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                <title type="main">Historisch-philologischer Kommentar zur Chronik des Johannes Malalas</title>
                <title type="sub">Buch 18, Kapitel 95</title>
                <author>die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle Malalas</author>
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                    <resp>Export vom 20260613-000004</resp>
                    <name>daffi/HAdW</name>
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            </titleStmt>
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                <edition>
                    <date>20260613</date>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Forschungsstelle Malalas-Kommentar</publisher>
                <availability status="restricted">
                    <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de">CC BY-NC-SA 4.0</licence>
                </availability>
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            <sourceDesc>
                <p>Export aus Malalas-Datenbank</p>
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                    <date>20260613-000004</date>
                    <name>die Mitarbeiter der HAdW-Forschungsstelle</name>
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    <text>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  

<div xml:id="B000068" n="B000068" rend="inline" type="section">
  <p>            Theoph. 225, 4–5; Cedr. 408.5, 32–33 Tartaglia
</p></div> 
        <body>

            <!-- Griechische Transkription -->
            <div type="edition" xml:id="T000149" xml:space="preserve">
                <ab>
                    <lb n="1"/><anchor xml:id="K001067"/>Ἐν αὐτῷ δὲ τῷ χρόνῳ <anchor xml:id="K001068"/>καὶ <anchor xml:id="K001069"/>σπάνις οἴνου ἐγένετο. 
                </ab>
            </div>

            <!-- Kommentar Anfang -->
            <div type="commentary">
  
                <list>
                    <item corresp="#K001067" xml:space="preserve">
                        <ref>1|1</ref>
                        <p><label>Ἐν αὐτῷ δὲ τῷ χρόνῳ:</label>
  Der relative chronologische Anschluss bezieht sich aller
 Wahrscheinlichkeit nach (d.h. soweit der im Codex Baroccianus
 überlieferte Text nicht trügt) auf die Datumsangabe in XVIII 93
 (Erdbeben in Kyzikos, September der siebten Indiktion = 543 n. Chr.).
 Das folgende Kapitel XVIII 96 (Verwirrung um den Beginn der
 Fastenzeit) wird ohne weitere chronologische Konkretisierung auf
 November eines unbestimmten Jahres datiert. Im Kontext suggeriert
 diese Angabe den November 543 als Datum, ist, was die absolute
 Chronologie betrifft aber gemäß der präzisen Angabe bei Theoph. I 225,
 5–10 de Boor womöglich auf Februar 546 n. Chr. zu korrigieren <ref
 target="#K001066">18, 96</ref>. Das hiesige Ereignis legt Theophanes
 (I 225, 4–5 de Boor, ähnlich Cedr. 408.1, 5 Tartaglia) ebenfalls in
 dieses Jahr (= 545/46 n. Chr.). <bibl><ref
 target="Mango_Scott_1997"><title>Mango, Scott
 (1997)</title></ref></bibl>, 326 Anm. 1 halten diese Angabe auch hier
 für korrekt, da präziser als die des Malalas (vgl. <bibl><ref
 target="Stathakopoulos_2004"><title>Stathakopoulos
 (2004)</title></ref></bibl>, 297f.; <bibl><ref
 target="Meier_2004a"><title>Meier (2004a)</title></ref></bibl>, 665
 mit Anm. 78). Die hiesige Einordnung mit αὐτῷ δὲ τῷ χρόνῳ ist
 allerdings nicht beliebig dehnbar: Zwischen dem September 543 und dem
 von Theophanes angegebenen Jahr liegen immerhin mindestens zwei Jahre
 – ein recht langes Intervall für eine Angabe „zur selben Zeit“. Die
 hiesigen Daten und die des Theophanes sind somit tendenziell
 widersprüchlich, was es eher unwahrscheinlich macht, dass letzterer
 sein Datum beispielsweise aus einer vollständigeren, mit einem
 genaueren Datum versehenen Version des ersteren entnommen hat. Dass
 ein solches Datum (bzw. sein gesamter Eintrag für das Jahr?) von
 Theophanes aus einer ganz anderen (zusätzlichen?) Quelle entnommen
 wurde, ist nicht auszuschließen, wird aber auch nicht durch starke
 Argumente unterstützt (zur Quellenfrage <ref target="#K001069">18,
 95</ref>). So lässt sich fragen, ob Theophanes hier nicht schlichtweg
 verfuhr, wie es häufig für ihn belegt ist, er nämlich mehrere
 Ereignisse unter einem Jahreseintrag zusammenfasste, die in seiner
 Vorlage noch getrennt gelistet worden waren – und dabei die
 Chronologie je nach Bedarf anpasste. Das hieße dann, dass der Angabe
 der uns vorliegenden Version der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph>, die wohl auf 543/44 n. Chr.
 deutet, eher Glauben zu schenken wäre als der des Theophanes. Vgl.
 auch die getrennte Auflistung der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> und Theophanes für 543 respektive
 545/46 bei <bibl><ref target="Meier_2004a"><title>Meier
 (2004a)</title></ref></bibl>, 332, Anm. 164.

