Malalas 18.1 1–9 = 4–12 (Thurn)
Inhalt
Buch XVIII beginnt mit einer Einführung in die Herrschaft Kaiser Justinians, dessen Herrschaftsantritt mithilfe unterschiedlicher Zeitsystemen datiert wird. Es folgen die Angabe der Gesamtregierungsdauer des Kaisers sowie eine Charakterisierung seiner Persönlichkeit. Besonderes Augenmerk legt Malalas dabei auf das äußere Erscheinungsbild Justinians, aber auch sein Glaube, seine Herkunft und seine Unterstützung für die blaue Zirkuspartei finden Erwähnung.
Philologisch-Historischer Kommentar
Parallelüberlieferung
Literatur
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τατος Ἰουστινιανὸς ἔτη ληʹ καὶ μῆνας ζʹ καὶ ἡμέρας ιγʹ ἐν μηνὶ ξανθικῷ
τουτέστι ἀπριλλίῳ πρώτῃ, ἰνδικτιῶνι πέμπτῃ, ἔτους χρηματίζοντος
κατὰ Ἀντιόχειαν πεντακοσιοστοῦ ἑβδομηκοστοῦ πέμπτου, ἐπὶ τῆς ὑπα-
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πος, μιξοπόλιος τὴν κάραν καὶ τὸ γένειον, μεγαλόψυχος, χριστιανός.
δὲ Ῥωμαϊκὴν γλῶσσαν ὁμιλῶν ἐσφάλλετο, ἀλλ’ ἔγραφεν αὐτὴν εὐχερῶς.
Philologisch-Historischer Kommentar
1/6 ἐβασίλευσεν: Malalas verwendet die Aoristform ἐβασίλευσε in seiner Kaiserbeschreibung sowohl ingressiv zur Bezeichnung des Amtsantritts (‚wurde Kaiser‘) als auch komplexiv bzw. durativ zur Bezeichnung der Herrschaftsdauer (‚herrschte als Kaiser‘); diese beiden Verwendungsweisen verbindet er generell nicht. An einer vergleichbaren Stelle (XVI 1), an der er ebenfalls sowohl die Angabe des Datums des Herrschaftsantritts als auch der Herrschaftsdauer in einem Satz bringt, verwendet er ἐβασίλευσε zur Angabe der Herrschaftsdauer und schließt die Angabe des Amtsantritts dann mit dem Partizip στεφθείς (‚gekrönt‘) an: ὅστις ἐβασίλευσεν ἔτη κζ᾿ καὶ μῆνας θ᾿ καὶ ἡμέρας θ᾿, στεφθεὶς ἐν μηνὶ ξανθικῷ τῷ καὶ ἀπριλλίῳ τῇ ἁγίᾳ πέμπτῃ τῆς μεγάλης ἑβδομάδος. Dass ἐβασίλευσε zugleich die ingressive und komplexive bzw. durative Funktion erfüllen kann, scheint angesichts dessen zweifelhaft, so dass für vorliegendes Kapitel die Annahme eines Textausfalls naheliegt. (Johann Martin Thesz)
1/7 μοναρχήσας: Von Thurn aus der slavischen Übersetzung und dem Chronicon Paschale ergänzt. An der betreffenden Stelle des Chronicon Paschale findet sich allerdings nicht das Partizip μοναρχήσας, sondern das Adjektiv μονάρχης (617, 11-12 Dindorf: Καὶ λοιπὸν ἐβασίλευσεν μονάρχης Ῥωμαίων Ἰουστινιανὸς Αὔγουστος ἔτη λη᾿, μῆνας ια᾿). Eine vergleichbare Verwendung des Partizips μοναρχήσας lässt sich bei Eus., VC Pin. 1, 5 Ὅτι ἐβασίλευσε μὲν εὐσεβῶς ὑπὲρ τὰ τριάκοντα ἔτη μοναρχήσας, ἔζησε δὲ ὑπὲρ τὰ ἑξήκοντα und Theoph. 46, 31-32 de Boor Τούτῳ τῷ ἔτει ἐβασίλευσεν Ἰουλιανὸς ὁ παραβάτης μοναρχήσας διὰ πλῆθος ἁμαρτιῶν ἡμῶν nachweisen. (Johann Martin Thesz)
