Malalas 16.18

Inhalt

Rhodos wird zum dritten Mal von einem Erdbeben heimgesucht, woraufhin der Kaiser Unterstützung gewährt. (Florian Battistella)

Philologisch-Historischer Kommentar
Parallelüberlieferung
Literatur

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Ἐπὶ δὲ τῆς αὐτοῦ βασιλείας ἔπαθεν ὑπὸ θεομηνίας ἡ Ῥόδος νῆσος
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τὸ τρίτον αὐτῆς πάθος νυκτός· καὶ πολλὰ αὐτοῖς τοῖς περιλειφθεῖσιν ἐχα-
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ρίσατο καὶ τῇ πόλει λόγῳ κτισμάτων.
Philologisch-Historischer Kommentar
1/1 Ἐπὶ δὲ τῆς αὐτοῦ βασιλείας: Diese unpräzise Datierung wird in der Forschung unterschiedlich präzisiert, indem das Beben im Jahre 515 oder 516 angesetzt wird. Grundlage hierfür sind die Einordnung des Ereignisses nach dem Aufstand des Vitalian sowohl bei Malalas als auch bei Evagr. HE III,43 (s. Meier 2004a, S. 657 mit Anm. 15). Evagr. HE III,43-44 entspricht jedoch hinsichtlich des Inhalts sowie dessen Anordnung Mal. XVI,16-19, sodass bei beiden Quellen über den Staurotheis-Aufstand von 512 (Mal. XVI,19; Evagr. HE III,44) erst nach der eigentlich chronologisch späteren Rebellion Vitalians (dazu XVI 16, 1) berichtet wird. Die Ereignisfolge darf also hier kein Argument für die Datierung des Bebens sein. Die Aussage von Evagrius, dass das Beben sich ἀνὰ τοὺς αὐτοὺς χρόνους ereignet habe (HE III,43), kann ebenfalls nicht für die Datierung ins Feld geführt, denn ἀνὰ verwendet er auch, um den Staurotheis-Aufstand einzuleiten (HE III,44). Es kann sich demnach bei Evagrius höchstens um eine relative Datierung handeln in dem Sinne, dass Vitalians Rebellion, der Einfall der sabirischen Hunnen (dazu Mal. XVI,17), das Beben in Rhodos und der Staurotheis-Aufstand sich in etwa zur gleichen Zeit ereigneten. Wie weit sich diese Zeitspanne ausdehnen lässt, ist noch zu klären. Tatsache ist jedenfalls, dass Ps.-Dionys. 815 (S. 6 Witakowski) das Beben auf 503/504 datiert. (Florian Battistella)
1/6 ἔπαθεν ὑπὸ θεομηνίας τὸ τρίτον αὐτῆς πάθος: Die wiederkehrende Formel ἔπαθεν ὑπὸ θεομηνίας wird bis XVIII 40 zur Angabe von Erdbeben verwendet (vgl. VII 18, 3). Auch Evagr. HE III,43 und Ps.-Dionys. 815 (S. 6 Witakowski) sprechen vom dritten Beben. Die beiden vorherigen Erdbeben werden erwähnt bei VII 18, 3 und XI 9, 2. Zur figura etymologica ἔπαθεν ... τὸ ... πάθος und der Zählung von Katastrophen: VIII 24, 3f.. (Florian Battistella mit Brendan Osswald)
2/7 πολλὰ αὐτοῖς τοῖς περιλειφθεῖσιν ἐχαρίσατο καὶ τῇ πόλει λόγῳ κτισμάτων Malalas berichtet immer wieder über kaiserliche Finanzhilfen zum Wiederaufbau nach Erdbeben (XV 4, 3). Im vorliegenden Fall bezeugen auch Ps.-Dionys. 815 (S. 6 Witakowski) und Mich. Syr. IX,8 (S. 160 Chabot) die kaiserlichen Hilfen, nicht aber Evagr. HE III,43 trotz seiner Nähe zu Malalas (s.o.). (Florian Battistella)
Parallelüberlieferung
S. Thurn 2000, 333. Parallelüberlieferung: Euagr. 3,43 (145,32-14§,2); Chron. Zuqnin s.a. 815; Mich. Syr. IX,8 (160 Chabot). In der slawischen Fassung, wie sie von Istrin 1994 und Tvorogov 1999 ediert worden ist, fehlt eine Übersetzung dieses Kapitels. Dasselbe gilt mit Blick auf die (ohnehin im Vergleich mit der sonstigen Malalas-Tradition extrem gekürzte) Darstellung der Regierung des Anastasios in Sophia-Chronik (Tvorogov 1983, 215f.). Wenn Thurn 2000, 333 dennoch auf eine slawische Fassung hinweist, handelt es sich vermutlich um einen Fehler (Jeffreys/Jeffreys/Scott 1986, 227 erwähnen keine slawische Fassung dieses Abschnitts). (Kamil Choda, Brendan Osswald)
Literatur
Meier (2004a): Meier, Mischa: Das andere Zeitalter Justinians. Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung im 6. Jahrhundert n. Chr., Göttingen, 2004.
Thurn (2000): Thurn, Johannes: Ioannis Malalae Chronographia, Berolini et Novi Eboraci, 2000.