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001068" xml:space="preserve">
                        <ref>1|6</ref>
                        <p><label>καὶ σπάνις οἴνου ἐγένετο:</label>
  Engpässe bei der Versorgung mit bestimmten Gütern waren in der
 (Spät-)antike und insbesondere in Metropolen wie Rom oder
 Konstantinopel keine Seltenheit. Dazu allgemein <ref
 target="#K001074">8, 22</ref>; <ref target="#K001075">12, 33</ref>;
 <ref target="#K001722">18, 121</ref>. In der <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> begegnen Mangel und
 Versorgungsengpässe besonders oft im letzten, auf Konstantinopel
 konzentrierten Teil von Buch XVIII (vgl. XVIII 121: σπάνις ἄρτου; XVIII
 131 = Theoph. 234,20–235,1 de Boor; XVIII 139; XVIII 147 = Theoph. 239,
 23–25 de Boor). Hier fallen sie häufig in den Kontext sozialer Unruhen,
 die dann durch den Kaiser mit harten Maßnahmen beantwortet werden. Die
 hiesige Stelle mit ihrer äußerst knappen Schilderung bildet in dieser
 Hinsicht eine Ausnahme.

 <lb/><lb/>

  Der Begriff des „Weinmangels“ (σπάνις οἴνου) findet sich nur ein
 weiteres Mal, nämlich bereits in VII 4, wo über die angebliche
 Einführung der Wagenrennen in Rom durch Romulus berichtet wird –
 Hunger und Versorgungsengpässe erscheinen hier als durch die Anhänger
 der Grünen befürchtete Folge einer Niederlage ihrer (die Demeter/das
 Land repräsentierenden) Partei. Dabei wird der Wein in einer Reihe
 mit Grundnahrungsmitteln wie Weizen und Öl genannt (vgl. hierzu
 <bibl><ref target="Garnsey_1988"><title>Garnsey
 (1988)</title></ref></bibl>, 49, demzufolge Weizen, Öl und Wein „the
 triad of staple foods“ der antiken Mittelmeerwelt bildeten). Für den
 hier diskutierten Abschnitt ist nicht auszuschließen, dass eine
 frühere Version der <emph rend="italics">Chronographia</emph>
 ebenfalls auf eine Knappheit an Weizen verwies, da sich
 entsprechendes bei Theoph. I 225, 4 de Boor findet.

 <lb/><lb/>

  Nach <bibl><ref target="Allen_1979"><title>Allen
 (1979)</title></ref></bibl>, 16; <bibl><ref
 target="Meier_2004a"><title>Meier (2004a)</title></ref></bibl>, 332
 hängen die für die 540er Jahre überlieferten Versorgungsschwierigkeiten
 in Konstantinopel mit dem Ausbruch der Pest 542 n. Chr. (vgl. XVIII 92)
 zusammen: Siehe dazu Ps. Dion. 81 Witakowski mit Verweis auf
 brachliegende Felder und überreife, ungeerntete Reben an den
 Weinstöcken als Folgen des Zusammenbruchs des öffentlichen Lebens. Zur
 Verbindung von Epidemien und Versorgungskrisen allgemein <bibl><ref
 target="Patlagean_1977"><title>Patlagean (1977)</title></ref></bibl>,
 83–85; <bibl><ref target="Stathakopoulos_2004"><title>Stathakopoulos
 (2004)</title></ref></bibl>, 163f. Ohne Hinweis auf eine kausale
 Verbindung äußert sich Procop. <emph rend="italics">Anecd.</emph> XXII
 17–19 zu Versorgungsschwierigkeiten in Konstantinopel, die in die erste
 Amtszeit des Petros Barsymes als <emph rend="italics">praefectus
 praetorio orientis</emph> zwischen 543 und 546 fallen (vgl. PLRE IIIB
 (Petrus 9), 1000f.).