2/3 ἔτη λη' καὶ μῆνας ζʹ καὶ ἡμέρας ιγʹ: d.h. 38 Jahre, 7 Monate, 13 Tage. Justinian regierte vom Beginn seiner Alleinherrschaft aus gerechnet, also vom 1. August 527 n. Chr. an, bis zum 14. November 565 n. Chr. insgesamt 38 Jahre, 3 Monate und 14 Tage. Wählt man allerdings als Ausgangspunkt schon den 1. April 527, also den Tag, an dem Justinian von seinem Onkel Justin I. zum Mitkaiser ernannt wurde, ergibt sich die von Malalas errechnete Regierungsdauer von 38 Jahren, 7 Monaten und 13 Tagen. Dies entspricht auch der Zählung, die Justinian selbst durch Nov. 47 verordnet, in der er den 1. April als Beginn für die Zählung seiner Regierungszeit festlegt. (Christine Radtki mit Florian Battistella)
3/4 ἰνδικτιῶνι πέμπτῃ: September 526 – August 527 n. Chr. Die Datierung nach Indiktionen erfolgt nur sehr selten vor Buch XVI (IX 5; XIII 29 und 35; XIV 28, XIV 46, XIV 47, XV 5; XV 16), ab Buch XVIII erfolgt sie regelmäßig und dominierend (Jeffreys 1990b, 151). Malalas‘ Erzählduktus nimmt in den letzten Büchern eine eher annalistische Form an, d.h. seine Berichte folgen einem Jahresrhythmus und sind weniger thematischen Blöcken (wie z.B. einer Sortierung nach „Kriege gegen die Perser“) untergeordnet. Nach einer Vermutung von Jeffreys waren Indiktionsangaben bereits in den Stadtchroniken von Konstantinopel enthalten, die Malalas in der zweiten Edition seiner Chronik gebrauchte (Jeffreys 1990b, 166). Bei einer Indiktion handelt es sich um ein mit einer Ordnungszahl versehenes Jahr innerhalb eines sich wiederholenden Zyklus von 15 Jahren, der ursprünglich zu administrativen und steuerlichen Zwecken eingeführt wurde; der angegebene Zeitraum umfasst ein Jahr beginnend mit dem 1. September und endend mit dem 31. August. Die Datierung nach Indiktionen löste sich jedoch von dieser ursprünglichen Funktion und entwickelte sich zu einer Standarddatierungsvariante der ausgehenden Spätantike. Die Standardisierung der Datierung nach Indiktionsjahren erfolgte durch Kaiser Justinian im Jahr 537, vgl. dazu Nov. 47. Zur Debatte um den Ursprung der Indiktion und für generelle Informationen vgl. Ginzel 1914, 148ff.; Grumel 1958, 192ff.
4/6 ἐπὶ τῆς ὑπατείας Μαβορτίου ἐν Ῥώμῃ: Mavortius (PLRE II (Vettius Agorius Basilius Mavortius 2), 736f.) war ein römischer Aristokrat, dessen Abstammung auf Vettius Agorius Praetextatus (PLRE I (Vettius Agorius Praetextatus 1), 722–724) und die Familie der Decii zurückgeführt werden kann. Er war im Jahr 527 n. Chr. alleiniger Konsul (Bagnall/Cameron/Schwartz/Worp 1987, 588–589) und hegte literarische Interessen, was u. a. durch eine in mehreren Hss. überlieferte Subskription zu den Epoden von Horaz, die auch seinen vollständigen Namen bewahrt hat, bezeugt wird. Die einzige Parallelstelle in der Chronographia für die Ergänzung ἐπὶ τῆς ὑπατείας... ἐν Ῥώμῃ (XVII 16,4: Olybrius) ist ebenfalls eine Ergänzung von Thurn auf Grundlage der slaw. Überlieferung. In der Fall von Olybrius ist es unsicher, ob er tatsächlich in Rom gewählt wurde (Bagnall/Cameron/Schwartz/Worp 1987, 587), aber für Mavortius ist es bestätigt (ibid., 589). Die Ergänzung an dieser Stelle könnte durch das Chron. Pasch. indirekt gestützt werden, da in diesem Text Mavortius' Konsulat als ὑπατεία Μαβορτίου Ῥωμαίου (De Boor 616,17 u. 617,1) auftrit. In der slaw. Überlieferung kommt schon der Zusatz в Римѣ, in Rom, neben dem Namen des Mavortius in der Erzählung von Justinians Erhebung zum Kaiser (Istrin 1994, 356 Z. 10); aus irgendeinem Grund hat Thurn ihn an der entsprechenden Stelle nicht ergänzt (XVII 18,6), auch wenn er dort ca. drei Zeilen Text mit Datierungselementen aus der slaw. Fassung rückübersetzt hat (XVII 18, 2–6). (Olivier Gengler)
