Malalas 17.2

Inhalt

Mal. XVII 2 schildert unmittelbar für den Beginn von Justins Regierungszeit die Ermordung dreier hochrangiger Funktionäre, des Amantios, des Andreas Lausiakos und des Theokritos. In einem Rückblick werden dabei die Ambitionen des bekanntesten dieser drei Männer, des cubicularius Amantios, geschildert, der Theokritos als Thronfolger zu installieren versucht hatte, was jedoch gescheitert war. Konkret begründet wird der Mord mit angeblichen Umsturzplänen der drei Männer.

Philologisch-Historischer Kommentar
Parallelüberlieferung
Literatur

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μόνον δὲ ἐβασίλευσεν, ἀνεῖλεν Ἀμάντιον τὸν πραιπόσιτον αὐτοῦ
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καὶ Ἀνδρέαν τὸν κουβικουλάριον αὐτοῦ τὸν Λαυσιακὸν καὶ Θεόκριτον
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τὸν κόμητα τὸν τοῦ αὐτοῦ Ἀμαντίου δομέστικον· ὅντινα ἐβουλεύετο
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ποιῆσαι βασιλέα ὁ αὐτὸς Ἀμάντιος, δοὺς τῷ αὐτῷ Ἰουστίνῳ χρήματα
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ῥογεῦσαι, ἵνα γένηται Θεόκριτος βασιλεύς, | καὶ ἐρρόγευσεν. ὁ στρατὸς
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οὖν καὶ ὁ δῆμος λαβὼν οὐχ εἵλατο Θεόκριτον ποιῆσαι βασιλέα, ἀλλὰ
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θελήσει θεοῦ ἐποίησαν Ἰουστῖνον βασιλέα. μετὰ δὲ τὸ βασιλεῦσαι αὐτὸν
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ὡς τυράννους καὶ βουληθέντας ἐπιβουλεῦσαι τῇ αὐτοῦ βασιλείᾳ ἐφόνευ-
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σεν αὐτοὺς ἔσω ἐν τῷ παλατίῳ.
Philologisch-Historischer Kommentar
1/6 Ἀμάντιον τὸν πραιπόσιτον αὐτοῦ: Amantios (PLRE II (Amantius 4), 67f. = Begass 2018 Nr. 12, 70f.) war cubicularius V 3, 12 und praepositus sacri palati XIII 31, 3 unter Anastasios. Gegen Ende von Anastasius' Regierungszeit kündigt bei Mal. XVI 20 ein Traum Amantios' baldigen Tod an (XVI 20, 1). Seine Hinrichtung erfolgt innerhalb von zehn Tagen nach Justins Thronbesteigung, wenn man Prokop (HA VI 26) glaubt, der die Verantwortung dafür dem Neffen des Kaisers, Justinian, zuweist. (Olivier Gengler mit Brendan Osswald)
1ff./1 Ἢ μόνον δὲ ἐβασίλευσεν ... ἐν τῷ παλατίῳ: Der Abschnitt legt eine chronologische Ringkomposition vor und lässt sich in verschiedene Momente (M-3 bis M 0) unterteilen. In Bezug auf die Datierung Ἢ μόνον δὲ ἐβασίλευσεν, die als Referenz (Moment 0) dient, besteht der Haupteil des Abschnittes aus einer Rückblende auf die kurz davor erfolgten Ereignisse, die zum Teil den Inhalt von XVII 1 wiederholt und vertieft (XVII 2, 5):

M 0Ἢ μόνον δὲ ἐβασίλευσεν ἀνεῖλεν Ἀμάντιον τὸν πραιπόσιτον αὐτοῦ καὶ Ἀνδρέαν τὸν κουβικουλάριον αὐτοῦ τὸν Λαυσιακὸν καὶ Θεόκριτον τὸν κόμητα τὸν τοῦ αὐτοῦ Ἀμαντίου δομέστικον·
M-3-ὅντινα ἐβουλεύετο ποιῆσαι βασιλέα ὁ αὐτὸς Ἀμάντιος, δοὺς τῷ αὐτῷ Ἰουστίνῳ χρήματα ῥογεῦσαι
M-n*-ἵνα γένηται Θεόκριτος βασιλεύς
M-2-καὶ ἐρρόγευσεν
M-1-ὁ στρατὸς οὖν καὶ ὁ δῆμος λαβὼν οὐχ εἵλατο Θεόκριτον ποιῆσαι βασιλέα, ἀλλὰ θελήσει θεοῦ ἐποίησαν Ἰουστῖνον βασιλέα.
M 0μετὰ δὲ τὸ βασιλεῦσαι αὐτὸνὡς τυράννους καὶ βουληθέντας ἐπιβουλεῦσαι τῇ αὐτοῦ βασιλείᾳ ἐφόνευ σεν αὐτοὺς ἔσω ἐν τῷ παλατίῳ.

*Hier ist eine vom Zeitpunkt M-3 aus gesehene Zeitstufe gemeint, die sich auf den Zeitpunkt M-2, M-1, M 0 oder eine darüber hinausgehende Zukunft bezieht.