 (J.B.)</p>
                    </item>
                </list>
                <list>
                    <item corresp="#K001069" xml:space="preserve">
                        <ref>1|7</ref>
                        <p><label>σπάνις οἴνου:</label>
  Beide Stellen der Parallelüberlieferung zur hiesigen Passage
 (Theoph. 225, 4 de Boor; Cedr. 408.5, 32 Tartaglia) bieten statt
 σπάνις das in der Spätantike beinahe synonyme, jedoch deutlich
 seltener belegte Substantiv λεῖψις. λεῖψις ist zum ersten Mal in
 der Abhandlung Περὶ συντάξεως des Grammatikers Apollonios Dyskolos
 (2 n. Chr.) bezeugt, und bezeichnet dort das Fehlen des Artikels:
 Ap. Dysc. <emph rend="italics">GG</emph> 1,107,13–16 Uhlig Κατὰ γὰρ
 τὴν προειρημένην σύνταξιν [i.e. Hom. <emph
 rend="italics">Od</emph>. XXIV 299] ἐπὶ τούτου πάλιν λείπει τὸ
 ἄρθρον· ... λέγω ἡ λεῖψις μὲν τοῦ ἄρθρου κτλ. Die Übertragung des
 Begriffes λεῖψις auf das Fehlen von Lebensmitteln o.ä. wurde
 vermutlich durch die lautliche Ähnlichkeit zum bereits klassischem
 Wort für Dürre (λιμός) begünstigt, als der Diphthong ει und der
 Vokal ι bereits identisch ausgesprochen wurden: Auf
 charakteristische Weise stellten die kaiserzeitlichen Grammatiker
 zwischen den zwei Termini sogar eine etymologische Verwandtschaft
 fest und leiteten den einen vom anderen ab: λιμός: διὰ τοῦ ι
 γράφεται. καὶ ὤφειλε διὰ τῆς ει διφθόγγου γράφεσθαι, ἐπειδὴ παρὰ τὸ
 λείπω ἐστίν· ὁ γὰρ λιμός λεῖψίς ἐστι τῶν ἐπιτηδείων (Hdn. <emph
 rend="italics">GG</emph> 3,3, 545, 21–23 Lentz, aus der Abhandlung
 Περὶ ὀρθογραφίας; vgl. bereits Tryph. fr. 22 von Velsen). Auch
 λεῖψις findet sich einmal mit derselben Bedeutung von σπάνις in der
 <emph rend="italics">Chronographia</emph>: XVI 15 διὰ λεῖψιν ἄρτου
 καὶ ἐλαίου.

 <lb/><lb/>

  Die Tatsache, dass an der hiesigen Passage die O-Version σπάνις bietet,
 die Theophanes-Tradition hingegen λεῖψις, scheint auf eine einfache und
 wohl zufällige terminologische Varianz zurückzuführen zu sein; sie
 reicht nicht aus, um Rochows Vermutung zu erhärten, die <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> sei an dieser Stelle <emph
 rend="italics">nicht</emph> die direkte Vorlage des Theophanes gewesen
 (siehe <bibl><ref target="Rochow_1983"><title>Rochow
 (1983)</title></ref></bibl>, 469). Zum Verhältnis zwischen <emph
 rend="italics">Chronographia</emph> und Theophanes, s. oben.

 (L.C.)</p>
                    </item>
                </list>

            <!-- Kommentar Ende -->
            </div>
  
            <!-- Bibliographie -->
            <div type="bibliography">
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                        The "Justinianic" Plague. 
                        Byzantion 1979, 5–20
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                          Garnsey (1988): Garnsey, P.: 
                        Famine and Food-Supply in the Graeco-Roman World. 1988, 
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                          Mango, Scott (1997): Mango, Cyril and Scott, Roger: 
                        The Chronicle of Theophanes Confessor. Byzantine and Near Eastern History AD 284–813. 
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                    </bibl>
      
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                          Meier (2004a): Meier, Mischa: 
                        Das andere Zeitalter Justinians. Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung im 6. Jahrhundert n. Chr.. 
                        Göttingen 2004
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                          Patlagean (1977): Patlagean, E.: 
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                        Paris/Den Haag 1977
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                          Rochow (1983): Rochow, Ilse: 
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                          Stathakopoulos (2004): Stathakopoulos, D. Ch.: 
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