Malalas 18.144

Inhalt

Kap. XVIII 144 berichtet über den Tod eines Wagenlenkers namens Julianikos im Hippodrom im Zuge eines Wettkampfes.

Philologisch-Historischer Kommentar
Parallelüberlieferung
Literatur

1
Μηνὶ ἰανουαρίῳ ἰνδικτιῶνος ιαʹ ἱπποδρομίου ἀγομένου συρεὶς
2
Ἰουλιανικὸς ὁ ἡνίοχος ἐν τῷ ἱπποδρομίῳ τελευτᾷ.
Philologisch-Historischer Kommentar
1/1 Μηνὶ ἰανουαρίῳ ἰνδικτιῶνος ιαʹ: Die 11. Indiktion wird im durch O überlieferten Text bereits zum dritten Mal wiederholt: In XVIII 138 und 141 war diese Indiktion ebenfalls bereits explizit erwähnt worden. Sie verweist dort auf den Herbst (Oktober bzw. November) 562; der hiesige Januar-Verweis bezieht sich auf den Beginn des Jahres 563. (Jonas Borsch)
1f./5 ἱπποδρομίου ἀγομένου συρεὶς Ἰουλιανικὸς ὁ ἡνίοχος ἐν τῷ ἱπποδρομίῳ τελευτᾷ: Zur gesellschaftspolitischen Bedeutung der Wagenrennen s. XVIII 1, 8.

Dass der Tod eines Wagenlenkers in der Chonographia Erwähnung findet, entspricht allgemein der besonderen Aufmerksamkeit des Autors für das Geschehen im Hippodrom (insbes. Parteienunruhen), verweist aber auch auf die allgemeine Bedeutung der Wagenlenker in der spätantiken Gesellschaft: Die Namen von Wagenlenkern tauchen sowohl in der epigraphischen Überlieferung (z.B. Ehrenepigramme, s. etwa zum Epigramm auf den berühmten Wagenlenker Porphyrios Cameron 1973) als auch als Beischriften von bildlichen Darstellungen verschiedenster Art außerordentlich häufig auf. Die Verehrung dieser Rennfahrer durch die Parteianhänger ist mit dem Starkult um moderne Spitzensportler verglichen worden: Puk 2014, 214–220; vgl. zur politischen Dimension ihrer körperlichen Unversehrtheit XVIII 35, 15f.. Der Tod eines Wagenlenkers im Hippodrom konnte vor diesem Hintergrund ein gesellschaftlich stark rezipiertes Ereignis darstellen (auch wenn der Name des hier erwähnten Rennfahrers, Julianikos, außerhalb dieser Malalas-Stelle nicht literarisch überliefert ist).

Über Art und Anlass des Wagenrennens lässt sich Malalas nicht aus; denkbar wäre allerdings, dass es sich um den von Malalas im Zusammenhang mit dem Nika-Aufstand erwähnten Wettbewerb handelt, der im Jahr 532 an den Iden des Januar (13.) stattfand und offenbar eine feste Institution war: Malal. XVIII 71, Z. 40–43; in diesem Sinne offenbar das Verständnis bei Cameron 1973, 247 ("the big race-meeting"). (Jonas Borsch)
1f./5 ἱπποδρομίου ... ἐν τῷ ἱπποδρομίῳ: Das Wort ἱπποδρόμιον bezeichnet in der Chronographia die Feier, wo Wagenrennen veranstaltet wurden (z.B. VII 4,4; 6,15; etc.), aber auch, metonymisch, der Platz, wo die Rennen stattfinden (z.B. XVI 19,20; s. dazu [LBG s.v. ἱπποδρομεῖον); vgl. XVIII 108: ἐν τῷ Ἱπποδρομίῳ μὴ ἀγομένου τοῦ ἱππικοῦ, "im Hippodrom, ohne dass ein Pferdrennen abgehalten worden wäre" (Thurn/Meier 2009, 509). Der Genitivus absolutus in der hiesigen Stelle ist rein temporal: s. Weierholt 1963, 72–73 und XVIII 108, 1f.. (Olivier Gengler)
1f./7 συρεὶς ... τελευτᾷ: Die Gefahr, sich zu verletzen bzw. zu sterben, wohnt dem Wagenlenken inne und erklärt teilweise die Faszination des Publikums für Wagenrennen bzw. das Ansehen der Wagenlenker. S. dazu Cameron 1973, bes. 247 und Lee-Stecum 2006 (die nicht nur die Gefahr des Rennens thematisiert, sondern auch den zweideutigen Ruf der Wagenlenker, die oft mit Magie und Fluchen assoziiert sind). Das allererste literarisch belegte Wagenrennen im 23. Gesang der Ilias enthält auch den ersten literarisch belegten Wagenrennunfall: Hom. Il. 23, 394--397. Unfälle sind ebenso regelmäßig abgebildet in Rennedarstellungen: s. z.B. die Zirkusmosaik aus Gafsa (Tunesien, 6. Jh.) bei Puk 2014, Taf. 35 Abb. 42 a). (Olivier Gengler)
Parallelüberlieferung
keine
Literatur
Cameron (1973): Cameron, Alan: Porphyrius the charioteer, Oxford, 1973.
Jones (1964): Jones, A.H.M.: The Later Roman Empire 284-602, Oxford, 1964.
Lee-Stecum (2006): Lee-Stecum, Parshia: Dangerous Reputations: Charioteers and Magic in Fourth-Century Rome, G&R, 2006, 224-234.
Puk (2014): Puk, Alexander: Das römische Spielewesen in der Spätantike, Berlin, 2014.
Thurn/Meier (2009): Thurn, Johannes/Meier, Mischa: Johannes Malalas Weltchronik. Übersetzt von Johannes Thurn und Mischa Meier (bearb.). Mit einer Einleitung und Erläuterungen, Stuttgart, 2009.
Weierholt (1963): Weierholt, Kristen: Studien im Sprachgebrauch des Malalas, Oslo, 1963.