Malalas 16.3

Inhalt

XVI 3 enthält einerseits eine sehr geraffte Schilderung der Auseinandersetzungen zwischen Anastasius und den Isauriern, andererseits eine erste Bemerkung zu den Fiskalreformen, die Anastasius in die Wege leitete. Weitere Maßnahmen werden bei XVI 7; XVI 12 erwähnt. Einige weitere Veränderungen, etwa dass die Zahlung der Ἰσαυρικά eingestellt wurde (dazu [M:K002358]), werden in der Chronographia nicht explizit erwähnt.

Philologisch-Historischer Kommentar
Parallelüberlieferung
Literatur

1
Ὁ δὲ αὐτὸς βασιλεὺς ἀκούσας, ὅτι συνάγονται οἱ Ἴσαυροι εἰς τὴν
2
ἰδίαν αὐτῶν χώραν τυραννῆσαι βουλόμενοι, εὐθέως ἐπεστράτευσε κατ’
3
αὐτῶν· καὶ ἐπολέμησεν αὐτοῖς πέμψας στρατηγοὺς Ἰωάννην τὸν ἐπίκλην
4
κυρτόν, στρατηλάτην πραισέντου, καὶ Διογενιανὸν τὸν πατρίκιον, τὸν
5
συγγενέα τῆς Αὐγούστας, καὶ ἄλλους μετὰ πλήθους Σκυθῶν καὶ Γοτθικῆς
6
καὶ Βεσσικῆς χειρός. καὶ ἀνήλωσε τοὺς αὐτοὺς Ἰσαύρους καὶ ἀπώλεσε
7
τὴν χώραν αὐτῶν καὶ τὰς πόλεις αὐτῶν κατέστρεψεν καὶ πυρίκαυστα
8
ἐποίησε τὰ καστέλλια αὐτῶν, λαβὼν αἰχμαλώτους τοὺς ἐξάρχους αὐτῶν
9
εἰς τὴν αὐτῶν τυραννίδα Λογγῖνον τὸν ἀπὸ μαγίστρων τὸν φαλακρὸν
10
καὶ Ἀθηνόδωρον τὸν νεώτερον καὶ Λογγινίνην τὸν χωλὸν καὶ Κόνωνα
11
τὸν Φουσκιανοῦ τὸν ἀπὸ ἐπισκόπων Ἀπαμείας· ὁ δὲ Λογγινίνης πρῶτος
12
ἀπώλετο ἐν τῇ συμβολῇ τοῦ πολέμου, ὅτε ὑπήν|τησαν ἀλλήλοις τὰ ἐξέρ-
13
κετα εἰς τὸ Κοτυάειον, πόλιν τῆς Φρυγίας, ἐκεῖ ἐσφάγη· καὶ μετ’ αὐτὸν
14
Κόνων ὁ Φουσκιανοῦ λόγχῃ βληθεὶς ἔπεσεν. καὶ τραπέντες οἱ Ἴσαυροι
15
εἰς φυγὴν συνελήφθησαν τότε καὶ οἱ λοιποὶ ἔξαρχοι ζῶντες· καὶ ἀπεκεφα-
16
λίσθησαν καὶ ἀνηνέχθησαν αἱ κεφαλαὶ αὐτῶν τῷ αὐτῷ Ἀναστασίῳ βα-
17
σιλεῖ. καὶ μετὰ τὴν αὐτὴν νίκην ἔδωκε δωρεὰς τοῖς ὑποτελέσι πᾶσι τοῖς
18
ὑπὸ τὴν αὐτοῦ βασιλείαν.
19
δὲ Θειότατος βασιλεὺς Ἀναστάσιος ἐποίησε χρυσοτέλειαν τῶν
20
ἰούγων τοῖς συντελεσταῖς πᾶσιν διὰ τὸ μὴ ἀπαιτεῖσθαι τὰ εἴδη καὶ †δια-
21
τρέφεσθαι ὑπὸ τῶν στρατιωτῶν.†
Philologisch-Historischer Kommentar
1/7 συνάγονται οἱ Ἴσαυροι ... τυραννῆσαι βουλόμενοι: Der genaue Weg hin zur Rebellion ist, so Meier 2012, 296f., nicht mehr rekonstruierbar, weil die Quellen widersprüchliche Auskünfte geben. Den Hintergrund bildete in jedem Fall die prekäre Stellung Anastasius' zu Beginn seiner Herrschaft, die unter anderem aus der einflussreichen Stellung von einigen Persönlichkeiten mit isaurischen Wurzeln resultierte, etwa von Zenons Bruder Longinus (XV 12, 10). Nach Meier 2009, 78f. war Ethnizität allerdings wohl ursprünglich keine entscheidende Kategorie innerhalb der Eliten, sondern wurde von Anastasius gezielt betont, um bestehende Antipathien zu bündeln und zur Herrschaftsicherung zu nutzen (s. auch Meier 2014b, passim sowie (zum Teil mit abweichenden Folgerungen) Lenski 1999, 449f. Anm. 183; 453--455).

