Malalas 14.26 1–16 = 4–19 (Thurn)

1 (4)
Ἐν αὐτῷ δὲ τῷ καιρῷ ἐν τῇ Ῥώμῃ διάγουσα χήρα ἡ δέσποινα
 
Εὐδοξία, ἡ γεναμένη γυνὴ Βαλεντινιανοῦ βασιλέως, θυγάτηρ δὲ Θεοδο-
 
σίου βασιλέως καὶ Εὐδοκίας, λυπουμένη κατὰ Μαξίμου τοῦ τυράννου
 
τοῦ φονεύσαντος τὸν ἄνδρα αὐτῆς καὶ βασιλεύσαντος, προετρέψατο {δὲ}
5 (8)
Ζινζίριχον τὸν Οὐάνδαλον, τὸν ῥῆγα τῆς Ἀφρικῆς, ἐλθεῖν κατὰ Μαξίμου
 
βασιλέως καὶ τῆς Ῥώμης. ὅστις ἐξαίφνης ἦλθεν ἐν τῇ Ῥώμῃ πόλει μετὰ
 
πλήθους καὶ παρέλαβε τὴν Ῥώμην, καὶ ἐφόνευσεν τὸν Μάξιμον βασιλέα
 
καὶ πάντας ἀπώλεσε, πραιδεύσας πάντα τὰ τοῦ παλατίου ἕως τῶν χαλ-
 
κουργημάτων, λαβὼν αἰχμαλώτους καὶ τοὺς περιλειφθέντας συγκλητι-
10 (13)
κοὺς καὶ τὰς γυναῖκας αὐτῶν, ἐν οἷς ἔλαβε καὶ τὴν προτρεψαμένην αὐτὸν
 
τὴν δέσποιναν Εὐδοξίαν καὶ τὴν θυγατέρα αὐτῆς Πλακιδίαν τὴν γυναῖκα
 
τοῦ πατρικίου Ὀλυβρίου, αὐτοῦ διάγοντος ἐν Κωνσταντινουπόλει, καὶ
 
Εὐδοκίαν δὲ τὴν παρθένον αἰχμαλώτους· καὶ ἀπήγαγε πάντας ἐν τῇ
 
Ἀφρικῇ ἐν Καρταγένῃ πόλει. ὅστις Ζινζίριχος εὐθέως ἐξέδωκε τῷ ἰδίῳ
15 (18)
αὐτοῦ υἱῷ Ὀνωρίχῳ τὴν θυγατέρα Εὐδοξίας τῆς δεσποίνης τὴν παρθέ-
 
νον Εὐδοκίαν τὴν μικράν· καὶ εἶχεν αὐτὰς ἐν τιμῇ μεθ᾿ ἑαυτοῦ.
Philologisch-Historischer Kommentar
1/12 δέσποινα: Zum Titel δέσποινα: XIII 31, 26. (Brendan Osswald)
5/1 Ζινζίριχον τὸν Οὐάνδαλον, τὸν ῥῆγα τῆς Ἀφρικῆς: Geiserich, 428–477 n. Chr. König über Vandalen und Alanen (PLRE II (Geisericus), 496-499), gilt als Begründer des Vandalenreiches in Nordafrika. Er war der Großvater Hilderichs, da sein Sohn Hunerich mit Eudocia, der Tochter Valentinians III., Hilderich als Sohn hatte. Nach dem Tod seines Bruders Guntherich 428, mit dem er zuvor gemeinsam regiert hatte, übernahm er die Alleinherrschaft über die sich noch in Spanien befindlichen Vandalen und Alanen. Zu zentralen Ereignissen seiner Herrschaft gehören die Eroberung Karthagos im Oktober 439 und die Einnahme Roms im Jahr 455 auf die an hiesiger Stelle verwiesen wird (M. Meier, DNP, s.v. Geisericus (Geiserich); Castritius 2007, 94).


Den historischen Hintergrund hierfür stellen die Ermordung Valentinians III. im März 455 und der daraufhin einsetzende Politikwechsel dar. Der neue weströmische Kaiser Petronius Maximus suchte eine Anbindung an die theodosianische Dynastie, zwang die Witwe des Kaisers Eudoxia zur Ehe und verheiratete seinen Sohn mit der Kaisertochter Eudokia, die schon dem Geiserich-Sohn Hunerich versprochen worden war (Castritius 2007, 104f.). Die Chronographia berichtet hier, dass Geiserich auf Bitten der Eudoxia um Hilfe gegen Petronius Maximus hin in Italien eingegriffen habe. Zu dieser Begründung, die sich auch bei Procop. Vand. I 4,37ff. findet, s. oben.

Am 2. Juni 455 rückten die Vandalen in Rom ein und plünderten 14 Tage lang die Stadt – die dritte Einnahme der Urbs nach dem Galliersturm 387 v. Chr. und der Eroberung durch Alarich 410 n. Chr. Neben zahlreichen Kunstgegenständen (u.a. der Tempelschatz aus Jerusalem, den Titus nach Rom gebracht hatte) wurden auch viele Menschen verschleppt, so auch Eudoxia und ihre beiden Töchter Eudokia und Placidia (vgl. XIV 26). Das weitere Schicksal der kaiserlichen Geiseln wurde in einem mit dem Ostkaiser Leo I. abgeschlossenen Friedensvertrag geregelt (Castritius 2007, 116). Eudoxia und Placidia wurden gegen ein hohes Lösegeld nach Konstantinopel entlassen, Eudokia blieb in Karthago und heiratete Hunerich (XIV 31; Castritius 2007, 116f.). Die weiteren Regelungen des Vertrages enthielten auch materielle Forderungen sowie die Bestimmung, dass der Gatte Placidias und somit Schwager Hunerichs Olybrius, der sich seit der Ermordung Valentinians in Konstantinopel aufhielt, zum Westkaiser ernannt werden sollte. Eine Vielzahl der Vertragspunkte, die vor allem zu Lasten des Westens gingen, wurde nie in die Realität umgesetzt, weshalb sich die Vandalen zum Krieg rüsteten (ebd., 117). Leo I. entschied sich für eine groß angelegte Flottenexpedition gegen Karthago unter der Führung des Basiliskos, der sich allerdings als unfähig erwies und eine schwere Niederlage hinnehmen musste (beschrieben bei XIV 44). Erst unter Zeno kam es 474 zum Abschluss eines Friedensvertrags, der bis zum Ende des Vandalenreiches Bestand hatte (ebd., 121).

Zum Geiserich von der Chronographia beigelegten Titel ῥὴξ τῆς Ἀφρικῆς (hier) bzw. ῥὴξ τῶν Ἄφρων (XIV 44) ist anzumerken, dass Geiserich selbst sich nur als rex bezeichnete. Sein Nachfolger Hunerich nahm den Titel rex Vandalorum et Alanorum an: Meier 2019, 676. Die Chronographia bezeichnet auch Hannibal als ῥὴξ τῶν Ἄφρων bzw. ῥὴξ τῆς Ἀφρικῆς: VIII 28.
8/4 πραιδεύσας: Abgeleitet vom Lehnwort πραῖδα, lat. praeda, ‚Beute‘: II 7, 15. (Florian Battistella)
Parallelüberlieferung
Literatur