augenzeugenbericht präsentierte Ergänzung, nach der man vor Ort
 schiefstehende und umgestürzte Säulen habe sehen können und weite Teile
 der Stadt durch Zedernholzkonstruktionen gestützt wurden (Chronik von
 Zuqnīn = Ps. Dion. 73 Witakowski; vgl. auch die inhaltliche Ergänzung
 einer unsicheren Lesung nach <bibl><ref
 target="Hespel_1989"><title>Hespel (1989)</title></ref></bibl>, 59:
 „[…] nous avons vu les colonnes du forum penchées et sur leur sommet
 extérieur, tandis que sur leur (base) intérieure, certains faisaient
 passer leurs mains“). Derselben Stelle zufolge waren ähnliche Maßnahmen
 auch in anderen Städten vonnöten. Auch die sehr knappe Notiz Michaels
 des Syrers enthält einen kursorischen Schlussverweis auf andere Städte.
 <bibl><ref target="Guidoboni_Comastri_Traina_1994"><title>Guidoboni,
 Comastri, Traina (1994)</title></ref></bibl>, 329 assoziieren das Beben
 mit einem in der <emph rend="italics">Chronik von 724</emph> für das
 Jahr 544 erwähnten seismischen Ereignis, dessen Darstellung ihrer
 Ansicht nach auf eine Flutwelle schließen lässt. In der lateinischen
 Übersetzung von Chabot lautet der Eintrag: <emph rend="italics">terra
 quassata est et urbes submersae sunt</emph> – „die Erde wurde
 geschüttelt und Städte wurden bedeckt/versenkt“. Es scheint vertretbar,
 diese Stelle mit dem fraglichen Ereignis in Verbindung zu bringen.
 Entgegen <bibl><ref target="Ambraseys_2009"><title>Ambraseys
 (2009)</title></ref></bibl>, 197, der für eine Flutwelle keine Evidenz
 finden kann, eröffnet die Formulierung einen Anfangsverdacht für durch
 eine sekundäre Überflutung bedingte Zerstörungen – selbst wenn es
 erstaunlich erscheint, dass nur ein einzelner Bericht über diese
 Wirkung informiert. Unabhängig davon ergeben sich in der Summe in jedem
 Fall Hinweise darauf, dass das Beben beträchtliche Schäden insbesondere
 in Kyzikos, aber auch darüber hinaus anrichtete.

 <lb/><lb/>

  Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das Ausbleiben jeglicher
 Hinweise auf obrigkeitliche Hilfsmaßnahmen in der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>. Solche Hilfen werden für die weit
 überwiegende Zahl von als katastrophal charakterisierten Ereignissen in
 der <emph rend="italics">Chronographia</emph> in sterotyper Form
 überliefert. Das Fehlen an der hiesigen Stelle entspricht jedoch einem
 allgemeinen Trend innerhalb des 18. Buches: Während nach den in XVIII
 19, XVIII 27, XVIII 28, XVIII 37 und XVIII 40 berichteten Katastrophen
 noch durchgehend über kaiserliche Hilfen informiert wird, bilden
 entsprechende Hinweise in den späteren Notizen (XVIII 55, XVIII 77,
 XVIII 79, XVIII 93, XVIII 112, XVIII 118, XVIII 123, XVIII 124) die
 Ausnahme - und das, obwohl in Buch 18 insgesamt weitaus mehr
 Katastrophen Erwähnung finden als in jedem der vorangegangenen Bücher
 (<bibl><ref target="Meier_2007d"><title>Meier
 (2007d)</title></ref></bibl>, 571f.; <bibl><ref
 target="Jeffreys_1990b"><title>Jeffreys (1990b)</title></ref></bibl>,
 155-160). Lediglich XVIII 112 überliefert noch einmal kaiserliche
 Hilfsmaßnahmen und fällt dadurch aus diesem Trend heraus. Auffallend
 ist, dass dieser Rückgang der Erwähnung ökonomischer Unterstützung
 durch den Kaiser mit der Verwendung eines veränderten, ‚neutraler‘
 wirkenden Vokabulars zusammenfällt (<ref target="#K000884">18,
 55</ref>; <ref target="#K000867">18, 19</ref>). Diese Koinzidenz deutet
 auf eine generelle Veränderung der Darstellungs- und/oder
 Überlieferungsmodi hin, weswegen der Befund nicht als Beleg für eine
 faktische Abnahme der kaiserlichen Hilfsbereitschaft herangezogen
 werden sollte. Auch die Möglichkeit, dass relevante Hinweise Opfer des
 dem Baroccianus-Text zugrundeliegenden Kürzungsprozesses wurden,
 scheidet im vorliegenden Fall mit einiger Sicherheit aus, da auch in
 der reichhaltigen sekundären Überlieferung keine entsprechenden Angaben
 zu finden sind.

 </p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K000868" xml:space="preserve">
                        <ref>2|6</ref>
                        <p><label>αὐτῆς:</label>
  Die Wiederholung des Demonstrativums αὐτός bzw. ὁ αὐτός und die dadurch
 bewirkte Überdeterminierung der Substantive sind zwei der auffälligsten
 Merkmale der Sprache der <emph rend="italics">Chronographia</emph>; sie
 tragen entscheidend dazu bei, ihr ihren charakteristischen
 bürokratischen Klang zu verleihen: <ref target="#K000600">2, 7</ref>.

 </p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
                <listBibl>
    
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                          Schreiner (1977): Schreiner, Peter: 
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                          Whitby, Whitby (1989): Whitby, Michael/ Whitby, Mary: 
                        Chronicon Paschale 284-628 AD Translated with notes and introduction. 
                        Liverpool 1989
                    </bibl>
      
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                          Whitby (1982): Whitby, Michael: 
                        The Great Chronographer and Theophanes. 
                        BMGS 1982, 1–20
                    </bibl>
      
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