Indem Malalas' Schilderung die Ursprünge der Erhebung im Dunkeln lässt und den Kaiser von einer Erhebung der Isaurier hören lässt (βασιλεὺς ἀκούσας), zeigt sie eine gewisse Nähe zur kaiserlichen Position, denn bis zu einem gewissen Grad exkulpiert sie durch die Art und Weise der Darstellung Anastasius und übernimmt die ethnische Darstellung des Konfliktes.

Zum Verlauf der Auseinandersetzungen s. Stein 1949, 82--84; Antoniadis-Bibicou 1963, 244f.; Capizzi 1969, 96--100; Lee 2001, 53; Feld 2005, 332--335; Haarer 2006, 22--28; Meier 2009, 78--84. Zu Isaurien: II 8, 35. (Florian Battistella mit Brendan Osswald)
1/10 εἰς τὴν ἰδίαν αὐτῶν χώραν: Gemeint ist Isaurien II 8, 35. (Florian Battistella)
3/6 στρατηγοὺς: Die Excerpta de insidiis (167,24--168,10 de Boor), die eine ausführlichere Erzählung des Isaurischen Krieges wiedergeben, haben an dieser Stelle στρατηλάτας γʹ, "drei magistri militum". Die spezifischere Lesart στρατηλάτας ist a priori nicht unbedingt besser als στρατηγούς und eine Verwechslung in die eine oder die andere Richtung vorstellbar. So haben z.B. in XIII 38,3 der Baroccianus στρατηλάτου und die Excerpta στρατηγοῦ. Das Wort στρατηλάτης (73 Okkur. gegen 28 für στρατηγός in der Chronographia) kommt ausschließlich in den Büchern XIII--XVIII vor, d.h. chronologisch nach der Regierungszeit Konstantins, der die magistri militum kreiert hatte (XIII 21, 20). Üblicherweise bezeichnet also στρατηγός einen Anführer in der vorkonstantinischen Zeit (10 Okk. in den Büchern I--XII) bzw. einen nicht-römischen Anführer (z.B. XVIII 21,1: δύο στρατηγοὶ Οὕννων vs. 21,2--3: ὄντος ἐκεῖ στρατηλάτου Ῥωμαίων Βαδουαρίου καὶ Ἰουστίνου). Aber das Wort bezeichnet auch römische Anführer, wenn es nicht oder nicht ausschließlich um magistri militum geht (s. XVIII 80, 25, wo die στρατηγοί mit dem magister officiorum, dem magister militum per Orientis und verschiedenen duces zu identifizieren sind), während στρατηλάτης auch metaphorisch für nicht-römische Anführer vorkommt (vgl. XVIII 59,5: στρατηλάτης Περσῶν Ἐξαράθ).

In anderen Quellen wie z.B. zeitgenössischen Papyri oder die Novellen sind regelmäßig die magister militum στρατηγός genannt (S. z.B. Nov. 22,14 [154,33 und Epilog [187, 1--7 [536). (Olivier Gengler)
3/7 Ἰωάννην τὸν ἐπίκλην κυρτόν: „Johannes der Bucklige“: PLRE II (Fl. Ioannes qui et Gibbus), 617f. = Begass 2018 Nr. 117, 163. (Florian Battistella mit Olivier Gengler)
4/2 στρατηλάτην πραισέντου: Griechische Bezeichnung des magister militum praesentalis (XVII 5, 3). (Florian Battistella)
5/2 τῆς Αὐγούστας: Ariadne, die Ehefrau erst von Zenon und dann von Anastasius: PLRE II (Aelia Ariadne), 140f.; XIV 46, 3. (Florian Battistella)
5/8 Σκυθῶν: Über die Skythen II 3, 9.