8/9 ὢν Θρᾷξ ἀπὸ Βεδεριάνας: Laut der Chronographia stammten Justinian und sein Onkel Justin aus dem gleichen Ort: XVII 1, 2. Bederiana ist durch Joh. Ant. fr. 308,48–49 Roberto = fr. 239, p. 450,1 Mariev (EI 142,21–22 de Boor) als einen befestigten Ort (φρούριον) in der Nähe von Naissus, dem heutigen Niš, beschrieben. Prokop lokalisiert Justinians Herkunftsort genauer in Tauresion, einem Ort in der Nähe von Bederiana: τοῦ φρουρίου ἄγχιστα, ὅπερ Βεδερίανα ἐπικαλεῖται, χωρίον Ταυρίσιον ὄνομα ἦν, ἔνθεν Ἰουστινιανὸς βασιλεὺς ὁ τῆς οἰκουμένης οἰκιστὴς ὥρμηται (Prok. Aed. IV 1,17). Prokop berichtet weiter, dass Justinian Tauresium befestigte und, in seiner Nähe (παρ’ αὐτὸ δὲ μάλιστα τὸ χωρίον), eine neue Stadt namens Jutsiniana Prima gründete (Prok. Aed. IV 1,19–27; vgl. Agathias V 21,2 [190,25–29]); er hatte auch Bederiana wieder aufgebaut (Prok. Aed. IV 1,28). In seiner Gesetzgebung stellt Justinian Iustiniana Prima als seinen Geburtsort dar: Nov. 11, Intr.: nostram patriam..., in qua prima deus praestitit nobis ad hunc mundum quem ipse condidit venire (94, 3–4 Schöll/Kroll); vgl. 131, 3 (655,17 Schöll/Kroll). Die Lokalisierung von Bederiana, Tauresium und Iustiniana Prima ist weiterhin unsicher. Ende des 19. Jahrhunderts schlug der britische Reisende und Archäologe Arthur Evans vor, Taor und Bader (im heutigen Nordmazedonien, etwa 15 km südöstlich von Skopje) mit Tauresion bzw. Bederiana zu identifizieren, sodass Iustiniana Prima mit Scupi (dem heutigen Skopje) gleichzusetzen wäre (Evans 1885, 134ff.; s. Ristov/Angelovski/Manaskova 2025 für eine ausführliche Diskussion der Hypothese und eine Übersicht über die jüngsten archäologischen Befunde). Demgegenüber wurde die bei Caričin Grad ab 1912 freigelegte spätantike Siedlung zunehmend als der wahrscheinlichere Kandidat für Iustiniana Prima angesehen, da sie in Lokalisierung, Ausdehnung und Datierung besser zu den literarischen Beschreibungen passt. S. die ausfürliche Dikussion in Turlej 2016, 26–46 und die Zusammenfassung der neueste archäologischen Untersuchungen in Ivanišević 2017; s. auch Ritter 2025. Es ist anzumerken, dass die Chronographia die Gründung von Iustiniana Prima nicht erwähnt. Dazu s. Turlej 2016, S. 218–224. (Olivier Gengler)
8/13 τὴν δὲ Ῥωμαϊκὴν γλῶσσαν ὁμιλῶν ἐσφάλλετο, ἀλλ’ ἔγραφεν αὐτὴν εὐχερῶς: Von Thurn 2000, 354 anhand der slaw. Malalas-Tradition ergänzt, wobei er den Textbestand mit haec vel similia beschreibt. Dies verdeutlicht die Unsicherheit, die mit der Rückübersetzung einhergeht, wenn kein griechischer Paralleltext die Wortwahl stützt. (Florian Battistella mit Olivier Gengler)
Parallelüberlieferung
Literatur
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