Zur Wendung ἢ μόνον δὲ ἐβασίλευσεν: IV 5, 7. (Olivier Gengler)
1ff./5 ἀνεῖλεν Ἀμάντιον ... δομέστικον: Neben den drei hier genannten Namen werden in anderen Quellen im Zusammenhang mit dem Vorfall noch ein Misael und ein Ardaburius genannt, die infolge des Vorfalls nach Serdica verbannt worden seien (Marc. Com. ad ann. 519; EI). In den anti-chalkedonisch gefärbten Quellen begegnen Amantios und die anderen angeblichen Verschwörer als Märtyrer im Kampf gegen das berühmte Konzil (vgl. Ps. Dion. 18–19 Witakowski; Mich. Syr. IX 16). Bei Prokop (HA VI 26) ist davon die Rede, Amantios sei getötet worden, weil er den Patriarchen beleidigt habe. In den ACO (III 75,33–34) liest man überdies, dass Amantios am 16. Juli (d.h. kurz vor seiner Ermordung) von der überwiegend pro-chalkedonischen Bevölkerung Konstantinopels als Manichäer beschimpft worden sei. Greatrex (102–105) vermutet daher, dass der eigentliche Grund für Amantios' Beseitigung in dessen Opposition gegen die religionspolitische Wende Justins (hin zu einer klar chalkedonischen Linie) lag und die Verschwörung nur vorgeschoben wurde. Zu dieser angeblichen Verschwörung des Amantios und den Folgen: Vasiliev 1950, 102–108; Greatrex 2007, 99–105; Croke 2007, 26; Menze 2008, 22–24; zu Amantios' Gegnerschaft gegen Chalkedon vgl. ACO III 74,33–34 und Vasiliev 1950, 141. (Jonas Borsch)
2/2 Ἀνδρέαν τὸν κουβικουλάριον αὐτοῦ τὸν Λαυσιακὸν: Andreas Lausiakos (PLRE II (Andreas qui et Lausiacus 10), 88) wird auch in der weiteren Überlieferung regelmäßig unter den von Justin beseitigten angeblichen Verschwörern genannt. Darüber hinaus ist über ihn wenig bekannt; seine Identifizierung als Miaphysit ergibt sich einerseits aus den anlässlich seiner Ermordung vorgebrachten Anschuldigungen (Bez. als "Manichäer", vgl. Marc. Com. ad ann. 519, dazu PLRE II [s.o.; anders Croke 1995, 122, der es für möglich hält, dass dieser Vorwurf auf Tatsachen beruht), andererseits aus der Behandlung der Hingerichteten als anti-chalkedonische Märtyrer in den einschlägigen Schriften (XVII 2, 1ff.). Martindale hat versucht, ihn mit einem als "Haus des Andreas" bezeichneten Gebäude in Konstantinopel in Verbindung zu bringen, das in Buch XVIII erwähnt wird: PLRE II (s.o.), XVIII 135, 11.

Zum Titel κουβικουλάριος: V 3, 12. (Jonas Borsch mit Brendan Osswald)
5/1 ῥογεῦσαι: Das Verb ist nach lat. erogo gebaut und hat die Bedeutung ‚ausgeben, verteilen‘ (LGB s.v. ῥογεύω). (Olivier Gengler)
5/8 ὁ στρατὸς οὖν ... ἐποίησαν Ἰουστῖνον βασιλέα: Der Satz wiederholt mit leichten kontextbedingten Änderungen den Inhalt von XVII 1,4--6: *ὅντινα* [=Justin *ὁ στρατὸς* μετὰ τῶν φυλαττόντων τὸ παλάτιν *κελεύσει θεοῦ* ἐξκουβιτόρων *ἅμα τῷ δήμῳ* στέψαντες *ἐποίησαν βασιλέα*. Das Adverb οὖν kennzeichnet diese Wiederholung hier. (Olivier Gengler)
7/6 μετὰ δὲ τὸ βασιλεῦσαι αὐτὸν ... ἔσω ἐν τῷ παλατίῳ: Der Satz wurde mithilfe des Chronicon Paschale ergänzt, da O einen knapperen Text enthält: μετὰ δὲ τὸ βασιλεῦσαι αὐτὸν βουληθέντας ἐπιβουλεῦσαι τῇ αὐτοῦ βασιλείᾳ ἐφόνευσεν ἔσω ἐν τῷ παλατίῳ. (Olivier Gengler)
Parallelüberlieferung
Literatur
Begass (2018): Begass, Christoph: Die Senatsaristokratie des oströmischen Reiches, ca. 457-518. Prosopographische und sozialgeschichtliche Untersuchungen, München, 2018.
Croke (1995): Croke, Brian: The Chronicle of Marcellinus, Sydney, 1995.
Croke (2007): Croke, Brian: Justinian under Justin: reconfiguring a reign, Byzantinische Zeitschrift, 2007, 13–56.
Festugière (1978): Festugière, André-Jean: Notabilia dans Malalas. I, Revue de Philologie, 1978, 221–241.
Greatrex (2007): Greatrex, Geoffrey B.: The early years of Justin I in the sources, Electrum, 2007, 99–113.
James (1990): James, Alan: The language of Malalas, 1: General survey, Jeffreys, Elisabeth/Croke, Brian/Scott, Roger, Studies in John Malalas, 6, Sydney 1990, 217–224.
Menze (2008): Menze, V.: Justinian and the making of the Syrian Orthodox Church, Oxford, 2008.
Vasiliev (1950): Vasiliev, Alexander A.: Justin the First. An Introduction to the Epoch of Justinian the Great (Dumbarton Oaks Studies l), Cambridge, MA, 1950.
Weierholt (1963): Weierholt, Kristen: Studien im Sprachgebrauch des Malalas, Oslo, 1963.
Wolf (1912): Wolf, Karl: Studien zur Sprache des Malalas, Tl. 2: Syntax, Diss. München, 1912.