Über die Präsenz der Skythen in der römische Armee XV 14, 2. (Brendan Osswald)
9/5 Λογγῖνον τὸν ἀπὸ μαγίστρων τὸν φαλακρὸν: PLRE II (Longinus of Cardala 3), 688 = Begass 2018 Nr. 140, 183. Nach Hild/Hellenkemper 1990, 41 handelt es sich bei ihm um die zentrale Gestalt unter den von Mal. XVI 3 genannten Rebellen. Bei Mal. XVI 3 lässt sich diese Hierarchie aber nicht erkennen und bei Ioh. Ant. fr. 308 Z.40-45 Roberto = fr. 239 Z. 22-27 Mariev werden Lilinges und Athenodor als Führungspersönlichkeiten identifiziert, mit denen neben Longinus von Kardala vor allem Konon und ein weiterer Athenodor eng verbunden werden (zu den beiden Letztgenannten: XVI 3, 10; XVI 3, 10). (Florian Battistella)
10/2 Ἀθηνόδωρον τὸν νεώτερον: Bei Joh. Ant. fr. 308 Z. 40-45 Roberto=fr. 239 Z. 22-27 Mariev werden zwei Personen mit dem Namen Athenodor genannt, von denen der eine zusammen mit Lilinges als Anführer genannt wird. Der andere sowie Konon und Longinus werden als συνόντες charakterisiert. Erster entspricht PLRE II (Athenodorus 2), 178f. = Begass 2018 Nr. 42, 94, der zweite PLRE II (Athenodorus 3), 179.

Der bei Mal. XVI 3 genannte Athenodor wird sowohl von PLRE ΙΙ als auch von Begass mit ersterem identifiziert. Dies scheint grundsätzlich korrekt, doch gilt es mit Blick auf diesen Athenodor die textuelle Verwandtschaft von Joh. Ant. und Mal. zu bedenken. PLRE II (Athenodorus 3), 179 wird vor allem dadurch vom anderen Athenodor unterschieden, dass seinem Namen das Attribut ἕτερος beigesellt ist. Die Wörter νεώτερος (Mal.) und ἕτερος (Joh. Ant.) liegen jedoch paläographisch nicht allzu weit auseinander. Außerdem wird der adjektivisch näher beschriebene Athenodor sowohl bei Mal. als auch bei Joh. Ant. unmittelbar nach Longinus genannt wird. Man kann daher nicht völlig ausschließen, dass eigentlich der zweite von Joh. Ant. genannte Athenodor mit PLRE II (Athenodorus 2), 178f. zu identifizieren ist.

Der erste von Joh. Ant. erwähnte Athenodor könnte unter diesen Umständen, wenn, wie Begass 2018, 94 meint, die Bezeichnung Athenodors als νεώτερος tatsächlich einen Vater desselben Namens nahelegt, der Vater des anderen Athenodor sein. Allerdings gemahnen Bagnall/Cameron/Schwartz/Worp 1987, 40-42 zur Vorsicht bei prosopographischen Folgerungen auf Basis des Zusatzes iunior. (Florian Battistella)
10/6 Λογγινίνην τὸν χωλὸν: Gemeint ist Lilingis (PLRE II (Lilingis), 683f. = Begass 2018 Nr. 137, 179f.), der Halbbruder des Illus (XV 12, 1), auch wenn die Schreibung seines Namens in den verschiedenen Überlieferungssträngen variiert (zu den Schreibweisen s. Thurn 2000, 320; PLRE II (Lilingis), 683). (Florian Battistella)
10/10 Κόνωνα τὸν Φουσκινοῦ τὸν ἀπὸ ἐπισκόπων Ἀπαμείας: PLRE II (Conon 4), 306f. = Begass 2018 Nr. 57, 106f.; Fuscianus ist nur in seiner Eigenschaft als Vater Konons bekannt (vgl. PLRE II (Fuscianus), 489).

Feld 2005, 209 hält Konon für einen für Isaurier besonders typischen griechischen Namen und führt dies auf den Kult des Heiligen Konon (dazu: XV 14, 10) zurück. Allerdings gab schon Elton 2000a, 395 zu bedenken, dass der Name nicht nur von
Isauriern getragen wurde, sondern z.B. auch von Kappadokern. Außerdem könne es sich, so Elton 2000b, 294, bei Konon um die standardisierte Transkription eines lokalen Namens handeln. (Florian Battistella mit Brendan Osswald)
12/10 τὰ ἐξέρκετα: Bei ἐξέρκετον handelt es sich um eine Übertragung des lateinischen Wortes exercitus ins Griechische (vgl. bspw. Festugière 1978, 236). Im erhaltenen Text der Chronographia kommt das Wort dreimal vor, und zwar stets im Plural: an der vorliegenden Stelle (Mal. XVI 3) sowie bei Mal. XVI 9,21 und XVIII 34, 6. Thurn 2000, 421; 430 rekonstruiert bei Mal. XVIII 129 und 145 zwei weitere Belegstellen, durch Ergänzung aus Theophanes. Die beiden entsprechenden Stellen, Theoph. AM 6051 (233,25 De Boor) und AM 6055 (239,5 De Boor), sind jedoch die einzigen beiden Belege für das Wort ἐξέρκετον bei Theophanes. Außerdem liegt dort beide Male statt des sonst in der Chronographia bezeugten Plurals der Singular vor. Ähnliches gilt für das Chronicon Paschale. Auch dort fehlen die Stellen der Chronographia und an zwei anderen Stellen (CP 566,15 und 592,18 Dindorf) wird der Singular verwendet. Allgemein betrachtet, überwiegt klar der Singular: Von den rund 40 Belegstellen des Wortes zeigen nur 7 den Plural. Von diesen entfallen drei auf die Chronographia (Mal. XVI 3; XVI 9; XVIII 34), eine weitere auf eine Parallelstelle zu Mal. XVI 3 in den Excerpta de insidiis (168,1 De Boor). Die drei weiteren Belege für den Plural sind: Parastaseis 56 (I,56 Preger); Const. Porph. Caer. 419,19--20 Reiske; 421,12 Reiske. Die konsequente Verwendung des Plurals im sicher überlieferten Text der Chronographia kann somit letztlich als auffällig gelten. (Florian Battistella)
13/4 Κοτυάειον: Im Jahre 492 Ort der entscheidenden Schlacht in den Auseinandersetzungen zwischen Anastasius und den isaurischen Rebellen, in Pisidien gelegen, heute Kütahya (vgl. Feld 2005, 333).

Die archäologischen Befunde zur spätantiken und byzantinischen Befestigung des Ortes wurden von Foss 1985, S. 12--85 vorgelegt. Seine Interpretation wird jedoch von Edwards 1987 heftig kritisiert. Zentral scheint die Frage, ob der Ort schon in der Spätantike befestigt war. Foss 1985, S. 59--61 führt aus, dass sechs spätantike und zwei noch ältere Spolien sowie eine Inschrift im Stil der Severerzeit (CIG 3827t) in der ersten von ihm ermittelten Fortifikationsphase zu finden sind. Deswegen sowie aufgrund eines Vergleichs mit anderen Fortifikationen in Kleinasien möchte Foss 1985, 80--83 die erste erhaltene Befestigung des Ortes ins 9. Jahrhundert datieren. Die Hinweise von Edwards 1987, 679 auf Vergleichsfälle des 6. beziehungsweise 9. Jahrhunderts für die beiden ersten Fortifikationsphasen sprechen aber gegen Foss' Datierung. Sogar Foss 1985, 80f. kann spätantike Vergleichfälle für den Fortifikationsstil der ersten Phase außerhalb Kleinasiens nennen. Belke/Mersich 1990, 315 zeigen sich dennoch von einer Datierung in die Spätantike nicht restlos überzeugt.

Glaubt man Theoph. AM 6054 (236,16--20 De Boor), dann verlegte Justinian im Februar 562 die scholae aus Kotyaion und anderen Standorten nach Thrakien (so auch Belke/Mersich 1990, 312f.; Hoffmann 1969a, 280; 298); Guilland 1950, 10 weist die Maßnahme irrigerweise Justinian II. zu). Dies würde für eine militärische Nutzung und Befestigung des Ortes zu diesem Zeitpunkt sprechen, auch wenn eine Einquartierung bei der Bevölkerung, wie Foss 1985, 82 sie annimmt, nicht völlig ausgeschlossen werden kann. Da einige Spolien der ersten Fortifikationsphase wohl dem 5. bis 6. nachchristlichen Jahrhundert zuzuordnen sind (vgl. Foss 1985, 59), ist eine erste Befestigung im 6. Jahrhundert nicht auszuschließen. Dass man entsprechende Baumaßnahmen jedoch auch vor den Isaurieraufstand datieren kann, scheint fraglich, zumal Jord. Rom. 355 in seiner Schilderung die Wendung castra metari verwendet. (Florian Battistella)
15/11 ἀπεκεφαλίσθησαν καὶ ἀνηνέχθησαν αἱ κεφαλαὶ αὐτῶν τῷ αὐτῷ Ἀναστασίῳ βασιλεῖ: Die Köpfe von Usurpatoren und Rebellen wurden häufig nach deren Niederlage öffentlich präsentiert. Oft wurden sie dazu aufgespießt und nach Konstantinopel gebracht oder verschickt. Hierdurch wurd symbolisch die Ordnung wiederhegestellt: XVIII 35, 25. (Florian Battistella)
17/2 καὶ μετὰ τὴν αὐτὴν νίκην ἔδωκε δωρεὰς τοῖς ὑποτελέσι πᾶσι τοῖς ὑπὸ τὴν αὐτοῦ βασιλείαν: Eine ähnliche Formulierung findet sich später noch einmal XVI 21, 1. (Florian Battistella)
17/3 μετὰ τὴν αὐτὴν νίκην: Der endgültige Sieg über die Isaurier wurde erst im Jahre 498 errungen, und damit einige Zeit nach der Schlacht bei Kotyaion im Jahre 492 (vgl. Meier 2012, 297; Feld 2005, 333f.; Hild/Hellenkemper 1990, 41f.). Die Ereignisse sind im erhaltenen Text also erheblich gerafft. (Florian Battistella)
17/7 ἔδωκε δωρεὰς τοῖς ὑποτελέσι πᾶσι τοῖς ὑπὸ τὴν αὐτοῦ βασιλείαν: In der Forschung ist umstritten, ob sich hinter den genannten Geschenken die Aufhebung der Ἰσαυρικά verbirgt. Dies glaubt Meier 2012, 299. Feld 2005, 332 hingegen nimmt an, dass Anastasius die Isaurierabgabe "gleich nach seinem Regierungsantritt" abschaffte (ähnlich auch Hild/Hellenkemper 1990, 41; Antoniadis-Bibicou 1963, 244 sowie mit Abstrichen Haarer 2006, 23 Anm. 65; Stein 1949, 83). Für eine solche frühe Datierung lässt sich Jord. Rom. 354 ins Feld führen. Verhältnismäßig unpräzise bleiben Joh. Ant. fr. 308 Roberto = fr. 243 Mariev, der eher als Beleg für die Frühdatierung taugt, und Evagr. HE III,35, dessen Aussage eher für die spätere Datierung spricht. Eine Gleichsetzung der Geschenke mit der Einführung der Chrysoteleia ist angesichts der Ausführungen von Evagr. HE III,42 abwegig (dazu auch XVI 3, 19). (Florian Battistella)
18/4 βασιλείαν: In den Excerpta de insidiis wird die Erzählung des Isaurierkrieges folgendermaßen fortgeführt: καὶ πάλιν συνεκροτήθη πόλεμος μεταξὺ Ἰσαύρων, καὶ εἰσηνέχθησαν αἰχμάλωτοι Σιλούντιος καὶ Ἴνδης καὶ ὁ ἀδελφὸς αὐτοῦ ἀπὸ τῆς Ἱσαυρίας, καὶ Λογγῖνος ὁ ἀδελφός Ζήνωνος τοῦ βασιλέως ἐξωρίσθη (Exc. de insid. 168,7--10 De Boor). Wie sich das, was sich in Mal. XVI 3 nach βασιλείαν anschließt, zu diesem Passus verhält ist nicht klar. Denkbar ist, dass sich die Passage der Excerpta ursprünglich direkt anschloss und in O fortgelassen wurde. Es ist aber auch möglich, dass die Excerpta de insidiis aus rein thematischen Gründen die fiskalischen Ausführungen in Mal. XVI 3 nicht enthalten und ihr Passus einen Abschluss der Darstellung des Isaurierkrieges schaffen sollte.

Auffällig ist, dass bei Exc. de insid. 168,7--10 De Boor wie auch an anderen Stellen der konstantinischen Exzerpte, die Mal. XVI nahestehen (Exc. de insid. 167,21--23 De Boor; Exc. de insid. 168,32--34 De Boor; Exc. de virt. I, 163,17--19 Büttner-Wobst), die Verbannung von Personen erwähnt wird und diese in den entsprechenden Passagen von O nicht zu lesen ist. Besonders auffällig an der vorliegenden Stelle der Excerpta ist die Verbannung des sonst im erhaltenen Text von Mal. XVI 3 nicht erwähnten Bruders von Zenon (XV 12, 10). Zu den übrigen zusätzlich genannten Personen der hier betrachteten Stelle der Excerpta s. PLRE II (Longinus of Selinus 4), 688; PLRE II (Indes), 591; PLRE II (Anonymus 124), 1237. (Florian Battistella)
19/1 Ὁ δὲ Θειότατος βασιλεὺς Ἀναστάσιος: In Mal. XVI ist diese Wendung, teils mit kleinerer Variation, ein Mittel zur Einleitung eines neuen Themas (vgl. XVI 3 (am Anfang); XVI 7; XVI 8; XVI 10; XVI 12; XVI 21; s. auch XVI 13). Möglicherweise wäre XVI 3 daher in zwei Abschnitte aufzuteilen, von denen der zweite dann hier beginnen müsste. Zum Vergleich: XV 12, 3f.. (Florian Battistella)
Parallelüberlieferung
Zu Anastasius' Auseinandersetzungen mit den Isauriern s. die Angaben bei Thurn 2000, S. 320 sowie Evagr. HE III,29; Zach. Rhet. VIIa (Übers. 227), VII,2a (Übers. 230--231); Jord. Rom. 354-355; Mich. Syr. IX,11, S. 168 Chabot; Marc. Com. a.a. 491; 492; 497; 498; Prisc. paneg., v.a. 50--66; Prok. Gaz. paneg. 9--10; Georg. Mon. 624f. De Boor. Aktuelle Ausgabe von Johan. Antioch. §239 und §243 (Mariev) = EI 100 und EV 73. Zur Chrysoteleia s. Evagr. HE III,42. Die slawische Fassung bietet eine sehr knappe Version dieses Kapitels (vgl. Istrin 1994, 344; Tvorogov 1999, 354). Die einleitenden Wörter Ὁ δὲ αὐτὸς βασιλεὺς sind nicht vorhanden, da der Text direkt auf die slawische Fassung von XVI 1 folgt, geht aus dem Zusammenhang klar hervor, dass der handelnde Akteur der Kaiser ist. Der Satzteil ἀκούσας, ὅτι συνάγονται οἱ Ἴσαυροι εἰς τὴν ἰδίαν αὐτῶν χώραν τυραννῆσαι βουλόμενοι ist sehr wortgetreu übersetzt (es fehlt lediglich ein Äquivalent von ἰδίαν). Der Krieg selbst ist sehr knapp zusammengefasst; Spinka/Downey 1940, 114 übersetzen die slawische Fassung dieses Kapitels folgendermaßen: "Hearing that the Isaurians were gathering in their country intending to revolt, he sent against them a prince with an army and slaughtered them."
Literatur
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